Kürzlich saß ich stundenlang am Flughafen. Der Abflug hatte sich massiv verspätet. Viele Mitreisende waren extrem unruhig. Sie hatten entweder Anschlussflüge gebucht oder wollten schnell zu ihren Liebsten nach Hause.

Unter all den aufgeregten Passagieren gab es eine kleine, ältere Dame. All die vielen Stunden Wartezeit verbrachte sie seelenruhig auf ihrem Stuhl. Mal aß sie eine Kleinigkeit, trank etwas oder beobachtete die hektische Situation um sich herum: aufgeregte Fluggäste, die wild gestikulierten, hektisch argumentierten, und stürmischen Aktionismus an den Tag legten, bloß um Recht zu haben. Die meisten hatten die optimalen Lösungen und Erklärungen, warum so etwas nicht passieren darf oder kann.

Nach fünf Stunden ging es zurück gen Heimat. Auf dem Weg zum Flugzeug aufgeregte Gesichter, schimpfende Äußerungen über soviel Unzuverlässigkeit, „Und das in der heutigen Zeit“. Nur die kleine Oma ging vollkommen entspannt an Bord.

Die Situation zeigte mir mal wieder, dass Traden das Leben ist! Was hat es all diesen Menschen gebracht sich unentwegt so über die Geschehnisse aufzuregen? Nichts! Die Realität wurde deswegen keine andere. Alles war, wie es sein konnte in dem Moment. Wie an den Märkten! Sich aufzuregen, was alles hätte besser sein können, nützt nichts. Worüber wir uns aufregen ist letztlich unser scheinbar falsches Handeln. Es ist nicht das eingetreten, was wir uns erhofft hatten. Die Realität hat uns etwas anderes präsentiert. Doch damit wollten wir uns nicht abfinden.

Worum es hier geht, ist Geduld! Geduld die Dinge zu nehmen, wie sie sind und nicht wie wir sie uns wünschen. Geduld ist im Jetzt – Wünsche liegen in der Zukunft. Und die Zukunft können wir nicht sicher planen.

Doch woran liegt es, dass es uns so schwer fällt geduldig zu sein? Auf den richtigen Moment zu warten, statt uns die eigene Performance immer wieder durch Ungeduld kaputt zu machen? Einfach beantwortet: weil wir sie nicht haben. Logisch beantwortet: weil wir nicht daran gearbeitet haben.

In unserer Gesellschaft ist die Lieblingszeiteinheit SCHNELL! Alles soll am besten schon gestern fertig gewesen sein. Keine Zeit, keine Zeit... Woran liegt das? Weil wir ins Tun kommen wollen und müssen. Müßiggang ist in unserer Gesellschaft nicht viel wert. Dann werden wir allzu schnell als faul abgestempelt. Wir tun alles schnell dafür, um noch schneller ans Ziel zu kommen. Und wir bleiben auf der Strecke mit unserer Geduld. Die Spirale der Leistungsgesellschaft dreht sich immer dynamischer und wir drehen dabei fast durch. Aber das muss ja wohl so sein, machen ja alle so. Die Masse irrt sich ja bekanntlich nie. Könnte man meinen!

Machen Sie eine kleine Übung. Setzen sie sich bequem auf einen Stuhl, schließen sie die Augen, atmen sie bequem ein und aus und denken sie mal fünf Minuten an nichts.

Sie werden sehen, wie schwer es ist den Geist zu beruhigen. Die Yogis nennen den Geist einen wilden Affen, der ständig die Palme rauf und runter rennt. Geduldig im Hier und Jetzt zu sein, ist wohl mit das Schwerste am Traden.

Der Grund dafür kann durchaus auch tiefer liegen. Wer als Kind schon ein Zappelphillip war, ist vermutlich auch als Erwachsener eher unstet. Manch andere bringen sich mit ihrer Unruhe bewusst von sich weg, um nicht spüren zu wollen was durch die Ruhe erst aufsteigen könnte. Allein der Gedanke daran macht bewusst oder unbewusst Angst. Somit kann Ungeduld durchaus einen Sinn machen. Hilfreich ist sie damit aber noch lange nicht. Vielleicht können Sie dies selbst an ihrer eigenen Fehleranalyse erkennen.

Die Entscheidung einfach mal geduldiger zu sein hilft da meist nicht. Denn in Ihrem Gehirn hat sich längst ein „Ungeduldsprogramm“ ausgebreitet, welches sie voll im Griff hat. Erst eine Veränderung dieses Programms führt zu neuem Verhalten.

Eine Möglichkeit ist ein strenges Übungsprogramm. Eine andere Möglichkeit ist die Veränderung im Unbewussten.

Am Ende werden Sie mit einer schönen Qualität beschenkt – Geduld! Und ich verspreche Ihnen, sie wird sich im wahrsten Sinne auszahlen. Am Flughafen wie auf ihrem Konto!

Norman Welz

Mentaltrainer / Börsenpsychologie