Die Börse hat uns in den letzten Tagen mal wieder gezeigt: Ein Trader muss mit allem an den Märkten rechnen. Unsicherheit ist beim Traden das Thema Nr. 1! Enorm hilfreich ist es, wenn die Psyche auf solche Kapriolen vorbereitet ist. Ist sie das nicht, kann es schnell zu starken Irritationen kommen und die Empfehlungen anderer sind dann besonders verlockend.

Dabei analysiert der eine das die Märkte weiter steigen und ein anderer, dass sie jetzt deutlich fallen werden. Der Nächste sieht die Märkte eher neutral und ein weiterer extrem im Aufwärtsschub. Eine Ursache – viele Meinungen!

Auch die Klärungsversuche des abrupten Abfalls der Kurse waren schön zu lesen: Mal war ein Händler auf die Tastatur gefallen, dann lag es an Griechenland. Dann wurden angeblich bei der Ordereingabe Millionen mit Milliarden verwechselt. Einige sahen die starken Kursbewegungen als heftige, aber doch notwendige Fibonacci-Korrrektur. All diese Meinungen zeigen wieder einmal deutlich das menschliche Bedürfnis sich die Realität erklären zu müssen. Der Mensch will verstehen und sucht nach der einen richtigen Lösung. Viele Trading-Anfänger kennen dieses Verhalten vor allem bei der Suche nach dem perfekten Handelssystem.

Das tatsächliche Bedürfnis ist auch hier mal wieder der Wunsch nach Sicherheit. Und da der Mensch sich gerne in Sicherheit wiegen möchte, entscheidet er sich bei den Analysevorschlägen unbewusst für die Variante, die seiner eigenen Einschätzung entspricht. Am stärksten ist die Meinung des Traders wenn er bereits eine Position eröffnet hat. Dann ist er nicht mehr unvoreingenommen, sondern schon auf „Gewinnen-wollen“ programmiert.

In entsprechenden Studien konnte bewiesen werden, das Trader den Analysen anderer mehr glauben, wenn sie dem eigenen Engagement an der Börse entspricht. Glaubt der Trader z.B. das eine bestimmte Aktien, die er gekauft hat steigen wird sucht er unbewusst nach Informationen, das dieses auch passieren wird. Verstärkt wird der Effekt noch, wenn die Position ins Minus läuft.

Da alle gerne wüssten wohin die Kurse laufen, sind wir anfällig für entsprechende Vorhersagen oder gar Versprechungen. Der eine oder andere vor allem dann, wenn er bei diesen großen Kursschwüngen nicht mehr weiß wie er handeln soll. Oder mit seinen Positionen immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt wird.

Heute fand ich in meiner Post eine Börsenbrief-Werbung mit dem reißerischen Satz: „Diese Solar-Aktie wird bald durch die Decke“ gehen“. 629% Chance steckt angeblich in dieser Anlage. Der Chart glich dem der Telekom seit 2001. Ganz nach dem Motto „tiefer geht´s nicht mehr“. Nein, aber höher vielleicht auch nicht!

Wer bei so etwas einsteigt muss sich darüber im Klaren sein dass er nicht seiner Strategie folgt sondern der eines anderen. Und wenn ich anderen folge, dann bekomme ich auch die Ergebnisse des anderen. Passiert einem das öfter kann es zu einem ausgewachsenem Problem werden. Ganz im Sinne von: ich folge und werde verfolgt!

Verfolgt von Risiken, die nicht meine waren. Verfolgt von Verlusten, die ich nie erleben wollte. Verfolgt von Depotleichen, die ich nie haben wollte. Verfolgt von einer riskanten Handelsstrategie. Verfolgt von einer fremden Stoppsetzung. Verfolgt von dem Gefühl – „hoffentlich geht alles gut!“ Verfolgt von einem fatalen Money Management etc.

Wer den Analysen anderer zu sehr glaubt, glaubt sich selber meist nicht! Und genau hier liegt das Lernpotential. Wenn Sie merken, dass ihre Trades oft auf den Empfehlungen anderer geschehen, und Sie letztlich nicht erfolgreich sind, dann könnte es sein, das genau das ihr Fehlverhalten war. Denn Sie traden dann das System eines anderen. Und das mit all seinem Können oder nicht Können. Und im schlimmsten Fall mit dessen bösen Absichten. Vermischen Sie diese Empfehlungen auch noch mit weiteren, dann traden Sie schon zwei oder gar mehr Systeme.

Fragen Sie sich also bei jedem Engagement, ob es auch Ihr System ist, welches hier gehandelt wird. Falls nicht, sein Sie sich darüber im Klaren welche Folgen das haben kann.

Es ist wichtig, ein eigenes System zu haben und sich selbst und Ihrem System zu vertrauen. Die Analysen anderer müssen sich immer ihrem System unterordnen. Nur dann traden sie selbstbestimmt!

Eine Überprüfung diesbezüglich ist am sinnvollsten VOR dem Trade. Fragen sie sich immer wieder – FOLGE ICH MIT DIESEM TRADE 100% MEINEM SYSTEM?!

Um das nie zu vernachlässigen setzen Sie sich dafür einen Anker. Zum Beispiel einen Zettel, der an ihrem Computer klebt. Je öfter Sie diesen wahrnehmen desto selbstverständlicher werden Sie daran erinnert. Oder programmieren sie sich ihren Bildschirmschoner mit dieser Frage. So haben Sie das Wichtigste immer vor Augen!

Norman Welz - Mentaltrainer / Börsenpsychologie