Die Geschehnisse der letzten Woche haben mal wieder deutlich gezeigt: Sicher ist, dass nichts sicher ist! Trotzdem stellen sich Politiker, Experten und Wirtschaftsbosse vor die Öffentlichkeit und verbreiten voller Überzeugung: "Bei uns in Deutschland kann so etwas nicht passieren". Als Psychologischer Coach würde ich jetzt vertiefend fragen "Was genau kann nicht passieren?".

Mir geht es hier aber nicht darum, was genau diese Menschen meinen, sondern um den Kern der Aussage "...kann nicht passieren!". Wer 1 und 1 zusammenzählen kann, der weiß natürlich auch, dass das Unsinn ist. Trotzdem fühlen sich die Menschen wohler, wenn ihnen "Experten" sagen, dass das bei uns nicht passieren kann.

Realistisch betrachtet weiss niemand was passieren wird. In keinem Moment! Ich weiss nicht, ob ich diese Kolumne noch zu Ende schreiben werde. Da ich mir nicht sicher sein kann, ob ich gleich noch leben werde. Klingt vielleicht absurd, ist aber die Wahrheit.

Genauso wenig wissen Politiker oder Experten was mit unserer Erde und den Atomkraftwerken in den nächsten Augenblicken passieren wird. Trotzdem lassen sie uns glauben, dass sie es wüssten. Vertrauensvoll ist das nicht. Das ist sicher!

Dieses Verhalten soll die Bevölkerung natürlich beruhigen - politische und wirtschaftliche Interessen mal außen vorgelassen. Denn die Wahrheit lässt sich nicht gut verkaufen.

Die enthaltenen Suggestionen dabei sind für mich als Finanzpsychologe und Tradercoach das spannendste:

Es gibt Sicherheit. Es gibt jemanden, der das beurteilen kann - "Experten"

3. Es gibt Parameter für Sicherheit, diese müssen nur angewandt werden, dann ist Sicherheit existent.

Das ist alles Quatsch! Es bleibt dabei: Sicher ist, das nichts sicher ist!

Und je mehr man das, besonders beim Börsenhandel, verinnerlicht, desto schneller kommt man als Trader auf die Erfolgsspur. Mehr Indikatoren und Oszillatoren schaffen nicht wirklich mehr Sicherheit. Höchstens gefühlt! Der Kurs wird dahin gehen, wo er hingeht. Denn nicht alle Händler handeln nach den selben Parametern.

In der Tiefe wissen wir das ja, aber trotzdem suchen wir nach dem Schlüssel der uns 100%ige Sicherheit gibt. Woher kommt das?

Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow veröffentlichte 1943 eine Bedürfnishirachie, die Maslowsche Bedürfnispyramide. Sie kategorisiert die Bedürfnisse eines Menschen in fünf Stufen:

Körperliche Bedürfnisse: Freiheit, Nahrung, Atmen, Wärme, Wohnung... Sicherheit: Fester Arbeitsplatz, Absicherung, Recht, Ordnung... Soziale Beziehungen: Familie, Freunde, Partnerschaft... Soziale Anerkennung: Status, Respekt, Wohlstand, Erfolg... Selbstverwirklichung: Individualität, Perfektion, Erleuchtung...

Sicherheit steht bei Maslow weit oben an zweiter Stelle. Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass in jedem dieser fünf Stufen Sicherheit elementar von Bedeutung ist!

Denn Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis.

Hinzu kommt, das es Kulturen und Nationen gibt, denen Sicherheit wichtiger ist als anderen.

Die deutsche Mentalität ist eher geprägt von schneller Verunsicherung, Ängstlichkeit und Misstrauen. Nicht umsonst sind Versicherungen des Deutschen liebstes Kind.

In der Schule lernen wir die Mathematik der Sicherheit kennen und werden davon geprägt: 1 + 1 = 2. Die Werbung vermittelt uns tagein tagaus, dass das Leben planbar sei (Karriere trautes Heim, Frau, Kinder, Hund - sterben im hohen Alter: "Sie leben - wir kümmern uns um den Rest!". Auch Technik vermittelt uns den Eindruck, dass sie kontrollierbar sei (Autos fahren wie auf Schienen). Fällt dann mal ein Passagierflugzeug vom Himmel sind viele Menschen ganz überrascht und so mancher derart panisch, dass er nicht mehr in ein Flugzeug steigt. Obgleich es das sicherste Verkehrsmittel ist.

Auch Ärzten wird immer wieder viel vertraut, aber auch sie wissen nie mit Sicherheit wie es mit unserer Gesundheit weitergehen wird. Tatsache ist, dass auch Ärzte keine Kristallkugel haben! Dafür sprechen unzählige Fehldiagnosen.

Monique van der Vorst z.B. saß 13 Jahre lang im Rollstuhl. Im Alter von 13 Jahren wurde sie am Knöchel operiert, es kam zu Komplikationen. Ärzte rieten ihr dringend zur Beinamputation. Sie weigerte sich.

Fortan widmete sie sich dem Behindertensport. Gewann bei den Paralympics 2008 in Peking die Silbermedaille im Handcyling. 2009 wurde sie Weltmeisterin bei den Para-Triathletin Ironman Hawaii. Nun freute sie sich auf die Paralympic 2012 in London. Doch daraus wird nichts - Monique van de Vorst kann wieder laufen!

Auch bei dem denkbar Unsichersten muss man immer mit dem Gegenteil rechnen.

http://www.20min.ch/sport/weitere/story/13351556

Sicher ist, das niemand eine Vorhersage für`s Leben, die Erde oder das Universum machen kann! Für die Börse ist das leider auch der Fall, auch wenn das vielen nicht gefällt und sie gläubig Experten, Gurus und diversen Hilfswerkzeugen der technischen Analyse hinterher pilgern.

Was tun? Sicher sein, das nichts sicher ist. Nirgendwo zu keiner Zeit und für niemanden! Beim Traden können Sie einen Stopp setzen. Doch auch der ist nicht immer sicher - gut zu wissen!

Norman Welz

Finanzpsychologe / Mentaltrainer