Veränderung mögen wir Menschen nicht so gerne. Wir lieben es, wenn alles bleibt wie es ist oder wie wir es erwarten das es sein wird. Und dann kommt es doch plötzlich ganz anders.

Der Chef hat nicht mehr genügend Aufträge und entlässt seine Mitarbeiter. Der Partner hat sich in einen anderen verliebt und trennt sich. Und auch an der Börse geht es oft genug in die „falsche Richtung“.

Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Veränderungen. Und während ich dieses hier schreibe verändert sich mein Körper unentwegt. Alles ist in Bewegung und dennoch können wir Menschen nicht gut mit Veränderungen umgehen. Schnell wird dann ein Schuldiger für die ungewollte Veränderung des eigenen Lebens gesucht.

„Mein Chef ist doch der letzte Depp, nur weil der nicht in der Lage ist das Neugeschäft auf Trapp zu bringen muss ich jetzt büßen und werde arbeitslos!“ „Meinst Du Dein neuer Lover liebt dich – der nutzt dich doch nur aus – Du bist so blöd!“

Loslassen bedeutet frei zu sein

Statt Veränderungen könnten wir auch das Wort festhalten benutzen. Wir halten fest an unseren Vorstellungen, an dem was wir haben, an dem was wir haben wollen, glauben haben zu müssen, an dem was andere von uns erwarten. Wir halten fest an gesellschaftlichen Normen, an Gesetzen – ungeschrieben wie geschriebenen: wir halten fest an Glauben, Wünschen, Hoffnungen. Wir halten fest an Menschen, Tieren und Gegenständen. Und je mehr wir festhalten desto schwerer ist das Loslassen.

Loslassen bedeutet mit dem zu gehen was IST – und nicht von den eigenen Vorstellungen gefangen genommen zu werden. Loslassen bedeutet frei zu sein. Frei sein von den Vorstellungen das Menschen so oder so sein oder handeln müssen, das die Dinge sich so oder so ereignen werden.

Aber das Leben ist nicht so. Auch wenn es die Werbung uns immer wieder gerne verspricht mit Sätzen wie „Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause“, oder „Wir sichern ihr Leben ab - und Sie kümmern sich um den Rest!“.

Keine Nation ist so überversichert wie die Deutschen. „Sicherheit geht über alles“, noch so eine Werbebotschaft. Tatsache ist aber: für nichts im Leben gibt es eine 100% Sicherheit.

Sicher, jetzt höre ich einige, die sagen „Ja, aber zu 100% steht fest, dass das Leben endlich ist!“ Stimmt bis heute. Doch niemand weiß, ob es nicht einen gibt, der schon morgen beweisen kann, dass Leben nach dem Tod weitergeht. Gerade unser Wirtschaftssystem baut darauf auf, dass es morgen Dinge geben wird, die es heute noch nicht gibt. Und nicht wenige investieren gerade deswegen. Würde nämlich alles so bleiben wie es ist, gäbe es vermutlich keine Börse. Wozu sollten sich Charts bewegen, wenn jede Firma immer die gleichen Produkte und den gleichen Absatz hätte?!

Die Gene haben uns im Griff

Es sind natürlich nicht die Werbesprüche allein Schuld an unserer „Hosenträger-Gürtelmentalität“. Die Gründe dafür sind wie immer vielfältig. Dazu gehören die übernommenen Glaubenssätze unserer Eltern ebenso wie die Psychologie der Massen. Amerikaner sind überwiegend risikofreudiger als Deutsche. Vor allem aber ist es der natürliche Wunsch nach Sicherheit. Sicherheit bedeutet nun einmal für den Menschen eine Chance auf Arterhaltung. Und die ist immer noch genetisch fest in uns verankert.

Das wahre Leben

Worauf ich hinaus will ist, dass wenn Sie vor dem Chart sitzen, genau dieses das wahre Leben ist – Bewegung! Ständige Veränderungen, Ungewissheit, Risiko sind an der Börse wie auch im Leben der Normalzustand und nicht die Ausnahme. An der Börse sind sie sogar gewollt. Im Leben versuchen wir diese Aspekte gerne auszuschalten oder zu vermeiden. Und weil wir meistens mit dieser unbewussten Einstellung an der Börse handeln scheitern wir nicht selten. Je mehr wir verinnerlichen, das Leben ständige Veränderung und Ungewissheit bedeutet und dies auf den Börsenhandeln übertragen, um so größer sind die Chancen das es leichter wird - im Leben und beim Handeln an der Börse!

Vorstellungen zu haben heißt bildlich, dass wir uns etwas vor die Realität stellen. Und wir selbst sind es die sich da etwas vor-stellen. Und damit verstellen wir uns die Realität. Wir sehen nicht was wirklich ist, sondern was wir sehen wollen. Und damit kommt man im Leben wie an der Börse meist nicht sehr weit!

Es ändert sich ständig alles – deswegen ist auch alles möglich!

Und je schneller Sie das auf Ihren Handel an den Märkten übertragen können, desto erfolgreicher werden sie werden.

Ich möchte Sie bitten sich jetzt einmal einen kurzen Moment Zeit zu nehmen um sich irgendein Ereignis Ihres Lebens vorzustellen und es vollkommen emotionslos zu akzeptieren. So wie eine Tasse, die herunterfällt und sie sehen nur die Realität: grauer Steinfußboden, weiße Porzellansplitter in vielen Teilen, verstreut auf dem Boden, manche sind etwas gewölbt, andere liegen ganz flach auf dem Boden, einige sind an den Enden spitz, andere rund, braune Flüssigkeit fließt um die Teile herum und so weiter... Sie können das überall in Ihrem Alltag üben – sehen, was ist. Ohne zu bewerten. Je öfter Sie das tun, desto mehr werden Sie auch die Charts sehen, wie sie sind.

Was ich eben beschrieben habe ist die Qualität eines Handelssystems: Einstieg in den Markt wenn..., Die Positionsgröße ist...,Stopp wird gesetzt bei..., Stopp folgt wenn... Ausstieg bei... Ein Handelssystem bewertet nicht mehr, es reagiert nur noch und folgt den festgelegten Anweisungen. Bewerten tun nur wir Menschen, niemand sonst.

Wenn Sie anfangen zu handeln was Sie wirklich sehen und loslassen, was Sie sehen wollen, dann steigen Ihre Erfolgschancen beim Trading enorm.

Wenn wir Menschen akzeptieren würden, dass sich ständig alles verändert, und lernen würden damit zu leben, dann hätten wir es wesentlich leichter. Denn Leben heißt Bewegung – und was sich bewegt verändert sich nun mal. Das gilt für alles!

Norman Welz

Mentaltrainer / Börsenpsychologie