Wer beim Trading viel weiß ist sicher anderen Tradern überlegen. Doch Wissen ist nicht gleich Wissen. Natürlich, auch beim Traden braucht man Fachwissen. Doch um erfolgreich zu sein braucht man als Trader vor allem Wissen über sich selbst!

Menschen, die in anderen Berufen sehr erfolgreich waren müssen nicht zwangsläufig auch an der Börse sehr erfolgreich sein. Im Gegenteil. Charaktereigenschaften, die in der freien Wirtschaft sehr nützlich sind können den Erfolg beim Traden eher stören. Als Selbstständiger oder Führungskraft hat man sich meist seine ganz eigenen Strukturen aufgebaut. Man plant gezielt den Verlauf der Firma und ist gewohnt, dass andere den eigenen Anweisungen folgen.

An der Börse bin ich der Chef!

Wer erwartet das starre Strukturen eingehalten werden und sich die Ideen so entwickeln wie man sie geplant hat, hat es vielfach schwerer beim Traden. Das Bedürfnis nach Perfektion gehört hier ebenso dazu. Denn an der Börse herrschen andere Regeln. Es ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten und keiner weiß, was im nächsten Moment passiert.

Neues Spiel – neue Regeln!

Da kann man sich fragen ist die Börse gerechter?

Gerechter nicht, aber die Spielregeln sind hier andere: nämlich für alle gleich! Menschen, die es durch großen Fleiß und Ehrgeiz bis an die Spitze des Erfolgs schaffen, verfügen oft über besondere Fähigkeiten. Doch diese müssen beim Börsenhandel nicht unbedingt gewinnbringend sein!

Der Rechtsanwalt gewinnt seine Prozesse mit Hartnäckigkeit, beim Ingenieur verlässt man sich auf seinen Perfektionismus, beim Arzt auf die unverrückbaren Gesetze der Medizin. Wer ganz oben an der Spitze der Karriere angekommen ist hat in vielen Fällen hart dafür gekämpft.

So wurden zum Beispiel auch taktisch kluge Entscheidungen und Tricks der anderen rechtzeitig erkannt und gezielt umgangen. Macher machen. Und je erfolgreicher sie mit dieser Strategie sind, desto mehr machen sie!

Man muss nehmen was man kriegt – und nicht was man haben will!

An der Börse herrschen andere Gesetze. Da muss man nehmen, was man kriegt und nicht was man will. Das unterscheidet das klassische Business von der Börse. Da wird ein Selbstständiger bzw. eine Führungskraft wieder zum Abhängigen. Denn die Börsenkurse nehmen ihren ganz eigenen Lauf. Und wohin die wann gehen weiß niemand. Einer Aktie ist es vollkommen egal, ob Sie Ihr Geld in sie investieren, oder welche Ziele Sie mit ihr haben. Die läuft wohin die zahllosen Anleger sie treibt. Und nicht wohin Sie wollen. Bei diesen Regeln müssen auch die größten Chefs akzeptieren sich unterzuordnen!

Erfolg „machen“ geht nicht an der Börse – erfolgreich sein schon!

Was im Berufsleben zum großen Erfolg geführt hat kann beim Traden zum Verhängnis werden. Erfolg mit starkem Willen und Hartnäckigkeit „machen“ geht an der Börse schlecht, denn es ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Je mehr man will, desto weniger bekommt man meistens.

Genau das sind die Stolpersteine der Macher-Typen: „Ich bestimme was gemacht wird – und vor allem wie!“, „Ich gebe immer 150% - und erwarte das auch von anderen!“

Diese Sätze sind keine Floskeln, sondern Lebenseinstellungen, Erfahrungswerte, subjektive Wahrheiten – Glaubenssätze. Wer jedoch glaubt die Märkte bestimmen zu können, wird schnell Ernüchterung finden. Ebenso der, der von sich 150% erwartet. Perfekt ist an der Börse nur der Zufall - sicher ist, dass nichts sicher ist!

Für die Börse braucht man die richtigen Glaubenssätze!

Erfolgreiche Menschen haben meistens sehr starke Glaubens- und Verhaltensmuster. Wer es mit seinem Einstellungen weit gebracht hat lässt sich nur sehr ungern davon abbringen. Er ist überzeugt, dass genau diese Überzeugungen der Wer zu seinem Erfolg sind. So jemand lässt sich nur schwer in seinen Ansichten korrigieren. Doch genau das ist die Kunst an den Märkten – Flexibilität. Sie müssen bereit sein für alle Eventualitäten. Was eben noch viel wert wahr kann im nächsten Moment schon null und nichtig sein. Sie müssen bereit sein Ihre Einstellungen und Ihre Verhaltensmuster jederzeit ändern zu wollen.

Die Absicht schnell reich zu werden genügt nicht. Und die steile Karriere als Arzt oder Firmenchef bedeutet nicht, dass man sie mit den selben Handlungsmustern auch im Börsenhandel erfolgreich wiederholen kann. Denn hier sind meistens andere Verhaltensmuster notwendig.

Auch für Firmenchef zählen die selben Gesetze!

Kürzlich erzählte mir ein Tradercoach-Kollege das ein Firmeninhaber keine Lust mehr auf sein Business hatte. Er verkaufte die Firma und klebte zum Abschied einen Zettel an seine Bürotür „Tschüss – bin jetzt Trader!“. Mit knapp einer Million Euro ging er in die große weite Welt des Tradings und landete in der Wüste. Nun hat er erkannt, dass da draußen an der Börse wohl andere Gesetze herrschen. Seine vorherigen Erfolgs-Erfahrungen brachten ihn immer weiter weg von seinem Ziel. Nun versucht er mit Hilfe von Coaching, Seminaren und seinen restlichen 150.000 € an alte Zeiten anzuknüpfen.

Je älter eine Erfahrung um so nachteiliger kann sie sich auswirken!

Für einen Arzt oder Rechtsanwalt kann Harmonie etwas sehr wichtiges sein. Als Trader/Anleger ist das Bedürfnis nach Harmonie meist die Falle für Verluste. Wer sich aber zwanzig Jahre extremes Harmoniebedürfnis angewöhnt hat muss als Trader eine neue Einstellung dazu finden und sich ein neues Verhaltensmuster zum Thema antrainieren. Als Trader ist man natürlich mit noch weit mehr Verhaltens- und Denkmustern konfrontiert. Und je stärker diese verankert sind (neuronale Netze) desto schwerer kann eine Veränderung sein!

Es sind die vielen unbewussten Muster, die jeden Anfänger mit voller Wucht treffen, wenn er mit dem Traden beginnt. Menschen mit starkem Willen wollen dem Markt oft beweisen wer der bessere ist. So funktionieren die Märkte aber nicht. Der eigne große Wille zum Erfolg kann einem beim Traden durchaus im Weg stehen.

Kurzum: Wissen kann Macht sein. Aber nur, wenn man weiß welches Wissen hilfreich ist und wie man dieses Wissen dann gewinnbringend einsetzt!

Norman Welz
Mentaltrainer / Börsenpsychologie