Seit Beginn des Freihandelsabkommens vor mehr als 20 Jahren ist ein Trend nicht mehr aufzuhalten. Der nordamerikanische Wirtschaftsraum wächst zusammen. Das bedeutet in der Praxis, dass sich die Volkswirtschaften immer ähnlicher entwickeln.

Dieses Zusammenwachsen zeigt sich in vielen Bereichen. Am offensichtlichsten ist es beim Wirtschaftswachstum. Zu Beginn des Freihandelsabkommens hatte synchrones Wirtschaftswachstum mehr zufälligen Charakter, doch in den letzten 20 Jahren ist die Korrelation ständig gestiegen.

Nun ist Mexikos Wirtschaft im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal 2017 geschrumpft (Grafik 1). Das Wachstum kühlt sich bereits seit einem Jahr ab. Dieser Trend begann bereits vor der Wahl von Präsident Trump. Seine Aussagen zum Abkommen und zu Mexiko haben zweifellos nicht gerade die Investitionsbereitschaft in Mexiko gestärkt und sind vermutlich mitverantwortlich für einen Dämpfer, doch Trump ist nicht alleine dafür verantwortlich.

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Die Wachstumszahlen von einem Quartal auf das nächste mögen noch etwas beliebig wirken. Betrachtet man die Wachstumszahlen gegenüber dem Vorjahr und nicht dem Vorquartal (Grafik 2), zeigt sich eine sehr viel schönere Korrelation. Die Aussage bleibt die gleiche. Mexikos Wachstum fällt relativ deutlich und rasch. Das Wachstum in den USA beschleunigt sich hingegen. Kann das sein?

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Mexikos Wirtschaft ist die Werkbank der USA. Läuft es in den USA nicht, kann sich Mexiko davon nicht absetzen. Der Rückgang des Wachstums gibt daher zu denken. Er ist aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine Nachfrageschwäche in den USA ausgelöst. Dabei geht es nicht nur um Konsum, sondern auch neue Investitionen in Mexiko.

Durch die Unsicherheit rund um das Freihandelsabkommen ist klar, dass US-Unternehmen nicht gerade die Investitionsschleusen öffnen. Sie haben aber auch nicht aktiv in großem Stil Investitionsvorhaben rückgängig gemacht. Es verwundert also schon, dass sich die mexikanische Wirtschaft im Abwärtstrend befindet und die US-Wirtschaft plötzlich stärker wächst.

Eine negative Korrelation über ein oder zwei Quartale kann immer wieder vorkommen. Früher oder später löst sich diese Divergenz auf. Da Mexiko in hohem Maße von der Performance der US-Wirtschaft abhängig ist, ist Mexikos Wachstumsdämpfer ein Indikator für unterliegende Schwäche in den USA.

Man kann es auch anders ausdrücken: wenn die USA boomen, kann Mexiko eigentlich nicht in eine Rezession rutschen. Genau das droht zu geschehen. Etwas stimmt also nicht. Entweder ist Mexikos Wachstumsschwäche ein Ausrutscher oder die US-Wirtschaft boomt nicht wie von vielen angenommen.

Es ist ein Warnschuss. Die USA befinden sich im Freudentaumel über ein sich beschleunigendes Wachstum und sind überzeugt, dass es eine neue Stärke ist. Das ist ein voreiliger Schluss.

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