Die Verhandlungsstärke hat sich von den Arbeitgebern auf die Arbeitnehmer verlagert. Das liegt an den historisch niedrigen Arbeitslosenquoten, die wiederum zu steigender Lohninflation und Personalmangel führen. Genau wie Kunden, die sich für ein Unternehmen entscheiden, treffen auch Arbeitnehmer eine bewusste Entscheidung darüber, mit welchem Arbeitgeber sie sich identifizieren möchten. Dies geht weit über Gehalt und Zusatzleistungen hinaus: Zweck, Kultur, Vielfalt und Entwicklungsmöglichkeiten gehören zu den wichtigsten Überlegungen bei der Entscheidung zwischen potenziellen Arbeitgebern.

Investoren müssen diesen Trend berücksichtigen, um auch künftig Unternehmen zu finden, die nachhaltige Wettbewerbsvorteile aufgebaut haben. Dies resultiert meist in Preissetzungsmacht und attraktiven Cashflow-Margen. Die Wertschöpfung für die Anteilseigner erfolgt nicht durch die Senkung der Gehälter der Arbeitnehmer, sondern dadurch, dass die Mitarbeiter am langfristigen Erfolg des Unternehmens beteiligt werden.

Pieter van Diepen, Head of Impact & Sustainable Analyst Team bei NN Investment Partners, sagt: „Seit Beginn der Pandemie hat der Fokus auf das Wohlergehen der Mitarbeiter spürbar zugenommen. Diese Sensibilisierung rückt auch die Art und Weise ins Rampenlicht, wie ESG-orientierte Investoren mit den Unternehmen, in die sie investieren, zusammenarbeiten, um die Unternehmenskultur und den Umgang mit den Mitarbeitern besser zu verstehen. Es liegt auf der Hand, dass diese Faktoren die Stabilität des Geschäftsbetriebs und die Gewinnmargen eines Unternehmens verbessern. Unternehmen, die besser in der Lage sind, Talente anzuziehen und zu halten, sind weniger gefährdet, dass es zu Betriebsunterbrechungen kommt, z. B. durch Streiks, Arbeitskräftemangel oder plötzlichen Druck auf die Lohnkosten. Wir sind der Ansicht, dass die Prüfung dieser weicheren Faktoren in der heutigen angespannten Arbeitsmarktsituation und dem inflationären Umfeld besonders wichtig ist.“