Die Geldpolitik der letzten Jahre war ein großes Experiment und es ist noch längst nicht beendet. Global wächst die Bilanzsumme der Zentralbanken nicht mehr (Grafik 1). Das ist vor allem der Fed zu verdanken, die ihre Bilanzsumme verkleinert. Die EZB hat QE beendet, so auch die Bank of England. Japan druckt noch Geld, aber zu wenig, um global für einen Anstieg der Bilanzsumme zu sorgen. In der Schweiz wird zwar ein Abbau der Bilanzpositionen versucht, doch wegen des anhaltenden Aufwertungsdrucks auf den Franken gelingt das nicht.

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Die Normalisierung, die alle Notenbanker versprochen haben, wird es nicht geben. Das hat die US-Notenbank nun unter Beweis gestellt. Die Normalisierung, die sie durchgeführt hat und bald komplett beendet, verdient den Namen Normalisierung nicht.

Stattdessen mehren sich Stimmen, die etwas ganz anderes im Schilde führen. Sie wollen die MMT (Modern Monetary Theory) in die Praxis umsetzen. Konkret geht es dabei um ein Ende der Unabhängigkeit der Notenbanken. Der Staat bedient sich der Notenpresse direkt.

Auf den ersten Blick muss man da nicht lange analysieren, um zu erkennen, dass das nicht funktionieren kann. Jeder Politiker, der um seine Wiederwahl bangt, wird Wahlgeschenke ohne Ende machen, nur um die Wahl zu gewinnen.

Theoretiker sind auch nicht dumm und wollen daher gewisse Rahmenbedingungen setzen. Bestimmender Faktor soll die Inflation sein. Ist die Inflation zu hoch, darf der Staat kein Geld mehr drucken. Ist sie zu niedrig, darf er mit vollen Händen Geld ausgeben.

In der Praxis würde das so funktionieren: ist die Inflation unter der Zielmarke, legt der Staat ein Konjunkturprogramm auf. Dieses wird nicht durch die Ausgabe von Anleihen finanziert, sondern durch die Notenpresse. Dieses System hat etwas. Muss sich der Staat über Anleihen finanzieren, entzieht er der Privatwirtschaft kurzfristig Geld. Das hilft der Konjunktur nicht unbedingt. Durch die Notenpresse umgeht man dieses Problem.

Ist das Inflationsziel erreicht oder wird übertroffen, muss der Staat handeln. Anstatt weiter Geld zu drucken, gibt er nun Anleihen aus. Das entzieht dem Markt Geld. Gleichzeitig sinkt die staatliche Nachfrage. Da Inflation ein Nachfragephänomen ist, sollte die Inflation nun sinken.

Der Grundgedanke von MMT ist nicht schlecht. Der Anreiz der Politik, die Hoheit über die Notenpresse zu missbrauchen, ist aber zu groß. Es gibt zwar Rahmenbedingungen, die unkontrollierte Geldvermehrung stoppen soll, doch wenn es soweit kommt, würde ich nicht darauf zählen.

Ist das Inflationsziel etwa 2 %, kann trotzdem argumentiert werden, dass es zusätzliche staatliche Nachfrage braucht. Man kann am Horizont immer einen Abschwung erkennen. So wird dann einfach weiter gedruckt.

So schön MMT in der Theorie ist, in der Praxis würde sie wohl versagen. Die Forderungen in den USA sind daher mit großer Skepsis zu sehen. Es wäre ein Dammbruch, den es schlichtweg nicht geben darf.

Clemens Schmale

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