Zürich (GodmodeTrader.de) - Im Jahr 2014 haben die chinesischen Behörden damit begonnen, die lokalen Aktienmärkte des Landes für ausländische Anleger zu öffnen. Hierzu führten sie zwei sogenannte Stock-Connect-Programme ein, mit denen die beiden Inlandsbörsen in China für den Handel effektiv mit Hongkong verbunden wurden, wie Jian Shi Cortesi, Portfoliomanagerin für chinesische und asiatische Aktienstrategien bei GAM Investments, in einem Marktkommentar schreibt.

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    Bis zu diesem Punkt sei der Markt praktisch nur für Einheimische und für Investoren zugänglich gewesen, die als qualifizierte, ausländische institutionelle Anleger (QFII) oder qualifizierte, ausländische institutionelle Renminbi-Investoren (RQFII) zugelassen gewesen seien. Zwar seien ausländische Anleger nicht völlig von der Anlage in chinesische Unternehmen ausgeschlossen gewesen, ihre Optionen hätten sich jedoch im Wesentlichen auf ADRs, H-Shares und Red Chips beschränkt, die weder eine vollständige Repräsentation des breiteren chinesischen Marktes noch einen umfassenden Zugang zu allen interessanten Chancen geboten hätten, heißt es weiter.

    „Vor 2017 erfassten die Benchmarkindizes von MSCI nur eine begrenzte Auswahl chinesischer Aktien, die in Hongkong oder als chinesische ADRs in den USA notiert waren. Das änderte sich jedoch, als zum ersten Mal 222 A-Shares (mit einem begrenzten Engagement) in die Indizes aufgenommen wurden. Das chinesische A-Shares-Universum ist größer als das Aktienuniversum Kontinentaleuropas. Zudem ist seine Marktkapitalisierung höher als die des gesamten MSCI Emerging Markets Index. Kürzlich hat MSCI bekannt gegeben, dass das bisherige Gewicht von A-Shares in seinen Indizes vervierfacht werden soll. Damit dürfte der Anteil von A-Shares in den Indizes nun rasant zunehmen“, so Cortesi.

    Für den MSCI bedeute dies konkret, dass der Inklusionsfaktor für A-Shares bis Ende November dieses Jahres von derzeit fünf auf 20 Prozent angehoben werde. Die Umstellung werde progressiv verlaufen: Im Mai, August und November sei eine Anhebung um jeweils fünf Prozent geplant. Zusätzlich zur höheren Gewichtung bestehender Large-Cap-A-Shares werde MSCI 168 chinesische Mid-Cap-A-Shares aufnehmen. Durch diese Veränderungen erhöhe sich das Gewicht von A-Shares im MSCI China Index von derzeit 2,3 Prozent auf rund 10,4 Prozent. Auf der breiteren Indexebene würden vier Prozent des MSCI Asia ex-Japan und 3,3 Prozent des MSCI Emerging Markets auf chinesische A-Shares entfallen, heißt es weiter.

    „Schätzungen von Brokern zufolge könnten diese Anhebungen zu potenziellen Nettokäufen von rund 70 Milliarden US-Dollar führen, da viele benchmarkorientierte Anlageinstrumente in diese Veränderung einbezogen sind. Dies wird sich auf kurze Sicht sicherlich positiv auf die Anlegerstimmung im Inland auswirken, die sich nach einem schwierigen Jahr 2018 seit Januar verbessert hat. Zudem wird das höhere Gewicht der A-Shares in den MSCI-Indizes erhebliche Aufmerksamkeit von ausländischen Anlegern auf sich ziehen. Viele von ihnen wären schlecht beraten, wenn sie A-Shares künftig aus ihrem Anlageuniversum ausschließen würden. Ausländische Anleger dürften ihre Käufe von A-Shares vor allem auf qualitativ hochwertige Blue Chips in Sektoren wie Konsumgüter, Gesundheit und Technologie konzentrieren, die zu vernünftigen Preisen gehandelt werden“, so Cortesi.