Regierungen und Notenbanken bekämpfen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise so, wie sie alles bekämpfen: Mit frisch gedrucktem Geld. Doch nach dem Ende der Corona-Krise könnte es zu einem bösen Erwachen für die Verfechter einer ultralockeren Geld- und Fiskalpolitik kommen. Davor warnt Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirkt der Deutschen Bank und jetzt Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute.

In einem Gastbeitrag für Focus Online wies Mayer auf eine interessante historische Parallele zu den aktuellen Ereignissen hin. Die wirtschaftliche Situation ist derzeit vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sowohl das Angebot als auch die Nachfrage dramatisch eingebrochen sind. Gleichzeitig versuchen Regierungen und Notenbanken, durch die Bereitstellung von viel Liquidität, die Probleme zu bekämpfen.

Eine wirtschaftlich ähnliche Situation (wenn auch durch einen gänzlich anderen Auslöser) gab es in Deutschland bereits während des "Ruhrkampfs" in den zwanziger Jahren. Anfang des Jahres 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet, um ihre Reparationsforderungen gegenüber der Weimarer Republik durchzusetzen. Die Deutschen reagierten darauf mit passivem Widerstand. "Es kam zum Generalstreik und Stilllegung der Produktion. Steuereinnahmen fielen weg und der Staat übernahm die Lohnfortzahlung für rund zwei Millionen Ruhrarbeiter", schreibt Mayer. Wegen der hohen Verschuldung wurden die hohen Mittel von der Reichsbank finanziert, stammten also aus der Notenpresse.

Mayer sieht hier große Parallelen zur heutigen Situation und schreibt: "Die Inflation war schon 1922 sehr hoch, aber mit dem 'Ruhrkampf' stieg sie in die Stratosphäre. Wie damals kommt es heute auch zu Unterbrechungen der wirtschaftlichen Aktivität und staatlicher Überbrückungshilfe, die durch Zentralbankkredite finanziert werden müssen."

In den Zwanziger Jahren versuchte die Weimarer Republik, sich durch die massive Geldmengenentwertung die hohen Reparationsforderungen in Folge des Ersten Weltkriegs vom Hals zu schaffen. Es kam zu einer dramatischen Geldentwertung, an deren Ende sogar Banknoten im Wert von 100 Billionen Dollar gedruckt wurden. Die Aktienkurse stiegen in Papiermark gerechnet um mehrere Billionen Prozent. Doch der dramatische Anstieg war kaum mehr als eine optische Täuschung. In Gold oder ausländischen Währungen wie dem Dollar gerechnet verlor der deutsche Aktienmarkt mehr als 90 Prozent seines Wertes.

Ganz so schlimm wie in der Weimarer Republik dürfte es dieses Mal nicht kommen. Für die Dauer des Corona-Lockdowns dürfte die aktuelle monetäre Expansion nur begrenzt Auswirkungen auf die Preise haben, so Mayer. Aber nach dem Ende der medizinischen Krise könnte sich das ändern. Denn dann könnte auf einmal eine erhöhte "monetäre Nachfrage" auf eine weiterhin am Boden liegende Produktion treffen. Anders als nach der Finanzkrise dürften deshalb nicht nur die Preise von Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien anziehen, sondern auch die Verbraucherpreise. "Die neu geschaffene Liquidität dürfte nicht nur wie nach der Finanzkrise in den Kauf von Vermögenswerten, sondern auch in den Kauf von Konsumgütern zur Nachholung unterlassenen Konsums fließen", meint Mayer.

Mit einer Hyperinflation wie in den Zwanziger Jahren rechnet Thomas Mayer trotz der historischen Parallelen nicht. Aber eine neue Euro-Krise hält der Ökonom für durchaus möglich. "Am Ende der deutschen Hyperinflation stand die Währungsreform. (...) Wie damals die Reichsmark ist der Euro eine relativ junge Währung mit schwachen Wurzeln. Zudem werden einige Eurostaaten nach der Krise sehr hoch verschuldet sein. Eine Reform des Euro sollte folglich nicht ausgeschlossen werden", warnt Mayer.


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