Auf den erstaunlich starken Kursanstieg des Jahres 2005 folgte am japanischen Aktienmarkt in diesem Jahr die Konsolidierung. Auch wenn dies nicht zuletzt an den schwachen internationalen Märkten lag, begannen Marktteilnehmer, die Nachhaltigkeit des japanischen Aufschwungs in Frage zu stellen. Wir teilen diese Sichtweise nicht. Makro- wie mikroökonomische Fundamentaldaten sind anhaltend gut, und die Unternehmensinvestitionen befinden sich ebenso im Aufwärtstrend wie die Bautätigkeit.

Es gibt gute Gründe, an eine nachhaltige Erholung der japanischen Konjunktur zu glauben. Da ist zum einen die simultane Erholung von Unternehmensinvestitionen und Bautätigkeit. Beide hatten 2002 ihre Tiefpunkte erreicht und sind seitdem kontinuierlich gestiegen (Abb. 1). In der Vergangenheit war eine solche simultane Erholung gleichbedeutend mit einem starken Konjunkturaufschwung – und einer lang andauernden Hausse am Aktienmarkt.

Zum letzten Mal haben Unternehmensinvestitionen und Bauaktivitäten im Jahr 1982 gleichzeitig wieder zu steigen begonnen, also vor mehr als 20 Jahren. Der damals einsetzende langfristige Konjunkturaufschwung erreichte 1990 seinen Höhepunkt. In dieser Zeit hat sich der Nikkei 225 mehr als verfünffacht, von einem Tiefpunkt von 6.911 Punkten am 30. September 1982 bis zu seinem Allzeithoch von 38.916 Punkten am 29. Dezember 1989. Auch wenn sich die Endphase dieser Hausse aus heutiger Sicht als klassische Aktienmarktbubble darstellt, ist doch nicht zu bestreiten, dass der starke Anstieg des Nikkei zumindest bis Ende der achtziger Jahre gerechtfertigt war.

Immer rentablere Unternehmen

Ebenso günstig wie das makroökonomische Umfeld sind zurzeit auch die Fundamentaldaten der japanischen Unternehmen. Sie ernten heute die Früchte der langjährigen Restrukturierungsbemühungen. Ihre Gewinne steigen kräftig, und für ein nachhaltiges Wachstum sind sie gut gerüstet.

In den neunziger Japan hatten japanische Unternehmen viel unternommen, um ihre Fixkosten zu senken und das Management zu straffen. Dies verbesserte die Unternehmensbilanzen und steigerte die Rentabilität. Die Breakeven-Quoten haben sich kontinuierlich verringert, die operativen Gewinnmargen sind stetig gestiegen (Abb. 2). Im Juni 2006 war das Verhältnis von Breakeven-Umsatz zum Gesamtumsatz auf 72,9% und damit mindestens auf ein Vierzigjahrestief gefallen. Demnach benötigen japanische Unternehmen heute weniger als drei Viertel ihres Umsatzes zur Fixkostendeckung. Gleichzeitig ist die durchschnittliche operative Gewinnmarge auf 5,3% gestiegen, so dass die Gewinne aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Prozent des Umsatzes heute höher sind als je zuvor seit 1966. Heute sind japanische Unternehmen gut positioniert, um ansehnliche Erfolge zu erzielen. Für die meisten Unternehmen wird 2006 das fünfte oder sechste Jahr in Folge mit steigenden Gewinnen sein.

Gute Voraussetzungen für Wachstum

Lange Zeit war aufgrund von Restrukturierungsmaßnahmen nur wenig in Forschung und Entwicklung investiert worden. Insbesondere gegenüber der asiatischen Konkurrenz, die inzwischen große technologische Fortschritte gemacht hatte, verlor Japan dadurch an internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Heute sind die japanischen Unternehmen im Allgemeinen saniert. Sie haben wieder eine hohe Überschussliquidität aufgebaut, die jetzt für Investitionen zur Verfügung steht. Zurzeit werden die Geschäftsmodelle stark modernisiert, von defensiven hin zu offensiven Strategien. Ausrüstungsinvestitionen ebenso wie Forschungs- und Entwicklungsausgaben werden stark erhöht, um für zukünftiges Wachstum gut gerüstet zu sein.

Noch wichtiger ist aber, dass Unternehmen, die früher besonders stark mit Produktionsverlagerungen ins Ausland aufgefallen sind, jetzt wieder verstärkt im Inland investieren. Das gilt nicht nur für den Forschungs- und Entwicklungsbereich, sondern auch für klassische Ausrüstungsinvestitionen. Dabei konzentrieren sie sich auf wichtige Technologien, um auf den nächsten Wachstumsschub vorbereitet zu sein. So hat zum Beispiel Honda kürzlich den Bau einer neuen Fabrik in Japan bekannt gegeben, in der die energieeffizienten VTEC-Motoren produziert werden sollen. Es ist das erste Mal seit 1976, dass Honda in Japan ein neues Werk eröffnet.

Technologieführerschaft

Auch wenn viele asiatische Länder in den letzten Jahren technologische Fortschritte gemacht haben, steht Japan in dieser Region noch immer an der Spitze. Nicht zuletzt aufgrund der neuen F&E-Aktivitäten sind die japanischen Nettoeinnahmen aus Patent- und Lizenzgebühren seit 2003 wieder positiv. Nach Angaben des internationalen Währungsfonds gibt es zurzeit nur vier Länder mit einem positiven Saldo: die USA, Großbritannien, Frankreich und Japan (Abb. 3). Japan nutzt seinen technologischen Vorsprung, um hochwertige Produkte und Dienstleistungen mit hoher Wertschöpfung zu produzieren.

Wo gibt es attraktive Investmentchancen? Es gibt zahlreiche japanische Unternehmen, die am Weltmarkt gut positioniert sind. Viele sind in Branchen aktiv, in denen man es am wenigsten vermutet. Aber auch dort, wo Japan schon immer stark war, gibt es interessante Aktien. Nach einer Studie des japanischen Wirtschaftsministeriums haben japanische Unternehmen jetzt einen Anteil von 27% am weltweiten Unterhaltungselektronikmarkt – eine beeindruckende Zahl. An den Märkten für elektronische Bauelemente ist der japanische Anteil sogar noch höher: 51% im Bereich Bauelemente und Halbleiter, 54% im Bereich Produktionstechnik und 65% bei Halbleitermaterialien.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Nach Angaben von Nomura bezieht Motorola, der zweitgrößte Mobiltelefonhersteller der Welt, etwa 70% der Bauelemente für seine Telefone von japanischen Unternehmen. Sie verfügen über hochentwickelte Technologien und sehr gutes, über viele Jahre hinweg erworbenes Know-how.

Zusammenfassung

Japan erlebt ein Comeback, und zwar ein nachhaltiges. Japanische Aktien profitieren von stabilem und nachhaltigem Wirtschaftswachstum und der neuen Stärke der Unternehmen nach Jahren der Restrukturierung. Sie sind heute gut aufgestellt, um dauerhaft zu wachsen.

Der japanische Aktienmarkt bietet eine Reihe attraktiver Investmentmöglichkeiten in Unternehmen, die am Weltmarkt sehr gut positioniert sind. Wir sind davon überzeugt, dass japanische Aktien mittel- bis langfristig interessant sind.

Quelle: Invesco

INVESCO zählt als Teil der AMVESCAP Gruppe zu den führenden Asset Managern weltweit – mit über 410 Mrd. US-Dollar (per 31. März 2006) verwaltetem Vermögen. Mehr als 5.400 Mitarbeiter, darunter rund 500 Investmentspezialisten, sind in 19 Ländern im Einsatz.