Notenbanker sind schlau. Wenn es darauf ankommt, dann werfen sie ein paar Nebelkerzen, alle glauben den salbungsvollen Worten, und gehen ohne lange nachzudenken wieder zur Tagesordnung über.

Neuestes Beispiel: Ben Bernanke. Der amerikanische Notenbankchef hat Befürchtungen zurückgewiesen, wonach die aggressive Geldpolitik der Fed zu einem Inflationsschub führen könnte. Das sei völlig übertrieben. Niemand müsse so etwas befürchten. Zwar seien Käufe von Staatsanleihen und anderen Vermögenswerten ein „ungewöhnliches Mittel“ der Geldpolitik, doch Sorgen über einen exzessiven Anstieg der Geldmenge und der Inflation seien nicht angebracht.

http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EBAD857D3355B4CF0BA48516CA2020709~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Da sind wir aber erleichtert...

Und dabei hat Ben Bernanke womöglich sogar recht. Von Inflation ist nämlich tatsächlich nichts zu sehen. Dabei, und das vergessen diejenigen, die den Worten des Notenbankers jetzt applaudieren, war das doch genau das Ziel der beispiellosen Geldschwemme, mit der die Fed seit zwei Jahren die Märkte flutet.

Was die Notenbank nicht sagt, aber meint: Mit ihrer Geldpolitik möchte sie die bis über beide Ohren verschuldeten Bürger in den USA zu weiterem Konsum auf Pump verführen. Das hat jetzt schon verdächtig lange nicht mehr funktioniert.

Was Ben Bernanke natürlich auch nicht sagen wird: Wenn es auch diesmal nicht klappen sollte, wenn die in dieser Woche beschlossene weitere Geldflut der Notenbank also auch weiterhin keine Inflation erzeugen kann, dann kann sie einpacken. Nicht die Inflation, sondern die Notenbank.

Die Menschen werden ihr es dann nämlich nicht mehr abnehmen, dass sie in der Lage ist, mit ihrer Geldpolitik noch irgendetwas auszurichten. Jetzt endlich Inflation zu erzeugen, das ist die letzte Chance, die der Notenbank noch bleibt.

Doch Zweifel sind angebracht. Staatsanleihen im Gesamtwert von 900 Milliarden will die Fed jetzt erneut aufkaufen, um die Konjunktur (und damit die Inflation) endlich wiederzubeleben. Doch warum sollte das jetzt beschlossene „Konjunkturpaket“ erreichen, was das noch größere Hilfspaket aus „QE1“ seit zwei Jahren nicht geschafft hat?

Vielleicht weil die eigentlichen Probleme ganz woanders liegen?

Womöglich ist die viel beschworene und überall zitierte Inflation ja nur ein Scheingefecht und in Wahrheit gar nicht das Thema der Stunde. Vielleicht sind es ja die deflationären Tendenzen, die der US-Notenbanken viel mehr Sorgen machen. Das würde sie natürlich niemals sagen, denn an den Märkten wäre dann der Teufel los: Die pausenlos beschworene Inflation ist ein Kindergeburtstag im Vergleich mit einer ausgewachsenen Deflation.

Während in einer mäßigen Inflation alle ein klein wenig „reicher“ werden können, zumindest nominal, droht in einer Deflation ein Desaster: Ist eine Deflationsspirale erst einmal in Gang gekommen, dann kann sie nicht mehr gestoppt werden. In der Deflation gibt es deshalb fast nur Verlierer. Es kommt zu Massenarbeitslosigkeit und Armut. Kriege und innere Unruhen sind oft die Folge. Radikale Parteien nutzen das Chaos meist sehr geschickt für eine Destabilisierung des Staates.

Während eine Inflation die Wirtschaft anheizt, wird sie in der Deflation abgewürgt. In einer Inflation kann man noch einigermaßen komfortabel überleben - in einer Deflation aber verhungern die Menschen im schlimmsten Fall.

Sind die Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt und bei den Immobilien also in Wahrheit die Vorboten einer schweren Deflation, einer Phase mit fallenden Preisen, Langzeitarbeitslosigkeit, Armut, Verzweiflung und hungernden Menschen? Steuern wir auf ganz andere Probleme zu, als auf eine vergleichsweise harmlose Inflation?

Das Fatale ist ja: So gut wie niemand denkt derzeit an so etwas. Politiker, Notenbanken, Medien und so gut wie alle Kommentatoren haben sich auf das Thema Inflation eingeschossen.

Dabei wissen wir aus langjähriger Erfahrung nur zu gut, dass die größten Gefahren stets dort lauern, wo niemand hinsieht...

Wie wir die Lage einschätzen und was wir unseren Lesern raten, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen
Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

Anmeldemöglichkeit (1) : Das Drei-Monats-Abo des Antizyklischen Börsenbriefs

Anmeldemöglichkeit (2) : Das Jahres-Abo des Antizyklischen Börsenbriefs

Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de