Bevor ich auf die negativen Leasingraten für Gold eingehe möchte ich an dieser Stelle etwas weiter ausholen und versuchen, Ihnen einen Überblick zu geben zu den aktuellen wichtigen Entwicklungen, die das Gold betreffen. Dabei möchte ich bei der US-Notenbank beginnen.

    Früher und entschiedener als andere westliche Zentralbanken unternahm das Fed während der Großen Finanzkrise geldpolitische Maßnahmen, um der konjunkturellen Schwäche entgegenzutreten. Früher und entschiedener als andere westliche Zentralbanken scheint sie nun gewillt zu sein, diese Stimuli wieder zu beenden.

    Das hat in den USA einen Rendite- und USD-Anstieg sowie wachsendes Vertrauen in die Konjunkturentwicklung ausgelöst.

    Das Tapering des Fed, also das Auslaufenlassen der Programme zur geldpolitischen Lockerung wird in drei Schritten durchgeführt, wobei Schritt 1 bereits begonnen hat:

    • 1: Verbale Vorbereitung auf bevorstehende geldpolitische Wende
    • 2: Konjunkturabhängige Senkung und schließlich Stopp der Anleihenaufkaufprogramme; Möglicherweise Mitte 2014
    • Ende 2015 oder 2016 erste Leitzinserhöhung

    Ben Bernanke und der Stab der Zentralbanker im Offenmarktausschuss des Fed hat die vergangenen Monate damit verbracht, Schritt (1) zu gehen. Die Märkte wurden darauf vorbereitet, dass ein solcher Schritt bald wahrscheinlich werden könnte. Dabei ging man behutsam und vorsichtig vor, vor allem deshalb, weil man verhindern wollte, dass die Zinsen dadurch zu stark steigen.

    Die USA haben zwei Vorteile, die sie nun ausspielen können.

    • 1: Sie können ihre Energieproduktion dank Gas- und Ölförderung aus Schiefergestein kostengünstig erhöhen, damit mehr produzieren und somit ihre Zahlungsbilanz verbessern.
    • 2: Die weiterhin niedrigen Zinsen können die Erholung am amerikanischen Häusermarkt weiter vorantreiben.

    Diese beiden Entwicklungen dürften zu einer allmählichen Aufwertung des US-Dollars führen - eine Entwicklung, die es seit dem Jahr 2001 nicht mehr gegeben hat. Liquidität könnte von den Schwellenländern in die USA zurückfließen.

    Wenn dieser "Masterplan" aufgeht, sinkt der Bedarf des Goldbesitzes - eine Aufwertung des US-Dollars, steigende Zinsen sowie eine gesunkene Wahrscheinlichkeit für den Eintritt gesamtwirtschaftlicher Extremrisiken (Zusammenbruch der Eurozone, eine harte Landung in China, der Sturz der US-Regierung von der fiskalischen Klippe) - vielmehr noch: wachsende Zuversicht in die Erholung der US-Konjunktur sind Entwicklungen, die einen Bärenmarkt im Gold, nicht einen Bullenmarkt in selbigem begründen.

    Der Status Quo am 22. Juli ist folgender: Das Fed ist Schritt 1 des Tapering seiner QE-Programme gegangen, die Märkte haben sich darauf eingestellt - die Rendite einer zehnjährigen US-Staatsanleihe hat sich in den vergangenen zwei Monaten von rund 1,6% auf rund 2,7% erhöht. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden ein bis zwei Monaten keine neuen Signale von der US-Notenbank mehr kommen werden. Genau diese Zeit - die Monate August und September - ist die saisonal stärkste für den Goldpreis. Kann Gold die Ruhe von der geldpolitischen Front nutzen, um die eigentlich schon lange überfällige Korrektur zu korrigieren - sprich anzusteigen?

    Ja, das ist wahrscheinlich. Ein erster Hinweis entstand in der vergangenen Woche, als der Goldmarkt relativ gelassen auf Bernankes Anhörungen vor dem Repräsentantenhaus und dem Senat reagierte. Das Verkaufsvolumen aus den Gold-Fonds scheint weiter anzuhalten, allerdings hat es sich zuletzt verringert. Flossen im April und Mai noch 143 bzw. 65 Tonnen aus dem amerikanischen Gold-Fonds SPDR Gold Trust ab, waren es im Juni nur noch 44 Tonnen, während seit Anfang Juli 37 Tonnen abflossen, obwohl der Preis im Juni und Juli zwischenzeitlich erneut ähnlich stark gefallen war, wie im April und Mai. Die Verkäufe scheinen sich also zu verringern. Das gibt dem Goldmarkt Luft zu atmen.

    Eine Entwicklung, die es gilt zu beobachten sind negative Gold Forward Leasing Raten an der Londoner Metallbörse LBMA. Sie entstehen, wenn entweder a) ein Mangel an USD-Liquidität vorherrscht oder b) eine Bullionbank einen sehr hohen und unmittelbaren Bedarf an physischem Gold hat. Außerdem stiegen in den vergangenen Tagen die Aufpreise von Gold an der SGE in China gegenüber London kräftig an und erreichten den Schwellwert von 3%. Während zeitlich übergeordnet meiner Meinung nach keine Knappheit an Gold vorherrscht kann es daher durchaus sein, dass kurzfristig eine solche Knappheit besteht.

    Das kann sich förderlich auf das Sentiment und damit auf die Preisbildung am Goldmarkt auswirken. Die Monate August und September sind normalerweise die saisonal stärksten für den Goldmarkt.

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