Der frühere US Notenbankchef Ben Bernanke wurde auch „Helicopter Ben“ genannt. Der Spitzname kam nicht von ungefähr. Während des vorletzten wirtschaftlichen Abschwungs von 2000 bis 2002 hielt Bernanke eine Rede, in der er das Thema Deflation adressierte. Er verwies dabei auf den Ökonomen Milton Friedman. Dieser sah die Möglichkeit, im Notfall Geldscheine aus dem Helikopter zu werfen, um die Geldmenge einfach und wirksam zu erhöhen.

Bernanke wurde nach der Referenz auf Friedman Helicopter Ben genannt, weil seine Rede so interpretiert wurde, dass er notfalls Geld vom Himmel schmeißen würde. Die Interpretation war 2002 deutlich näher an der Realität, als man sich jemals hätte träumen lassen. Zwei Jahre, nachdem Bernanke die Position des Notenbankchefs einnahm, begann sein Helikopter zu kreisen, erst mit Notkrediten, dann mit 3 Anleihenkaufprogrammen. Wie effektiv das alles war, darüber wird heute noch kontrovers diskutiert.

Der Internationale Währungsfonds und die meisten Zentralbanken stehen hinter den QE-Programmen. Der IWF trat zuletzt als größter Unterstützer der lockeren Geldpolitik auf und forderte von der US Notenbank mit der ersten Zinsanhebung mindestens bis 2016 zu warten. Die Forderung mag überzogen wirken, doch der IWF macht sich Gedanken über das Aufkommen einer globalen Deflation. Das letzte, was die Welt in einer solchen Situation braucht, sind steigende Zinsen in einem Land, welches noch immer über 20% der weltweiten Wirtschaftsleistung ausmacht.

Ginge es nach dem IWF und einigen Notenbankern, dann müssten die Geldschleusen noch weiter geöffnet werden. Doch selbst wenn dies politisch durchsetzbar wäre, ist es nicht so einfach. Die japanische Notenbank zögert weitere Maßnahmen zu ergreifen, weil sie Bedenken hat, dass sie eine Ausweitung auch umsetzen kann. Notenbanken brauchen willige Verkäufer von Staatsanleihen, andernfalls können sie die angekündigten Kaufvolumina nicht erreichen. Genau darin besteht ein gewisses Problem, insbesondere in Japan.

Der japanische Pensionsfonds, der über eine Billion Dollar in Anlagen hat, hielt einen Großteil seines Vermögens in Staatsanleihen. Durch eine Änderung der Anlagepolitik durfte der Fonds seinen Anleihebestand deutlich reduzieren. Die Notenbank trat als dankbarer Käufer auf. Sind diese Anleihen erst einmal aufgekauft, dann gibt es kaum noch große Verkäufer, die es der Notenbank möglich machen, ihr Programm vollumfänglich umzusetzen, geschweige denn auszuweiten.

QE stößt früher oder später an Grenzen. Das muss auch die EZB erleben, deren QE für Schuldverschreibungen jeglicher Art schon jetzt fast am Ende ist. Das Ratsmitglied Ewald Nowotny äußerte sich dahingehend, dass die EZB bereits jetzt an ihre Grenzen stößt, da es einfach nicht ausreichend viele dieser strukturierten Produkte gibt, die von der EZB gekauft werden könnten.

Kurz gesagt: Notenbanken haben es schwer die Geldschleusen weiter zu öffnen. Was können sie dann noch tun, um Deflation zu verhindern?

Eine Möglichkeit gegen Deflation anzukämpfen ist die Zinsschraube. Viele Notenbanker sind von der Existenz des ZLB (Zero Lower Bound) überzeugt. Das ZLB besagt, dass Zinsen nicht substantiell unter null gesenkt werden können. Theoretisch ließen sich zwar Zinsen von -5% festlegen, doch die Umsetzbarkeit ist fraglich. Unternehmen und Konsumenten würden ihr Geld einfach in Bargeld halten, anstatt negative Zinsen auf dem Konto zu erdulden.

Die Tendenz Bargeld zu halten, wenn die Zinsen negativ sind, ist real, doch bisher haben es Pensionsfonds, Unternehmen und Bürger unterlassen, ihr Geld unter dem Kopfkissen zu horten, wenn die Zinsen im Bereich von -0,35% (Schweden) bis -0,75% (Schweiz) liegen. Entsprechend freunden sich immer mehr Notenbanker mit dem Gedanken an, dass negative Zinsen im Bereich von -2% durchsetzbar sind.

Einige Ökonomen denken bereits weiter. Was, wenn -2% Zinsen nicht ausreichen, um Deflation zu verhindern? Sobald Zinsen unter -2% sinken dürften Sparer und Anleger immer stärker auf Geldalternativen setzen. Dazu gehören Edelmetalle ebenso wie digitale Währungen (z.B. Bitcoin), die nicht von negativen Zinsen betroffen wären.

Deflation lässt sich nur bekämpfen, wenn die Nachfrage nach Gütern steigt. Die Nachfrage soll angeheizt werden, indem das Horten von Geld so unattraktiv wie möglich gemacht wird. Wer Geld verliert, wenn es einfach nur auf dem Konto liegt, überlegt sich, ob er es nicht lieber ausgibt. Die Nachfrage würde steigen.

Einen Nachfrageanstieg kann es nur geben, wenn Menschen überhaupt Geld für Konsum haben. Das ist in wenigen Ländern der Fall. Es muss Kredit für zusätzlichen Konsum aufgenommen werden. Doch auch hier sind viele Länder bereits am Limit. Haushalte und Staaten sind überschuldet. Es gibt schlichtweg niemanden mehr, der noch im großen Stil zusätzliche Schulden aufnehmen kann, um die Nachfrage anzukurbeln.

Während die Welt überschuldet ist und zusätzlicher Konsum nicht durch noch mehr Kredit ermöglicht werden kann, altert die Bevölkerung. Auch das hemmt das Nachfragewachstum erheblich. In Japan sieht man die Folgen der demographischen Entwicklung. Das Wachstumspotential der Wirtschaft wird auf 0,5% pro Jahr geschätzt. Es ist so gering, weil die Bevölkerung altert und schrumpft.

Die einzige Möglichkeit, die unter diesen Umständen noch bleibt, um die Nachfrage zu steigern, ist Geld aus dem Helikopter abzuwerfen. Ein Paper von Adair Turner (früherer Vorsitzender der britischen Finanzmarktaufsicht) beschäftigt sich mit diesem Thema. Dieses Paper wurde in Vorbereitung auf eine Konferenz des IWF erstellt.
Bei dieser Konferenz wird es um die Gefahr einer globalen Deflation gehen und wie sie sich verhindern lässt. Turner beschreibt die Möglichkeit des „Monetary Financing.“ Hierbei geben Notenbanken dem Staat zinslosen Kredit, der nicht getilgt werden muss. Letztlich ist das eine nette Umschreibung der Finanzierung von Staatsausgaben durch die Notenpresse.

Um die globale Nachfrage zu steigern, wird also inzwischen ernsthaft darüber nachgedacht, Staatsausgaben direkt über die Notenpresse zu finanzieren. Wie das enden kann hat Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg erlebt. Theoretisch muss so etwas nicht in Hyperinflation enden, wenn mit diesem Instrument vernünftig umgegangen wird. Doch glaubt wirklich irgendjemand ernsthaft daran, dass Regierungen von einem solchen Instrument nicht exzessiv Gebrauch machen würden?

Ist dieser geldpolitische Damm gebrochen, dann ist es zu spät. Schon allein die Diskussion darüber ist kontraproduktiv, denn das Interesse von Politikern an einem solchen Instrument dürfte so groß sein, dass sie bereitwillig Gesetze ändern würden.

Es ist auch darüber hinaus etwas verwege,n gegen eine demographische Entwicklung mit der Notenpresse anzukämpfen. Dies führt letztlich nur zu einem: der Verschwendung von Ressourcen.