Eine kleine Bank in der Schweiz hat ein Tabu gebrochen, was Negativzinsen für Privatkunden betrifft. Die Alternative Bank Schweiz (ABS) führt im kommenden Jahr negative Zinsen für Privatkunden ein – und das schon ab dem ersten Franken. Auf dem sogenannten Alltagskonto, über das der private Zahlungsverkehr abgewickelt wird, beträgt der Negativzins ab dem 1. Januar 0,125 Prozent bis zu einem Guthaben von 100.000 Franken. Für höhere Beträge wird wie bisher ein Strafzins von 0,75 Prozent fällig. Bisher verlangt keine andere Schweizer Bank Gebühren für das Deponieren von Geld von ihren Privatkunden.

Der Vorstoß der Alternative Bank Schweiz (ABS) könnte kein Einzelfall bleiben. EZB-Präsident Mario Draghi hat gestern bei der Pressekonferenz angekündigt, die Geldpolitik weiter zu lockern. Auch eine weitere Senkung des Einlagezinsen (aktuell -0,2%) gehöre zu den möglichen Instrumenten, sagte Draghi. Die Zinsen sind daraufhin bereits unter Druck geraten. Dies könnte mittelfristig auch in Deutschland Banken dazu zwingen, die negativen Zinsen an die Kunden weiterzugeben.

Die durchschnittliche Zinsmarge der Banken ist in den letzten Jahren bereits deutlich gesunken. Dies macht es für die Banken immer schwieriger, ausreichende Erträge zur Deckung ihrer Betriebskosten zu erwirtschaften. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die vorwiegend vom Zinsgeschäft leben, kommen dadurch in Bedrängnis.

Eine Umfrage von Deutscher Bundesbank und BaFin unter rund 1.500 kleineren und mittelgroßen deutschen Kreditinstituten hat kürzlich ergeben, dass die Banken bis 2019 im Durchschnitt damit rechnen, dass die Ergebnisse vor Steuern bei noch weiter sinkenden Zinsen um 50 bis 75 Prozent einbrechen würden.