Negativzinsen sind unter Notenbankern zunehmend aus der Mode geraten, beobachtet Seema Shah, Chefstrategin von Principal Global Investors. Die Erleichterung für Sparer halte sich aber in Grenzen, denn von einer gelpolitischen Straffung sei man noch Jahre entfernt. Statt Zinssenkungen setzen die Zentralbanken nun vermehrt auf die weitere Vergrößerung der Bilanzen. Für die Aktienmärkte sei das gut – zumindest vorübergehend.

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„Die Gefahr einer Deflation ist in vielen Volkswirtschaften nach wie vor präsent. Die Zentralbanken sind deswegen mit der Notwendigkeit konfrontiert, weitere Impulse zu geben. Zugleich wachsen ihre Befürchtungen, mit dem billigen Geld Fehlallokationen an den Märkten zu fördern und eine überhöhte Risikobereitschaft zu provozieren. Daher wenden sich die Zentralbanker zunehmend von Zinssenkungen ab und wollen stattdessen Impulse durch die Ausweitung ihrer Bilanzen und ihre ‚forward guidance‘ setzen. Außerdem setzen sie die Regierungen unter Druck setzen, ihren Beitrag zu leisten.

Negativzinsen sind unter Notenbankern aus der Mode geraten: Jüngste Äußerungen der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde legen nahe, statt weiterer Zinssenkungen lieber die Emittentenlimite der EZB anzupassen, damit sie die Käufe von Staatsanleihen ausweiten kann. Der Fed-Offenmarktausschuss (FOMC) hat Negativzinsen kürzlich als unattraktive Option bezeichnet. In Australien hat die Zentralbank 0,25 Prozent als Untergrenze für die Leitzinsen definiert – ab dieser Grenze sei quantitative Lockerung effektiver als Zinssenkungen. Die schwedische Riksbank hält negative Zinsen aus Sorge vor einer Vermögenspreisblase erklärtermaßen für schlecht. Und auch in Japan gibt es eine große Besorgnis über die schädlichen Nebenwirkungen von extrem niedrigen Zinssätzen.

Unter Notenbankern schwingt das Pendel weg von negativen Leitzinsen. Das könnte Sparern eine gewisse Erleichterung bringen, aber wir sollten die Auswirkungen auf die Märkte nicht überschätzen. Einen deutlichen Anstieg der Anleiherenditen wird es nur geben, wenn die Märkte beginnen, eine geldpolitische Straffung zu erwarten. Von diesem Szenario sind wir Jahre entfernt.

Europäische und japanische Anleihen werden damit 2020 nur leicht unter Druck geraten, während die Renditen von US-Staatsanleihen auch im nächsten Jahr wohl nicht viel über zwei Prozent liegen werden.

Aktien dürften sich besser entwickeln, da die anhaltende Liquidität der Zentralbanken die Kurse weiter anheizen sollte. Doch die Effektivität der Geldpolitik lässt nach. Der Kursanstieg wird also nur über steigende Bewertungen kommen – nicht über ein Gewinnwachstum. Die wachsende Diskrepanz zwischen unbefriedigenden Gewinnen auf der einen Seite und hohen Bewertungen auf der anderen Seite führt dazu, dass die Aktienmärkte im Jahresverlauf 2020 zu taumeln beginnen werden.

Wie sollten Investoren in diesem Umfeld agieren? Neben der Fokussierung auf qualitativ hochwertige Anlagen müssen die Anleger die Asset Allocation zunehmend von traditionellen Anleihen und Aktien der entwickelten Märkte auf Schwellenländer und alternative Anlageklassen, einschließlich Immobilien, ausrichten.“