Vergangene Woche wurde ein wichtiger Datensatz veröffentlicht, der überraschend wenig Beachtung gefunden hat. Das Bureau of Economic Analysis (BEA) hat die neuesten Daten zur Sparquote veröffentlicht und dabei gleich eine ziemlich große Revision früherer Daten vorgenommen.

Die bisherigen Daten zeigten eine Sparquote von 3,3 % im ersten Quartal 2018. Jetzt, nach der Revision, sind es 7,2 %. Das ist ein ziemlich gewaltiger Unterschied. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass es zu so einer erdrutschartigen Verschiebung kommt. Grafik 1 zeigt die Sparquote wie sie jeweils in den Jahren 2013, 2017 und 2018 berechnet wurden bzw. werden.

Es ist sofort ersichtlich, dass die Revisionen nur eine Richtung kennen: nach oben. Eine Anpassung nach unten kommt selten vor wie der Unterschied der 2013er Methode und der jetzigen zeigen (Grafik 2). Mit der neuen Methode wird nun davon ausgegangen, dass die Sparquote in den Jahren 1947 bis 1975 im Durchschnitt um 3 Prozentpunkte höher war. In den Jahren nach der Finanzkrise weitet sich die Differenz auf bis zu 6 Punkte aus.

Amerikaner sparen jetzt also plötzlich mehr als bisher angenommen. Die Sparquote ist mehr als doppelt so hoch als noch Anfang 2018 berechnet. Das ist gewaltig – und wirft Fragen auf. Wie kann es sein, dass die Sparquote so viel höher ist? Und wie ist es möglich, dass die Quote aufgrund neuester Daten selbst bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts revidiert wird?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Grund ist die Berechnungsmethode. Diese wird jedes fünfte Jahr überprüft und angepasst. Die jetzige Anpassung hat dazu geführt, dass selbst Daten, die über 60 Jahre zurückliegen, revidiert wurden.

Ein anderer Grund ist die Transparenz und Datenverfügbarkeit. Um zu wissen, wie viel gespart wird, muss man auch wissen, wie viel eingenommen wird. Das ist gar nicht so leicht festzustellen. Löhne und Gehälter, die besteuert werden, sind leicht zu erfassen. Wenn es um andere Arten von Einkünften geht, ist es nicht immer ganz so einfach.

Trotzdem ist die jetzige Revision massiv. So große Sprünge stärken auch nicht gerade das Vertrauen in Datenreihen, wenn sie Jahre nach Veröffentlichung plötzlich ein ganz anderes Bild ergeben. Ein neuer Vorgang ist es allerdings nicht. Auch die Berechnungsmethode der Arbeitslosenrate wird regelmäßig angepasst. Nicht alle Daten sind daher immer gut vergleichbar. Immerhin sind die USA hier vergleichsweise transparent und man findet die Originaldaten, wenn man ein wenig sucht.

Davon abgesehen ist die höhere Sparquote eine gute Neuigkeit. Es bedeutet, dass US-Konsumenten höhere Rücklagen haben als angenommen. Die Bilanzen der Haushalte sind besser als erwartet. Entsprechend dürfte sich auch der Konsum weiterhin solide entwickeln, selbst wenn die gesamtwirtschaftliche Dynamik etwas nachlässt.