• EUR/USD - Kürzel: EUR/USD - ISIN: EU0009652759
    Börse: FOREX / Kursstand: 1,17450 $

Die jüngsten Turbulenzen rund um Italien haben eine Diskussion über den Euro wiederbelebt. Der Euro wird von vielen als eines der Hauptprobleme der schleppenden, wirtschaftlichen Entwicklung in Italien gesehen. Tatsächlich hat sich das Pro-Kopf-Einkommen in Italien in den letzten Jahrzehnten nicht besonders gut entwickelt (Grafik 1).

Das Einkommen steht heute nur unwesentlich höher als kurz vor der Einführung der Gemeinschaftswährung. Seit Einführung des Euro 1999 (Grafik 2) sieht die Sache noch düsterer aus. Die Einkommen sind in Italien gesunken.

Von einigen Ausnahmen wie Spanien abgesehen (Outperformance bis 2008), entwickelten sich die Einkommen bis 2005 in der Eurozone sehr ähnlich. Danach ging die Schere immer weiter auf. Seit der Finanzkrise verlaufen die Schicksale sehr unterschiedlich. Spanien hat wieder viel aufgeholt und kann die gleichen Zugewinne wie die Niederlande verzeichnen.

Italien ist abgeschlagen und kommt nicht vom Fleck. Es ist schon ein Erfolg, wenn die Einkommen nicht weiter sinken. Das wird häufig dem Euro zugeschrieben. Vor der Euroeinführung ging es ja bergauf. Danach ging es nur langsam vorwärts und zuletzt bergab. Die Schuld muss der Euro haben!

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So einfach ist die Sache natürlich nicht. Der Euro ist sicherlich ein Teil des Problems. Italien kann seine Währung nicht abwerten und dadurch schneller wachsen. Eine Währungsabwertung ist aber nicht das Allheilmittel. Eine schwache Währung bedeutet Inflation. Die Kaufkraft steigt nicht unbedingt.

Auch wenn die Kaufkraft nicht unbedingt steigt, ist höheres Wachstum und mehr Beschäftigung immer noch besser als der jetzige Zustand, in dem der Lebensstandard sinkt. Der Euro allein ist dafür jedoch nicht verantwortlich. Ein Teil des Wachstums vor und nach der Euroeinführung bis 2008 wurde durch Schulden erkauft. Heute ist die Verschuldung so hoch, dass Staaten die Einkommen nicht künstlich durch noch mehr Schulden anschieben können.

Eine eigene Währung würde vermutlich trotzdem helfen – zumindest theoretisch. Praktisch wäre Italien mit eigener Währung sofort bankrott. Das führt auf Sicht von Jahren zu einer drastischen Rezession und senkt die Einkommen mittelfristig weiter. Langfristig, von Schulden befreit, kann der Staat wieder mit vollen Händen ausgeben und für steigende Einkommen sorgen.

Die USA haben ein ähnliches Problem. Die realen Pro-Kopf-Einkommen entwickeln sich je nach Bundesstaat sehr verschieden. Alaska hat heute immer noch ein niedrigeres Einkommen als vor 30 Jahren (Grafik 3). Andere Bundesstaaten wie Oregon laufen dem Durchschnitt davon. Hier liegt das reale Pro-Kopf-Einkommen beim Dreifachen des Einkommens in Alaska.

Die USA haben gegenüber der Eurozone einen Vorteil. Es gibt eine gemeinsame Regierung in Washington. Das ändert jedoch nichts daran, dass einzelne Bundesstaaten immer weiter zurückfallen, ähnlich wie Italien zum Rest der Eurozone. Theoretisch bräuchten wohl auch Alaska und Nevada ihre eigene Währung, um auf die Beine zu kommen. Auf die Idee kommt niemand. Diese Idee scheint nur in der Eurozone zu existieren.

Ob der Euro langfristig deswegen ebenso wie der Dollar funktionieren und überleben wird, muss sich weisen. Früher oder später wird eine Regierung irgendwo an die Macht kommen, die nicht mehr mitmacht. Der Euro ist dann schnell Geschichte. So „einfach“ geht das in den USA nicht.