Es ist schon eine Plage mit der Börse. Da narrt die launische Diva die Anleger bei den Gold- und Silberminen jahrelang mit fallenden Kursen – und als der Wind plötzlich dreht, wie üblich im untersten Kellerabteil, da geht alles so schnell, dass man gar nicht mehr hinterherkommt.

Mit dem Jammern über verpasste Chancen zum Beispiel, mit dem Ärgern über dieselben - und mit dem Staunen, dass der Sektor ganz offensichtlich doch nicht so tot ist, wie das die vielen Experten noch vor gar nicht langer Zeit nahezu unisono verkündet haben.

Man möchte gar nicht wissen, wie viele Anleger den explodierenden Kursen jetzt fassungslos hinterher starren, weil sie immer noch keine Goldminenaktie im Depot haben - und natürlich erst recht keine Silbermine. Denen sei gesagt: Nur nicht aufregen. Das alles muss so sein, denn die Masse wird wie üblich erst dann einsteigen, wenn es zu spät ist.

In einem Jahr vielleicht, oder auch in zwei...

Wir sind da etwas anders vorgegangen: Antizyklisch sowieso, ein wenig stur vielleicht auch, in jedem Fall aber mit der vollen Überzeugung, dass unser Vorgehen richtig war: Als die Kurse der Goldproduzenten seit Sommer 2013 scheinbar ungebremst immer weiter gefallen sind, da haben wir unseren Lesern geraten, die Ruhe zu bewahren, geduldig zu bleiben und bestehende Positionen weiter aufzustocken.

Das zahlt sich jetzt aus: Den beispiellosen Kursaufschwung des Sektors seit Jahresanfang haben wir mit unserem Minenprojekt 2013 mitgenommen. Ungebremst sozusagen.

Das Projekt war übrigens aufgrund einer Beobachtung entstanden, die der geschätzte Kollege Frank Meyer von n-tv vor geraumer Zeit gemacht hatte: Ein Goldminenzertifikat, das Frank Meyer längere Zeit beobachtet hatte, hatte sich in einer Zeit, da die Goldminen noch richtig gut gelaufen sind, also bis etwa 2011, so grottenschlecht entwickelt, dass wir den Namen des Emittenten lieber verschweigen wollen.

Jedenfalls hatte uns das auf die Idee, gebracht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Statt hektischem Hin und Her haben wir in die fallenden Kurse bei den Minenaktien antizyklisch immer weiter zugekauft. Verwaltungskosten: Keine. Transaktionskosten: Überschaubar, da wir traditionell wenig handeln.

Nun konnten wir es uns sogar leisten, einen Kandidaten etwas verspätet noch aufzunehmen, den wir zunächst links liegen gelassen hatten. Kinross Gold (KGC). Kennern ist der Name ein Begriff. Der Konzern gehört zwar zu den fünf größten Goldproduzenten der Welt, ist aber auch hoch verschuldet. Und zwar so hoch, dass wir von einem Engagement in unserem Minenprojekt zunächst Abstand genommen hatten.

Im April haben wir den Wert nun doch auf unsere „konservative“ Empfehlungsliste gesetzt. Den Kaufzeitpunkt sehen Sie in der folgenden Grafik.

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Wobei man mit dem Begriff „konservativ“ bei den Goldminen vorsichtig sein muss. Denn konservative Minenaktien, im Sinne einer Nestlé, BASF oder Procter & Gamble, die gibt es nicht. Es gibt nur riskante und weniger riskante Titel.

Dennoch macht es Sinn, die etablierten Schwergewichte von den Heißspornen und den potentiellen "Turboraketen" zu trennen, denn nur so haben auch vorsichtigere Anleger die Chance, in dem Sektor zu investieren. Unser „konservatives“ Minendepot besteht deshalb aus 16 Titeln für Anleger mit moderater Risikoaffinität.

Das spekulative Depot umfasst 19 teilweise sehr riskante Aktien. Hier sollten sich nur risikofreudige Börsianer mit starken Nerven engagieren. Denn dass die Aktien der Goldproduzenten ganz erheblich „schwanken“ können, und zwar in beide Richtungen, das zeigt sich gerade wieder sehr eindrucksvoll.

Warum wir Kinross Gold Anfang April nun doch aufgenommen haben:

Zwar hatte der Konzern für das vierte Quartal 2015 einen Verlust von 842 Millionen US-Dollar gemeldet. Gleichzeitig wurde jedoch die Produktionsprognose für das laufende Jahr auf bis zu 2,9 Millionen Unzen Gold angehoben. Im Branchenvergleich war der Konzern bis vor wenigen Tagen mit einem Bewertungsabschlag von rund 25 Prozent gesegnet. Mit der jüngsten Rallye wurde das allerdings mehr als ausgebügelt.

Verkaufen würden wir die Aktien jetzt trotzdem nicht. Wenn ein „Dickschiff“ dieser Größenordnung mit einem Börsenwert von rund 6,1 Milliarden US-Dollar erst einmal in Schwung kommt, dann springen viele institutionelle Anleger auf den fahrenden Zug auf. All diejenigen zum Beispiel, die noch händeringend nach Einstiegsgelegenheiten in dem Sektor suchen – und das dürften eine ganze Menge sein. Interessant wird es nach dem Freitagsschlusskurs oberhalb von 5,00 US-Dollar. Jetzt dürfte die Aktie auch in die Portfolios größerer Fonds wandern. Da kann man doch mal dabei sein...

Ein Blick auf den langfristigen Verlauf auf Monatsbasis in der folgenden Abbildung lässt erahnen, dass der Titel vor einer langfristigen Aufwärtsbewegung stehen dürfte. Bemerkenswert sind die stark steigenden Umsätze, die den gerade anlaufenden Hausse-Schub begleiten.

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Für unser spekulatives Minendepot haben wir übrigens auch wieder zwei Kaufkandidaten ausfindig gemacht. Einer davon ist gewissermaßen ein „Ableger“ der inzwischen legendären Seabridge Gold (SA, SEA.TO). Den Titel, der sich selbstredend in unserem spekulativen Minendepot befindet, hatten wir erstmals um die Jahrtausendwende besprochen, also vor etwa 16 Jahren.

Unsere „Uralt-Leser“ werden sich möglicherweise an www.fnet.de erinnern. Den Lesern dieser längst untergegangenen Internetseite hatten wir die Aktien von Seabridge Gold seinerzeit exklusiv vorgestellt. Der Titel war damals noch vollkommen unbekannt und notierte bei wenigen Cent.

Aus der Empfehlung ist letztlich auch die Idee für den Antizyklischen Börsenbrief entstanden: Während seinerzeit die ganze Welt den Internet-Aktien hinterherjagte waren Goldminen ungefähr so beliebt wie Pest und Cholera zusammen. Doch damals wie heute galt: Irgendwann werden die Kellerkinder der Börse wieder entdeckt - und sind plötzlich heiß begehrt.

Heute besitzt Seabridge Kanadas größten Goldschatz und kommt auf einen Börsenwert von rund 750 Millionen US-Dollar. So ähnlich könnte das auch mit dem kleinen Ableger des Konzerns werden, den wir vor wenigen Tagen aufgestöbert haben.

Näheres in der Mai-Ausgabe.

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.