Überall auf der Welt wird inzwischen gegen Restriktionen demonstriert. Nicht jeden Demonstranten kann man dabei ernst nehmen. So manchem geht es um Verschwörungstheorien. Eine beliebte ist derzeit, dass Bill Gates das Coronavirus erschaffen hat, um am Ende die Welt zu regieren.

Während man nicht jedes Anliegen der Demonstranten nachvollziehen kann, so gibt es doch viele Anliegen, die absolut legitim sind. Viele Menschen sorgen sich um ihre Rechte und ihre Existenz. Man fragt sich, ob der Lockdown nicht übertrieben ist. Immerhin gefährdet er Millionen Unternehmen und noch mehr Arbeitsplätze.

Regierungen haben die schwierige Aufgabe, wirtschaftliche Interessen und ein Verhindern von Massensterben zusammenzubringen. Bei der ersten Infektionswelle stand die Gesundheit im Vordergrund. Bei einer zweiten Infektionswelle werden es wohl die wirtschaftlichen Interessen sein. Ein erneuter, strenger Lockdown lässt sich der Bevölkerung einfach nicht verkaufen.

Dabei geht es in Europa noch einigermaßen gut. Durch Kurzarbeit und soziale Netze sind viele Menschen zumindest kurzfristig abgesichert. In Nordamerika sieht das anders aus. In Kanada sank die Beschäftigungsrate (Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung, die tatsächlich arbeitet) auf den niedrigsten Stand seit 1964. In den USA wurde der niedrigste Wert seit Datenaufzeichnung nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht (Grafik 1).


Die Zahlen zeigen, wie dramatisch die Lage ist. Tatsächlich ist sie sogar noch schlimmer. Die Arbeitslosenzahlen vermitteln derzeit nicht das ganze Ausmaß der Katastrophe, da viele Menschen einfach nicht als arbeitslos gezählt werden.

In den USA verschwanden 6 Mio. Menschen aus der Statistik, weil sie nicht mehr zur Erwerbsbevölkerung gezählt wurden. Für die Arbeitslosenstatistiken sind zwei Datenreihen ausschlaggebend. Für die Arbeitslosenrate werden permanente und temporäre Kündigungen zusammengezählt.

Nicht berücksichtigt werden Unterbeschäftigung, Menschen, die arbeiten wollen, aber nicht als Teil der Erwerbsbevölkerung gelten und unbezahlt freigestellt, aber nicht gekündigt wurden. Zählt man all diese Menschen zusammen ist die Zahl der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten von 14 Mio. auf fast 50 Mio. angestiegen (Grafik 2). Die Arbeitslosenrate würde so näher an 25 % anstatt an 15 % liegen.


Das lässt sich offensichtlich nicht lange durchhalten. Keine Regierung kann sich das lange leisten und die meisten Menschen wollen arbeiten. Ein erneuter Lockdown dürfte zu Massenprotesten und großen politischen Unruhen führen.

Lockdowns sind deswegen nicht vollkommen ausgeschlossen. Das Gesundheitssystem hat eine begrenzte Kapazität. Wie viele akute Fälle sich ein Land ohne Massensterben leisten kann, hängt am Gesundheitssystem. Regierungen können daher eine zweite Welle nicht einfach ignorieren.

Stattdessen dürfte es eher zu lokal begrenzten Maßnahmen kommen. Ein flächendeckender Lockdown ist allerdings unwahrscheinlich. Wirtschaftliche Interessen dürften überwiegen, weil es die Bevölkerung so will.

Clemens Schmale


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