Die Kreativität kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, unpassende Daten passend zu machen. Dabei geht es diesmal um nicht weniger als eine Anpassung der Berechnung des BIP Wachstums. Diese Anpassung soll die sogenannte „Residual Seasonality“ ausschalten.

Die Zahlen, die von den USA veröffentlicht werden, sind saisonal adjustiert. Das hat eine sehr lange Tradition und ist in anderen Ländern ebenso üblich. Die Anpassung, um saisonale Faktoren aus den Daten zu nehmen, macht grundsätzlich Sinn. Die Grafik zeigt, wieso das so ist. Dargestellt sind das tatsächliche, nicht um saisonale Faktoren bereinigte Wachstum und das adjustierte Wachstum. Der Unterschied ist enorm.

Im Winter, vor allem im ersten Quartal, ist das Wachstum ausnahmslos negativ. Die offiziellen Daten, die veröffentlicht werden, zeigen uns jedoch ganz andere Werte. Würden die nicht bereinigten Daten veröffentlicht, dann hätte es in den vergangenen Jahrzehnten kein erstes Quartal mit positivem Wachstum gegeben. Im Durchschnitt kann man mit einer Kontraktion der Wirtschaftsleistung um 5% im ersten Quartal rechnen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Im Winter, vor allem, wenn es sehr kalt ist und viel Schnee fällt, wird weniger gebaut. Einige Sektoren der Wirtschaft kommen fast gänzlich zum Erliegen. Dazu gehört nicht nur der Bau, sondern auch die Landwirtschaft. Dadurch ist das Wachstum tendenziell negativ.

Diese saisonalen Faktoren werden bereinigt, um besser vergleichbare Daten zu haben und die Daten über das Jahr hinweg zu glätten. Das wird bei fast allen Daten so gehandhabt. Dazu gehören auch andere wichtige Indikatoren wie die Schaffung neuer Arbeitsstellen. Ohne Bereinigung fallen im Januar in den USA für gewöhnlich mehr als 1 Mio. Stellen weg. Durch die Bereinigung werden die Werte oft positiv. Das trägt einfach den sehr spezifischen Faktoren im Winter Rechnung.

Beim Wachstum und auch auf dem Arbeitsmarkt sind das zweite und dritte Quartal die stärksten Quartale. Das Wirtschaftswachstum liegt im Sommerhalbjahr bei 4 bis 5%. Ausgewiesen wird deutlich weniger. Die Beträge, um die das Wachstum im Sommer nach unten adjustiert wird, werden dem ersten und vierten Quartal zugeschlagen.

Im Idealfall wird durch die Bereinigung eine optimale Glättung vorgenommen. In den USA waren nun aber die ersten Quartale der letzten Jahre trotz der Bereinigung überraschend negativ. Das führte zu dem Schluss, dass die Bereinigung eben nicht optimal ist.

Das BEA (Bureau of Economic Analysis), welches die Wachstumszahlen veröffentlicht, berechnet die Veränderung des BIPs aufgrund von Daten, die sie von anderen Institutionen erhalten. In die Berechnung fließen viele Faktoren wie Investitions- und Konsumausgaben mit ein. Diese werden von anderen Stellen berechnet und bereits bereinigt an das BEA weitergeleitet. Das BEA führt dann alle Datensätze zusammen und berechnet das BIP Wachstum.

Durch die auffällig negativen ersten Quartale der letzten Jahre vermutet das BEA nun, dass es eine „Residual Seasonality“ gibt. Frei übersetzt heißt Residual Seasonality „Restsaisonalität.“ Das BEA geht davon aus, dass die Bereinigung der Daten z.B. vom Arbeitsministerium nicht alle saisonalen Faktoren optimal berücksichtigt. Wären die Daten perfekt adjustiert, dann dürfte es eigentlich nicht zu diesen negativen Ausschlägen im ersten Quartal kommen.

Das BEA arbeitet nun daran diese Restsaisonalität zu korrigieren. Bereits die Daten zum zweiten Quartal sollen die zusätzlichen Anpassungen beinhalten. Ebenso werden die letzten Quartale bis 2012 neu berechnet. Höchstwahrscheinlich wird es dadurch auch zu einer Korrektur des Wachstums im ersten Quartal 2015 kommen. Das bisher ausgewiesene Wachstum betrug -0,7%. Am Ende wird es wohl wieder positiv werden.
Die Bereinigung der Daten in den einzelnen Institutionen bleibt vorerst unverändert. Sie werden wie bisher an das BEA geliefert. Dieses führt dann jedoch nach eigenem Ermessen eine zweite Bereinigung durch. Wie das gemacht werden soll ist momentan noch unklar. Mitte Juni sollen Details zu dieser zweiten Anpassung veröffentlicht werden.

Diese zweite Anpassung wird zunächst dazu führen, dass das BIP Wachstum der kommenden Quartale nicht mehr wirklich mit den Wachstumszahlen vor 2012 vergleichbar sein werden. Ebenso kann es sein, dass die einzelnen Komponenten des Wachstums (z.B. Konsumausgaben) nicht mehr mit dem Gesamtwirtschaftswachstum übereinstimmen. Ob dadurch wirklich die Qualität der Daten erhöht wird, sei dahingestellt. Derzeit wirkt es viel mehr wie ein Fall von: Was nicht passt, wird passend gemacht.