Der Yale-Professor und Nobelpreisträger Robert Shiller befürchtet einen Marktcrash als Reaktion auf die aktuell hohen Bewertungen am US-Aktienmarkt. Seit dem vergangenen Jahr seien die Kurse am Aktienmarkt im Gleichschritt mit den Unternehmensgewinnen gestiegen, sagte Shiller in einem Interview mit dem Finanzsender CNBC. Dies sei aber eine Übertreibung, da sich Unternehmensgewinne in der Vergangenheit immer zyklisch entwickelt hätten.

    "Eigentlich hätten die Kurse weniger stark steigen dürfen als die Gewinne", sagte Shiller. Denn auf Phasen hoher Unternehmensgewinne sei bisher immer eine Phase geringerer Unternehmensgewinne gefolgt, was bei der Bewertung von Aktien berücksichtigt werden muss. "Historisch gesehen haben sich Trends bei den Unternehmensgewinnen immer umgekehrt", so Shiller. Es sei aber möglich, dass man sich nach der Wahl von Trump zum US-Präsidenten in einer neuen Welt befinde, fügte Shiller scherzhaft hinzu. "Wenn er Recht hat, befinden wir uns vielleicht wirklich auf einem ganz neuen Pfad. Aber es wäre das erste Mal in der amerikanischen Geschichte."

    Shiller bevorzugt zur Analyse der Frage, ob der Markt überbewertet ist, das von ihm entwickelte Shiller-KGV, das im englischsprachigen Raum als CAPE-Ratio (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio) bezeichnet wird. Im Gegensatz zum normalen Kurs-Gewinn-Verhältnis wird beim Shiller-KGV der Kurs ins Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen auf Sicht der vergangenen 10 Jahre gesetzt. So werden zyklische Schwankungen bei den Gewinnen ausgeglichen.

    Aktuell liegt das Shiller-KGV für den breiten US-Aktienindex S&P 500 mit einem Wert von über 30 so hoch wie erst zwei Mal zuvor in der Geschichte und deutlich über dem langjährigen Mittelwert von 16,8. Damit zeigt das Shiller-KGV eine gefährliche Überbewertung an. Sollte der Markt die Überbewertung erkennen, könnte dies nach Einschätzung von Shiller eine schmerzhafte Korrektur einleiten. "Das wäre definitiv negativ für Aktien. Es wäre ziemlich groß. Die einzige Zeit, als wir eine höhere Bewertung hatten als aktuell war in den Jahren 1929 und 2000", sagte Shiller. Diese Überbewertungen endeten mit der Weltwirtschaftskrise und dem Platzen der Internetblase.

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