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London (Godmode-Trader.de) - Auf ihrer Sitzung am 24. Januar dürfte die Norges Bank erneut bekräftigen, dass sie für März eine Zinserhöhung anstrebt, die den Leitzins auf 1,0 Prozent erhöht. Die Einschätzung vertritt Jack Allen, Ökonom bei Capital Economics, in einer aktuellen Markteinschätzung zur Geldpolitik in Skandinavien. Allen ist jedoch der Ansicht, dass der Straffungszyklus deutlich langsamer vonstatten gehen wird, als es die Markterwartungen vermuten lassen.

Im vergangenen September hat die norwegische Notenbank die Zinssätze erstmals seit sieben Jahren wieder angehoben. In den beiden zwischenzeitlichen Sitzungen wurde die Zinsprognose leicht nach unten korrigiert. Die Notenbank hat jedoch wiederholt erklärt, dass sie im März eine erneute Zinserhöhung erwartet und geht weiterhin davon aus, dass der Leitzins bis Ende 2020 ein Niveau von 1,50 Prozent erreichen wird.

Seit der Dezember-Sitzung haben die aktuellen Wirtschaftsdaten die Argumente für eine straffere Geldpolitik verstärkt. Die monatlichen BIP-Daten Norwegens deuten darauf hin, dass das Quartalswachstum der Festlandwirtschaft von 0,3 Prozent im dritten Quartal auf bis zu 1,0 Prozent im vierten Quartal gestiegen ist. „Während sich der Offshore-Bereich etwas schlechter entwickelte, spiegelte dies vermutlich teilweise den Rückgang der Ölpreise im vierten Quartal wider“, so Ökonom Allen. Unterdessen waren die Inflationsdaten stärker als erwartet. Die Bank hatte prognostiziert, dass die Kerninflation ohne Energiepreise und Steuern von 2,2 Prozent im November auf 1,9 Prozent im Dezember sinken wird, während die Rate sich nur auf 2,1 Prozent verringerte.

Ein weiterer Grund, warum die Bank aus Sicht von Europa-Fachmann Allen daran interessiert ist, die Zinsen zu erhöhen, ist, dass sie sich Sorgen um eine erhöhte Haushaltsverschuldung macht. Ende letzten Jahres entsprach die Verschuldung der Haushalte mehr als 230 Prozent des verfügbaren Einkommens. Zum Vergleich: In Großbritannien waren es etwa 150 Prozent, in den USA 110 Prozent und in Deutschland 90 prozent. Darüber hinaus machen die Kosten für die Bedienung der Haushaltsverschuldung in Norwegen mit über 14 Prozent einen Rekordanteil am verfügbaren Einkommen aus. Die Norges Bank sei bestrebt, das Kreditwachstum zu begrenzen und das Risiko eines Crashs in Zukunft zu begrenzen, betont Allen.

„Wir gehen jedoch davon aus, dass die Notenbank gezwungen sein wird, die Zinsen langsamer zu erhöhen, als es die Prognosen vermuten lassen“. Der erste Grund dafür sei, dass sich das Wirtschaftswachstum bei mehreren der wichtigsten Handelspartner Norwegens - der Eurozone und Schweden - stärker verlangsamen dürfte, als es Prognosen derzeit nahelegten. Der zweite Grund sei, dass er einen Rückgang des Ölpreises erwarte, während die Bank ihre Prognosen auf Öl-Futures stütze, die eine Erholung der Preise signalisierten, erklärt Allen. Dies würde nicht nur den Öl- und Gassektor, sondern auch große Teile der Festlandswirtschaft betreffen, die von der Offshore-Nachfrage abhängig sind.

Derzeit erwartet der Markt, dass der Leitzins in Norwegen Ende kommenden Jahres bei 1,25 Prozent liegen wird. Aus Sicht von Capital Economics besteht jedoch das zunehmende Risiko, dass die Norges Bank nicht in der Lage ist, die Zinsen so schnell anzuheben.