Die Inflation kommt nicht vom Fleck, und wie man an der 10-jährigen Breakeven-Rate ablesen kann, rechnen die Märkte trotz aller Anstrengungen der Notenbanken langfristig auch nicht mehr mit einem Auftrieb bei den Preisen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten diese “niedrige“ Inflation zu erklären. Eine wäre zum Beispiel das kontraproduktive Inflationsziel der Federal Reserve von 2%. Was nützen denn all die Verrenkungen mittels Niedrigzinsen und Quantitative Easing, wenn die Zentralbank gleichzeitig bekräftigt, dass keine überbordende Inflation zugelassen wird? Paul Krugman ist beispielsweise so einer, der an diesem Paradox fast verzweifelt und geradezu darum bettelt, diese Verankerung doch bitteschön endlich aufzugeben.

Eine andere Erklärung hatte im letzten Jahr Yi Wen, ein Ökonom der Zentralbank von St.Louis ins Spiel gebracht , welche letzte Woche neu zirkuliert wurde:

Wenn die Injektionen der Zentralbank wie derzeit über Ankäufe im großen Stil durchgeführt werden, sinken die Zinsen über das gesamte Spektrum der Laufzeiten. Dieser Umstand macht das Horten von Cash attraktiv, weil gleichzeitig mit den Renditen die Opportunitätskosten von Bargeld – die entgangenen Erlöse, ebenfalls Richtung Null tendieren.

In einer unsicheren Umgebung also, in welcher Zinsen kaum mehr existent sind, und Risiken zunehmend in der Gefahr stehen falsch eingepreist zu werden, kann man es dem rationalen und auf Sicherheit bedachten Investor alles andere als verübeln, wenn er von weitgehend renditebefreiten Anleihen in bombensichere Dollarscheine umschichtet und damit deflationäre Tendenzen begünstigt.

Dieser Prozess ist zu allem Übel selbstverstärkend: Je mehr Bargeld gehortet wird, desto mehr Druck entsteht auf die Inflation. Dies wiederum zwingt die Notenbank zum weiteren Absenken der Zinsen am langen Ende, mit allen den zuvor beschriebenen Folgen..

Yi Wen spricht sich deshalb für die Kopfstellung der gesamte Geldpolitik aus. Einmal müssen die Zinsen hochgeschraubt werden, um die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer glaubhaft zu erhöhen. Des Weiteren ist es notwendig, dass die Ankaufprogramme umgekehrt werden um Anleihen wieder attraktiv zu machen, und dadurch die Umschichtung von Bargeld in Wertpapiere zu forcieren.

Zugegebenermaßen hört sich die Theorie wie ein schlechter Scherz an. Wurde die Geldpolitik der letzten Jahre, und eines der größten Experimente der Menschheitsgeschichte Männern und Frauen mit den falschen Rezepten überlassen? Das wäre gewaltiger Sprengstoff, allerdings muss man auch klar sagen, dass die hier formulierte Theorie nicht der Mehrheitsmeinung entspricht.

Alles nach wie vor unklar also, warum also überhaupt groß Worte verlieren?

Ich finde es erstaunlich, wie weiterhin unklar grundlegende Zusammenhänge in der Makro-Ökonomie zu sein scheinen.

Ich halte es weiter mindestens bedenklich, dass die aktuellen Notenbanker trotz ihrer souveränen Wortgewalt, möglicherweise nur limitierte Übersicht über die Mechanik ihres Tuns haben.

Der hoch angesehene Ökonom Noah Smith (welcher ähnlich wie Yi Wen die Politik der Notenbanken teilweise in Frage stellt) hat letzte Woche übrigens einen Meinungsbeitrag auf „Bloomberg View“ darüber veröffentlicht, wie bemerkenswert wenig Fortschritte die Ökonomen-Zunft bei der Beantwortung der drängenden Fragen unserer Zeit gemacht hat und zitiert dabei John Cochrane, von der University of Chicago:


Why are we stagnating? I don’t know. I don’t think anyone knows, really...Nothing on the conventional macro policy agenda reflects a clue why we’re stagnating...

Simon Hauser

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