Im Zuge der Corona-Krise haben die Notenbanken ihre Geldpolitik bereits so stark gelockert wie nie zuvor. Wie in der Finanzkrise waren dabei Leitzinssenkungen bis null Prozent und billionenschwere Anleihenkäufe das erste Mittel der Wahl. Zusätzlich haben die Notenbanken aber zahlreiche weitere Programme aufgelegt, mit denen Geld in so ziemlich alle Ecken der Märkte und der Wirtschaft gepumpt wurde. Besonders hervorgetan hat sich dabei die US-Notenbank Fed, die etwa auch damit anfing, kleinere Unternehmen direkt durch die Notenpresse zu finanzieren.

Die Bilanzsummen der Notenbanken zeigen, wie stark die Notenbanken die Märkte und die Wirtschaft stützen. Erzeugt die Notenbank Geld aus dem nichts und pumpt diese zum Beispiel über Anleihenkäufe oder Kreditvergaben in den Finanzsektor, so entstehen bei der Notenbanken sowohl Forderungen als auch Verbindlichkeiten aus diesen Geschäften. Entsprechend erhöht sich auch die Bilanzsumme der Notenbanken.

Vor Ausbruch der Finanzkrise von 2008 betrug die Bilanzsumme der US-Notenbank 870 Milliarden Dollar. Im Zuge der Finanzkrise inklusive der nachfolgenden Quantitative-Easing-Programme erhöhte sich die Bilanzsumme bis Anfang 2015 auf 4,5 Billionen Dollar (4.500 Milliarden Dollar). Von Oktober 2017 bis August 2019 reduzierte die Fed ihre Bilanzsumme bis auf rund 3,8 Billionen Dollar. Bereits vor Ausbruch der Corona-Krise musste die Fed aber neue Maßnahmen ergreifen, weil es unter anderem zu Turbulenzen auf dem US-Repo-Markt kam. Seit September 2019 und insbesondere nach Ausbruch der Corona-Krise legte die Fed-Bilanzsumme wieder stark, auf zuletzt rund 7,243 Billionen US-Dollar (7.243 Milliarden Dollar bzw 7,243 Millionen mal genau eine Million Dollar).

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Die Bilanzsumme des Eurosystems (Europäische Zentralbank plus nationale Notenbanken) erhöhte sich von rund 1,5 Billionen Euro vor Beginn der Finanzkrise 2008 auf rund 3 Billionen Euro im Jahr 2012, bevor es bis 2014 zu einem Rückgang auf rund 2 Billionen Euro kam. Anschließend stieg die Bilanzsumme mehr oder weniger kontinuierlich, wobei die Corona-Pandemie zu einer erneuten Explosion führte und die Bilanzsumme innerhalb kurzer Zeit von rund 4,7 auf 6,9 Billionen Euro (6.900 Milliarden Euro) beförderte.

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Doch die Notenbanken sind noch nicht am Ende. Ganz im Gegenteil haben sowohl die Fed als auch die EZB bereits weitere Lockerungen signalisiert. Die EZB könnte bereits bei ihrer Sitzung am 10. Dezember ihr Pandemie-Anleihenkaufprogramm PEPP weiter aufstocken. So wird erwartet, dass sich das Gesamtvolumen der im Rahmen von PEPP geplanten Käufe um 500 Milliarden Euro von 1,35 auf 1,85 Billionen Euro erhöhen könnte. Zudem dürfte die EZB ihre langfristigen und gezielten Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) für die Banken noch attraktiver machen. Unter bestimmten Bedingungen (Ausweitung der Kreditvergabe) können sich die Banken über die TLTROs schon jetzt Geld zu Negativzinsen von der EZB leihen, müssen also weniger Geld zurückzahlen, als sie geliehen haben. Dadurch will die EZB den Banken Anreize geben, ihre Kreditvergabe an die Realwirtschaft auszuweiten. Im Zuge der Maßnahmen könnten die Bedingungen der TLTROs jetzt noch vorteilhafter für die Banken gestaltet werden.

Auch die US-Notenbank Fed denkt über eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik nach, wie aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der letzten Zinssitzung hervorgeht. Zwar hieß es, dass eine weitere Lockerung derzeit nicht nötig sei. Gleichwohl wurden bereits drei Möglichkeiten diskutiert, wie eine weitere Lockerung umgesetzt werden könnte. Zum einen könnte das monatliche Kaufvolumen von zuletzt mindestens 120 Milliarden Dollar erhöht werden. Diskutiert wurde aber auch die Möglichkeit, die Käufe über einen längeren Zeithorizont zu tätigen als bisher erwartet oder Staatsanleihen mit längerer Laufzeit zu kaufen, wodurch das zur Verfügung gestellte Geld erst später zurückgezahlt werden müsste und länger im Finanzsystem verbleiben würde.

Bereits nach der Finanzkrise 2008 gab es vielfach die Vermutung, dass die Notenbanken durch die astronomische Liquiditätsausweitung im Finanzsystem den Bogen überspannt hätten und eine Rückkehr zu einer "normalen Geldpolitik" gar nicht mehr möglich sei. Viel zu große Teile der Wirtschaft seien direkt (Bankensystem) oder indirekt (übrige Wirtschaft) bereits abhängig von den Geldspritzen der Notenbanken, so die vielfach geäußerte Besorgnis. Nach der Coronakrise dürften diese Sorgen noch realistischer sein, da immer größere Teile der Wirtschaft indirekt von den Geldspritzen der Notenbanken leben.

Dadurch, dass die Notenbanken fortwährend Geld aus dem Nichts erzeugen, werden Fiat-Währungen wie der Euro und der Dollar kontinuierlich entwertet. Im Gegenzug steigen die nominalen Preise von Vermögenswerten wie Aktien, Immobilien, Edelmetalle oder auch Bitcoin in immer neue Sphären. Mit einem Ende dieser Entwicklung ist auch auf Sicht von Jahren nicht zu rechnen.


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