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Wangen im Allgäu (GodmodeTrader.de) - Seit über zwei Jahren versucht nun die US-Notenbank Fed den Krisenmodus in der Geldpolitik zu verlassen. 2013 hat sie dies angekündigt, mit der Folge eines ersten kräftigen Kapitalabzugs aus den Emerging Markets. 2014 hat sie die Wertpapierkäufe das ganze Jahr über zurückgeschraubt und in 2015 hätte der erste Zinsschritt erfolgen sollen. Die Ankündigung dieses Prozesses hat unter anderem zu einem Anstieg des US-Dollars gegenüber einem Währungskorb von 20 %, gegenüber dem Euro sogar um rund 25 % auf 1,05 US-Dollar im März geführt, wie Daniel Zindstein, Leiter Portfoliomanagement des Vermögensverwalters GECAM AG, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Da die meisten Rohstoffe in Dollar notierten, kämen auch diese nach dreijähriger Baisse nochmals stärker unter Druck. Vor allem die rohstoffexportierenden Länder sähen sich von mehreren Seiten belastet: Kapitalabzug - schwache Währung - steigende Zinsen wegen der schwachen Währung - Belastung der Wirtschaft durch steigende Zinsen - weniger Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf - weniger Investitionen und Unternehmenspleiten in diesem Sektor - zunehmende Staatsverschuldung usw. – ein Teufelskreis. Und das alles nur weil die Fed Zinserhöhungen angekündigt habe? Nicht nur, aber die Erst-, Zweit- und Drittrundeneffekte seien in global weitgehend integrierten Kapitalmärkten eben sehr direkt, heißt es.

„Die Geldpolitik der letzten Jahre wurde ursprünglich als Krisenmaßnahme initiiert und kommuniziert. Negative Effekte wurden dadurch bewusst in Kauf genommen. Nun sind die Auswirkungen einer zu expansiven US-Geldpolitik auf den Rest der Welt spürbar und die Fed sieht sich nicht in der Lage die Zinssätze anzuheben, ohne belastende Effekte auf die Emerging Markets auszulösen, die wieder negative Rückkopplungen auf die eigene Wirtschaft hätten. Die Bank für internationalen Zahlungsverkehr schreibt, dass die Geldpolitik der USA einen signifikanten Einfluss auf die Zinssätze in den Schwellenländern hat und zwar weit über ein Maß hinaus, das man dem Wirtschafts-zyklus oder globalen Risikofaktoren zuschreiben kann“, so Zindstein.

Das hieße also, dass das US-Wirtschaftswachstum gar nicht so überschäumend daherkomme, um gleich in Inflationspanik auszubrechen. Eine Zinserhöhung scheine also nicht unbedingt opportun zu sein. Die Wirtschaft wachse zwar, aber längst nicht so robust, wie erwartet. Vor allem der Industriesektor, in dem die höherbezahlten Jobs geschaffen werden, schrumpfe sogar etwas. Die Arbeitslosenquote sinke zwar stetig, aber die Struktur des Arbeitsmarktes lasse zu wünschen übrig. Die Notenbank schiebe also ständig ihre eigenen Ziele in die Zukunft hinaus, heißt es weiter.

„Das Zeitfenster für Zinserhöhungen ist eigentlich vorbei. Die Fed hätte frühzeitig handeln und sich weniger Ziele setzen sollen, die sie dann doch nicht einhält. Die Konsequenz daraus war sehr viel Unsicherheit in den Märkten weltweit. Sie wird aber dennoch einen Zinsschritt vollziehen, um nicht das Gesicht zu verlieren“, so Zindstein.

Eine US-Notenbank, die für den Dezember Zinserhöhungen erwarten lasse und ihr europäisches Pendant, das für den gleichen Zeitpunkt genau das Gegenteil, nämlich noch stärker negative Zinsen und erhöhte Anleihekäufe in Aussicht stelle, bildeten eine unzweifelhaft interessante Konstellation, die es so noch nie gegeben habe, heißt es weiter. „Wichtig für uns ist, die Unsicherheit an den Märkten, gekoppelt mit der Liquiditätsschwemme für günstige Käufe zu nutzen. Unternehmensnahe Investitionen wie Aktien und Unternehmensanleihen stehen dabei im Vordergrund. Für währungsaffine Anleger kann die einmalige Konstellation für Käufe im Dollar-Zins-Raum genutzt werden. Das dort vorherrschende höhere Zinsniveau liefert den Kupon und die Währung den Kursgewinn. Ein versöhnliches Jahresende kann kommen“, so Zindstein.