Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man den Erfolg von US-Starinvestor Warren Buffett mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway einfach seiner geschickten Aktienauswahl zuschreiben. Aber Buffetts Erfolgsrezept hat noch eine andere, geheimere Komponente.

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    Tatsächlich gehörte ein Großteil der Gelder, die Berkshire Hathaway in den vergangenen Jahrzehnten in Aktien solider und günstig bewerteter Unternehmen investieren konnte, nicht dem Unternehmen selbst. Allerdings lieh sich Berkshire Hathaway diese Gelder auch nicht von einer Bank oder vom Kapitalmarkt (mit den damit verbundenen Kosten).

    Die fremden Gelder, die Berkshire Hathaway anlegen und damit Profite erzielen konnte, stammten zu einem großen Teil von Menschen, die eine Versicherung abschlossen. Denn zu Berkshire Hathaway gehören rund 70 Versicherungsunternehmen, die in den USA und international tätig sind. Bekannt ist etwa der Autoversicherer Geico, bei dem rund 13 Millionen Fahrzeuge in den USA verschert sind.

    Für ein Versicherungsunternehmen wie Berkshire Hathaway stellt sich das Versicherungsgeschäft stark vereinfacht beschrieben so dar: Man bekommt heute Prämienzahlungen, muss aber erst in der Zukunft – und auch nur vielleicht – eine Gegenleistung erbringen. So hat es auch Warren Buffett selbst schon in seinen jährlichen Berichten an die Anleger beschrieben.

    Der Versicherungsgeber, also Berkshire Hathaway, entspricht in gewissem Grad einem Kreditnehmer – denn er verbucht heute einen Zahlungseingang, und muss dafür in der Zukunft das Geld in Form von Leistungen zurückzahlen. Allerdings können die „Kreditkosten“ deutlich niedriger sein als bei einem normalen Kredit, je nachdem, wie hoch die zu erbringenden Leistungen im Verhältnis zu den Prämieneinnahmen ausfallen.

    Vor allem in der jüngeren Vergangenheit hat Berkshire Hathaway noch eine weitere Geldquelle angezapft. Das Unternehmen trat als Optionsgeber auf und schrieb vor allem Put-Optionen. Auch aus diesem Geschäft fließen dem Unternehmen, als dem sogenannten Stillhalter, regelmäßige Prämieneinnahmen zu. Die Parallelen zum Versicherungsgeschäft sind augenscheinlich. Die Put-Optionen, die Berkshire Hathaway an andere Anleger verkaufte, sind nichts anderes als Versicherungen gegen fallende Kurse.

    Insgesamt führten das Versicherungs- und das Derivategeschäft dazu, dass Berkshire Hathaway sich in den vergangenen Jahrzehnten hohe Summen „leihen“ konnte und dafür kaum Zinsen zahlen musste.

    Die Finanzwissenschaftler Andrea Frazzini, David Kabiller, und Lasse Heje Pedersen schätzten in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, dass Berkshire Hathaway in 60% der Jahre sogar negative Finanzierungskosten hatte. Berkshire musste also vielfach weniger Geld zurückzahlen, als sich das Unternehmen lieh. In der Zwischenzeit konnte das Unternehmen das Geld natürlich für sich arbeiten lassen - und damit insbesondere Aktien von soliden und günstig bewerteten Aktien kaufen.

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    Die folgende Grafik stellt die durchschnittlichen Finanzierungskosten von Berkshire Hathaway im Versicherungsgeschäft den jeweiligen Durchschnittsrenditen der kurzlaufenden US-Geldmarktpapiere (T-Bills) mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr gegenüber. Fast immer konnte sich Berkshire Hathaway günstiger finanzieren als die US-Regierung. Bei den Stillhaltergeschäften (hier nicht dargestellt) realisierte Berkshire in der Regel sogar negative Zinsen.

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    Wie Frazzini, Kabiller und Pedersen ebenfalls berechnet haben, waren die Investitionen von Berkshire Hathaway in den vergangenen Jahrzehnten ungefähr mit einem Faktor von 1,6 gehebelt. Auf 100 Dollar Eigenkapital kamen im Schnitt also 60 Dollar, die nicht Berkshire gehörten, die das Unternehmen aber dennoch investieren konnte und für die das Unternehmen auch kaum Zinsen zahlen musste. Dieses günstige Fremdkapital, diese seit Jahrzehnten andauernde Niedrigzinsphase, erklärt einen Teil des Erfolgs von Berkshire Hathaway und Warren Buffett.