Notenbanken wollen höhere Inflation und werden diese in den nächsten Monaten bekommen. Ob die Inflation über den Frühling und Sommer hinaus hoch bleiben wird, bleibt abzuwarten. Möglich ist es. Manche befürchten aufgrund der enormen Staatsausgaben und aufgestauter Nachfrage die höchste Inflation seit mehreren Jahrzehnten. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob es wirklich zu permanent höherer Inflation kommt. Die Unsicherheit ist derzeit einfach noch zu groß. Nicht zuletzt deswegen sind Ökonomen in dieser Frage gespalten. Die Notenbank sieht keine akute Gefahr davonlaufender Inflation. Die globalen Kapazitäten für Produktion sind dafür einfach zu groß. Andere gehen davon aus, dass die Defizite und der enorme Nachfrageschub ab Sommer zu einem langanhaltenden Inflationsschub führen werden. Haben wir erst einmal Inflation, gibt es einen positiven Rückkopplungseffekt. Manche malen deswegen das Schreckgespenst der 70er Jahre an die Wand. 10 Jahre lang baute sich Inflation auf. Erst ein zweistelliger Leitzins brachte die Lage unter Kontrolle. Einige argumentieren, dass die Geldpolitik längst zum Preisanstieg geführt hat. Man muss ja nur einen Blick auf Finanzanlagen wie Aktien werfen. Die Vermögenspreisinflation ist schon längst da, berührt den Alltag jedoch wenig. Wer sein Vermögen gegen Inflation schützen will, hat keinen Schaden, wenn z.B. Aktien steigen. Die Kaufkraft geht deswegen nicht verloren. Man kann sich immer noch genauso viel Brot und Milch kaufen. Für die meisten ist ausschlaggebend, dass der Lebensstandard durch Inflation nicht sinkt. Das tut er nicht, wenn Aktien steigen, sondern wenn Nahrungsmittel, Treibstoff oder Mieten steigen...

Mieten sind einer der wenigen Komponenten, die von der Geldpolitik direkt berührt werden. Immobilienpreise sind im Zuge niedriger Zinsen gestiegen. Mieten folgen.

Wer sich gegen Inflation schützen will, muss einfach das besitzen, was Inflation erzeugt. Ein Blick auf die Zusammensetzung der Verbraucherpreisindizes gibt darüber Aufschluss. Mieten machen ein Fünftel bis zu einem Drittel aus – je nach Land (Grafik 1). Es folgen Nahrungsmittel und Transport.


Je mehr man ins Detail geht, desto klarer wird, was Inflation bestimmt. Die Inputkosten sind bestimmend und das sind am Ende Rohstoffe und Arbeit. Das Auto fährt mit Benzin, das Haus wird mit Gas oder Öl geheizt, Nahrungsmittel sind Agrarrohstoffe, ein Haus wird mit Rohstoffen gebaut, Möbel und Kleidung sind ebenfalls aus Rohstoffen.

Preise steigen, wenn Rohstoffpreise steigen. Daher haben Rohstoffe auch die höchste Korrelation zur Inflation (Grafik 2). Man kann es sogar noch deutlicher ausdrücken: Rohstoffpreise sind Inflation. Edelmetalle sind auch Rohstoffe, aber teils überraschend wenig mit Inflation korreliert. Sie gleichen Inflation zwar aus, allerdings nur über sehr lange Zeiträume.


Aktien sind nur ein geringer Schutz. Auch hier lohnt aber ein Blick in die Details. Unternehmen, die Rohstoffe fördern, profitieren. Ihre Produkte werden teurer und sie verdienen so viel Geld, das sie nicht mehr wissen, wohin damit. Wer Aktien als Inflationsschutz kaufen will, kauft Aktien von Unternehmen, die die Inputs (Rohstoffe) fördern. Sie profitieren während alle anderen höhere Preise zahlen müssen.

Clemens Schmale


Tipp: Als Abonnent von Godmode PLUS sollten Sie auch Guidants PROmax testen. Es gibt dort tägliche Tradinganregungen, direkten Austausch mit unseren Börsen-Experten in einem speziellen Stream, den Aktien-Screener und Godmode PLUS inclusive. Analysen aus Godmode PLUS werden auch als Basis für Trades in den drei Musterdepots genutzt. Jetzt das neue PROmax abonnieren!