Wie nachhaltig ist die Ölförderung in den USA, im Kontext von sinkenden Weltmarktpreisen oder möglicherweise wieder anziehenden Zinsen?

    Die Ölpreise brechen derzeit hauptsächlich aufgrund der sich abflachenden Nachfragesteigerung, sowie des stark erweiterten Angebots ein. Wie aus Chart 1 hervorgeht, hat die IEA ihre Prognosen im Oil Market Report vom Oktober aufgrund des sich abschwächenden globalen Wirtschaftswachstums im Vergleich zum vorhergehenden Bericht stark reduziert (durchgehende Linie, linke Skala). Die EIA und OPEC sehen die Entwicklung ähnlich.

    Auf der Angebotsseite währenddessen konnte beispielsweise der Irak seine Ölproduktion seit 2010 um fast 1 Million Barrel pro Tag (mbd) ausweiten, wie man anhand Chart 2 erkennen kann.

    Libyen schaffte es zwischenzeitlich sogar seine Produktion ausgehend vom zweiten Quartal 2014 von 0,23 mbd auf 0,9 mbd zu vervielfachen (siehe Chart 3), bevor dann jüngst Kämpfe um das El Sharara-Ölfeld wieder zu einer signifikanten Reduktion geführt haben.

    Der Hauptgrund für das Überangebot am Ölmarkt ist aber zweifelsfrei die seit dem vierten Quartal 2011 mit voller Wucht durchschlagende Explosion bei der Produktion von Schieferöl (Shale Oil) in den USA (siehe Chart 4).

    Während Optimisten damit rechnen, dass die Shale-Story noch in den Kinderschuhen steckt, und die USA ihre Ölproduktion bis zum Jahr 2020 auf bis zu 14 mbd ausbauen könnten, wird deren Nachhaltigkeit von Fracking-Kritikern vor allem im Kontext von sinkenden Weltmarktpreisen bei Öl vehement in Abrede gestellt. Wer ist im Recht?

    Die Mechanik hinter dem Shale-Boom

    In den großen Schieferölfeldern (Shale Plays) der USA, wie zum Beispiel Bakken (North Dakota), oder Eagle Ford (Texas) werden täglich neue Erdölquellen angebohrt.

    Diese Quellen haben die Eigenschaft, dass sie anfänglich große Mengen an Öl produzieren, um dann allerdings schnell nachzulassen, weshalb die Fördergesellschaften gezwungen sind mittels sogenannten Drilling Rigs für eine konstante Erschließung neuer Quellen zu sorgen.

    Zu den Vorteilen dieses Förderprofils gehört, dass sich die Kosten für ein Projekt schnell amortisieren. Nachteilhaft ist der Umstand, dass ständig gebohrt werden muss, um den Output zu steigern bzw. konstant zu halten.

    Chart 1 verdeutlicht die Problematik anhand des Bakken-Feldes, indem er die zusätzliche Produktion aus neuen Quellen der nachlassenden Produktion von den alten Quellen gegenüberstellt. Man erkennt aber, dass die Quellen immer effizienter erschlossen werden, und dass das Öl aus Neubohrungen die sinkende Förderleistung mehr als kompensiert.

    Aus Chart 2 ergibt sich, dass die Produktion aus neuen Quellen im Jahresvergleich um etwa 30% anwächst, und damit die Gesamtproduktion in Bakken um etwa 25% steigert.

    Kritiker werfen an dieser Stelle ein, dass die Anzahl der potentiellen Quellen begrenzt ist, während existierende Quellen schnell versiegen. Die Schieferöl-Erfolgsgeschichte sei deshalb früher oder später wieder vorbei – ist dem wirklich so?

    Die EIA kann sich drei Zukunftsszenarien vorstellen (siehe Chart 3). Im optimistischen Fall steigt die US-Ölproduktion noch Jahrzehnte an, während im Negativszenario in den nächsten Jahren ein Höhepunkt ausgebildet wird.

    In keinem der drei alternativen Produktionsverläufe kommt es zu einer Implosion des Booms, denn Schieferöl-Quellen haben die Eigenschaft irgendwann einen ausgedehnten Gleichgewichtszustand zu erreichen, aber die Unterschiede in den Projektionen sind dennoch gewaltig.

    Warum das so ist, und wieso selbst die optimistische EIA-Prognose theoretisch noch grotesk untertreiben könnte, im nächsten Teil der Mini-Serie, den Sie in Kürze auf meinem Guidants-Desktop lesen können.