• WTI Öl - Kürzel: WTI - ISIN: XC0007924514
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 56,985 $/Barrel

Was nach einer Chance aussieht, muss nicht unbedingt eine sein. Zugegeben, wenn Preise innerhalb weniger Wochen um 30 % sinken, dann riecht das sehr stark nach Übertreibung und einem kurzfristigen Rebound. Die mittelfristige Perspektive bleibt jedoch schwierig.

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Der dramatische Kurseinbruch wird aktuell nicht den fundamentalen Gegebenheiten zugeschrieben, sondern eher einer Fehlspekulation. Die einen sagen, dass es ein Hedgefonds war, der sich verspekuliert hat. Andere wiederum sagen, dass sich Banken hedgen mussten.

Nicht nur Produzenten, sondern auch Regierungen sichern sich gegen fallende Ölpreise ab. Dazu gehört Mexiko. Mexikos Regierung ist einer der größten Akteure auf dem Markt. Sie kauft bei US-Banken Puts, um die Einnahmen aus dem Ölsektor abzusichern. Wenn der Ölpreis fällt, wird das für Banken teuer, wenn sie sich nicht absichern.

Genau das tun sie aber, sich absichern. Sie verkaufen Öl über Futures, um die Verluste aus den Puts, die sie verkauft haben, abzudecken. Das hat vergangene Woche zu regelrechten Panikverkäufen und entsprechenden Preisbewegungen geführt.

WTI Öl

Das alles ist mehr technisch und nicht fundamental. Das Fundamentale wird bei den zugegebenermaßen spektakulären Verkäufen vergessen. Nur weil Banken und Fonds auf dem falschen Fuß erwischt wurden, bedeutet das nicht, dass der niedrigere Preis nicht gerechtfertigt wäre. Das ist er nämlich.

Die USA fahren ihre Produktion immer noch in rasantem Tempo nach oben (Grafik 1). Ein rasches Ende ist nicht in Sicht. Damit haben die USA die Förderkürzung der OPEC mehr als wettgemacht. Die von vielen gebetsmühlenartig wiederholte Ölknappheit gibt es schlichtweg nicht.


Zu allem Überfluss sind auch die als härtesten Sanktionen aller Zeiten angekündigten Sanktionen gegen den Iran butterweich. Der Iran exportierte im vergangenen Jahr 2,6 Mio. Barrel Öl pro Tag. Davon sind gerade einmal 15 % wirklich sanktioniert. Die USA haben den größten Abnehmern (China, Indien, Italien, Südkorea, Japan, Türkei) Ausnahmen gestattet.

Der Iran dürfte also noch gut 2 Mio. Barrel/Tag exportieren. Tatsächlich sind es derzeit weniger als 1,7 Mio. Barrel, weil viele Länder im Vorfeld der Sanktionen kalte Füße bekommen haben. Ob die Exporte nun wieder hochgefahren werden können, weiß man nicht. Theoretisch stehen dem Weltmarkt aber fast eine halbe Million Barrel pro Tag mehr zur Verfügung als ursprünglich gedacht.
Ölaktien sehen daher vor allem optisch günstig aus. Der niedrige Ölpreis ist wegen der globalen Überversorgung nach wie vor gerechtfertigt. Im Verhältnis zum übrigen Markt sind Ölaktien so billig wie seit 13 Jahren nicht mehr (Grafik 3). Das verleitet zum Einstieg.

Ein Einstieg in den Ölmarkt ist nicht unbedingt ein Fehler. Es kommt auf den Zeithorizont an. Wer jetzt kauft und 10 Jahre wartet, hat wahrscheinlich Freude. Wer auf Sicht von ein oder zwei Jahren kauft, dürfte enttäuscht werden. Wer auf einen kurzfristigen Rebound setzt, kann vermutlich profitieren. Das heißt: kurzfristig rauf, mittelfristig seitwärts/abwärts, langfristig aufwärts.