Am 22. Juli hieß es noch: „ Fundamentaldaten sind die Ursache der hohen Ölpreise.“

    In ihrem Bericht hatte die US-Terminbörsenaufsicht damals nicht Spekulanten für die steigenden Preise verantwortlich gemacht, sondern Angebot und Nachfrage.

    Nun, einen Monat später, sehen die Untersuchungsergebnisse ganz anders aus. Die für die Untersuchung der Rolle der Spekulanten an den Energiebörsen in den USA einberufene “Interagency Task Force on Commodity Markets“ kam nun zu dem Ergebnis, dass ein einziger Marktteilnehmer, die schweizerische Ölhandelsgesellschaft VITOL, im Juni zeitweise 11% der Ölkontrakte an der New Yorker Ölbörse NYMEX hielt.

    Darüber hinaus fand die CFTC heraus, dass insgesamt 81% der Terminkontrakte auf Erdöl in der Hand von Finanzunternehmen liegen. Und das ist nur die NYMEX, die nicht oder weniger regulierten Ölbörsen ICE, Singapore Exchange, Dubai Merc und Tokio sind hier gar nicht aufgeführt.

    VITOL selbst hielt insgesamt 57,7 Millionen Barrels Erdöl und gab vor, diese gekauft zu haben, um seine Kunden versorgen zu können. Das ist die doppelte Menge des täglichen Ölverbrauchs der USA und fast 70% des weltweiten täglichen Verbrauchs. Die CFTC, die zuvor davon ausging, VITOL benötige diese Menge zur Versorgung seiner Kunden, ist misstrauisch geworden, und ermittelt gegen VITOL.

    Bereits im November 2007 war die Gesellschaft aufgefallen, als sie Bestechungsgelder an die Regierung von Saddam Hussein fließen ließ, um Öllieferungen durch das UNO-Hilfsprogramm «Öl für Nahrung» im Irak zu bekommen. Sie hatte Schmiergelder zwischen Juni 2001 und September 2002 an Hussein gezahlt. Gegenüber den Beamten der UNO wurden die Zahlungen damals verheimlicht, wie der New Yorker Bezirkstaatsanwalt Robert Morgenthau in einer Erklärung schrieb.

    VITOL mit Sitz in Genf wurde im Jahr 1966 gegründet und konzentriert sich als unabhängige Investmentgesellschaft auf den Handel von Öl und Mineralölprodukten. Wie die CFTC nun weiter verfahren wird, ist nicht bekannt.

    Es ist meiner Meinung schon ein wenig erschreckend, wie lange die CFTC tatsächlich benötigte, um aufzudecken, was jetzt bekannt geworden ist. Lange hieß es, dass Positionsgrößen an der NYMEX kontrolliert und streng limitiert werden, was letztendlich auch nicht der Wahrheit letzter Schluss sein kann, wenn ein Trader 11% des Marktes auf sich vereinigen kann. Ich bleibe für Sie im Rohstoff-Report an der Sache dran und informieren Sie über den Fortgang der Ermittlungen der CFTC.

    Abonnieren Sie den Rohstoff-Report kostenfrei unter http://www.godmode-trader.de/newsletter/b2c

    Übrigens bin ich in der nächsten Woche auf Roadshow in verschiedenen Städten in Deutschland - die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenlos - ich werde dort genaueres zu den Untersuchungen der CFTC in meinem Vortrag sagen und stehe für Fragen dort vor Ort zur Verfügung - informieren Sie sich hier: www.finanzbuchverlag.de/seminare/seminar.php

    Herzliche Grüße
    Ihr Jochen Stanzl
    Chefredakteur Rohstoff-Report.de