• Brent Crude Öl - Kürzel: BCOEL - ISIN: XC0009677409
    Börse: Forex Capital Markets / Kursstand: 55,29 $/bbl.

New York/ London/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Das Coronavirus hat auch den globalen Ölmarkt infiziert und die Preise zuletzt stark unter Druck gesetzt. Die Notierungen sind seit Jahresbeginn um in der Spitze 18 Prozent eingebrochen. Der Preis für ein Barrel Nordseeöl Brent fiel vorübergehend unter 53 US-Dollar pro Barrel. Doch die Gegenbewegung ließ nicht lange auf sich warten. In den letzten Handelstagen ging es wieder hinauf über die Marke von 56 Dollar je Fass, allerdings ging dem Anstieg über Nacht schon wieder die Luft aus. Heute tendiert Brent zurück zur 55 Dollar-Schwelle - ein Minus zum Vortag von über zwei Prozent.

Grund des neuerlichen Abverkaufs sind die jüngsten Meldungen aus China, denen zufolge die Zahl der Corona-Infizierten sprunghaft angestiegen ist. Das chinesische Staatsfernsehen sprach von 242 Toten mehr als am Mittwoch. Insgesamt seien es nun 1.369. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen erhöhte sich demnach in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei um rund 14.800. Am Vortag waren lediglich 1.638 neue Infektionen gemeldet worden. Die offizielle Gesamtzahl der Krankheitsfälle in Festlandchina stieg damit auf mehr als 60.300. Die Regierung der Provinz Hubei erklärte am Mittwoch, sie habe eine Überprüfung früherer Verdachtsfälle durchgeführt und ihre Daten überarbeitet, und werde nun nur noch „klinisch diagnostizierte" Fälle in ihre tägliche Statistik aufnehmen.

Am Ölmarkt wiegte man sich zuletzt in Sicherheit, was das chinesische Virus-Problem anbelangte. Doch warum hat die Epidemie, die ja immer noch örtlich begrenzt ihren größten Schrecken verbreitet, solch einen starken Einfluss auf die Rohölpreise?

Der Grund liegt auf der Hand: China steht für ein Siebtel der weltweiten täglichen Rohölnachfrage. Das Reich der Mitte verbraucht rund 14 Mio. Barrel pro Tag. Die Importe der Volksrepublik sind für den Weltölmarkt insofern zu wichtig, um den massiven Nachfragerückgang als Folge der Corona-Krise einfach außer acht lassen zu können. Aufgrund seuchenbedingter Produktions- und Mobilitätspausen sollen die chinesischen Öleinfuhren mittlerweile um bis zu 3 Mio. Barrel pro Tag gesunken sein. „Der Rückgang der chinesischen Energienachfrage ist und bleibt ein Problem für den Markt“, sagte Ökonom Howie Lee von der Oversea-Chinese Banking Corp. in Singapur zu Bloomberg.

In China sind Millionenmetropolen von der Außenwelt abgeschnitten. Bilder von Geisterstädten gehen um die Welt, der Reiseverkehr ist massiv gestört. Zudem sorgt der Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit weltweit für eine deutliche Abschwächung der Kerosin-Nachfrage, weil der Flugverkehr von und nach China stark eingeschränkt ist. Viele Airlines, zuletzt die US-Fluglinie United Airlines, haben angekündigt, ihre Verbindungen in die Volksrepublik noch länger auszusetzen als zuletzt geplant. United spricht jetzt von April, ursprünglich sollte die Strecke ab dem 21. Februar wieder geflogen werden.

Die Auswirkungen der Coronavirus-Krise dürften nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) zum ersten Rückgang der globalen Nachfrage nach Rohöl seit etwa zehn Jahren führen. Die Nachfrage sei durch den neuartigen Coronavirus und die Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft hart getroffen worden, heißt es im aktuellen Monatsbericht. In den ersten drei Monaten des Jahres ist laut der aktuellen IEA-Prognose mit einem weltweiten Rückgang der Ölnachfrage um durchschnittlich 435.000 Barrel pro Tag zu rechnen. Zuvor hatte die IEA für das erste Quartal noch einen Zuwachs um 800.000 Barrel pro Tag prognostiziert.

Die vorübergehende schwächere Ölnachfrage kommt zu einer Zeit, in der sich der Weltölmarkt ohnehin in einem Angebotsüberschuss befindet. Die OPEC+ drosselt zwar massiv ihre Förderung - zuletzt um über 2 Mio. Barrel pro Tag - doch auch dieses Bemühen offensichtlich nicht, um den Markt zurück ins Gleichgewicht zu bringen. Das Coronavirus hat die preistreibende Wirkung des Abkommen mehr als ausgehebelt! Ein Problem ist auch, dass die USA auf Teufel komm raus Öl auf den Markt schmeißen. Die US-Energy Information Administration (EIA) erwartet eine US-Förderung von täglich 13,3 Mio. Mio. Barrel in diesem Jahr und von 13,7 Mio. Barrel im kommenden.

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Die Commerzbank umschreibt die aktuelle Lage mit dem Begriff„Jojo-Effekt“. „Von unten wird der Ölpreis durch die OPEC+ unterstützt. Von oben drückt der Produktionsanstieg aus den Nicht-OPEC-Ländern“, so Analyst Eugen Weinberg. Russland könnte nun stärker unter Druck stehen, die Empfehlung des Technischen Komitee der OPEC+ von vergangener Woche zu unterstützten, dem Markt weitere 600.000 bis 800.000 Barrel Öl pro Ta durch Förderdrosselungen zu entziehen. Russlands wichtigste Ölproduzenten sagten bei einem Treffen mit Energieminister Alexander Novak am Mittwoch, sie würden eine Ausweitung der OPEC+-Fördermengenkürzungen im zweiten Quartal unterstützen, weitere Ergebnisse brachte das Treffen dem Vernehmen nach aber nicht mit sich. Moskau ziert sich bislang öffentlich noch. Das größte OPEC-Land Saudi-Arabien hat bereits seine Zustimmung zusätzlicher Einschränkungen angedeutet.

Während die Saudis mit den derzeitigen Öl-Notierungen keinesfalls zufrieden sind - Riad benötigt im besten Fall einen Preis von 80 Dollar je Fass, um den Staatshaushalt stabil zu halten - ist Russland entspannt. Von jedem verkauftem Fass Öl erhält der russische Finanzminister rund 40 Dollar zur Finanzierung des Staatshaushalts. Das ist jetzt immer noch Luft. Etwaige Mehreinnahmen fließen in den russischen Wohlfahrtsfonds.

Die OPEC+ muss den großen Schritt wagen, ansonsten bleibt der Ölmarkt im Ungleichgewicht und die Ölpreise entsprechend auf niedrigem Niveau. Das Coronavirus verschlimmert die aktuelle Lage nochmals dramatisch. Eine Stimmungsaufhellung am Ölmarkt ist auf Sicht nicht absehbar.

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