Die ganz große Party ist auf dem Ölmarkt bisher ausgeblieben. Freilich, die Tiefs unterhalb von 30 Dollar sind längst Vergangenheit und die Rally bis zu den aktuellen Preisen war bemerkenswert, doch seitdem die OPEC die Fördermenge gekürzt hat, ist nicht mehr viel geschehen.

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    Nun kann man sich ansatzweise vorstellen, wo der Ölpreis heute stehen würde, wenn es die Produktionskürzungen nicht gegeben hätte. Die Kürzungen gab es nun aber einmal und so kann sich der Preis seit einigen Wochen oberhalb von 50 Dollar etablieren. Dabei helfen auch immer wieder Nachrichten der OPEC.

    Das Jahr ist noch so jung wie die Produktionskürzung, doch schon jetzt lässt sich sagen, dass die Kürzung ein voller Erfolg ist. Grafik 1 zeigt die bisherige Kürzung der einzelnen Länder und deren Zugeständnisse vom vergangenen Jahr. Die kleinsten OPEC Länder sind nicht aufgeführt, dafür aber Russland. Aus Russland gibt es noch keine konkreten Daten. Bisher ist nur das verbale Bekenntnis vorhanden, dass tatsächlich 300.000 Barrel pro Tag weniger produziert werden als bisher.

    Saudi-Arabien leistet den mit Abstand größten Beitrag an den Kürzungen und übertrifft sein Zugeständnis gleich um 100.000 Barrel am Tag. Andere Länder brauchen wohl noch etwas mehr Zeit bis sie ihre Zusagen einhalten können. Zu diesen Ländern gehören etwa die Emirate oder Venezuela.

    Von Venezuela ist vermutlich ohnehin keine Einhaltung der Zusage zu erwarten. Das Land braucht nicht nur jeden Dollar, sondern jeden Cent, um solvent zu bleiben. Auf der anderen Seite gibt es auch Länder, die mehr fördern dürfen, etwa der Iran. Dieser schöpft sein höheres Limit bisher nicht einmal ansatzweise aus. Das hilft.

    Libyen und Nigeria wurden vom Deal ausgenommen, da beide aufgrund der Lage im Land schon lange nicht mehr nahe ihrer Kapazität produzieren. Inzwischen hat sich die Lage in beiden Ländern wieder beruhigt, was sich auch in einem deutlichen Anstieg der Produktionsmenge zeigt.

    Die OPEC-Länder, inklusive Russland, die sich zu Kürzungen verpflichtet haben, erfüllten ca. 90 % ihrer Zusagen. Das ist ein absoluter Rekordwert. Die OPEC folgte ihren eigenen Beschlüssen noch nie so strikt, aber reicht das?

    Schließt man Nigeria und Libyen in die Betrachtung mit ein, dann wurden bisher 60 % der Kürzungsmenge erreicht. Im Maximum können 70 % erreicht werden. Wahrscheinlich aber fällt der Wert sogar unter 50 %, wenn Nigeria Libyen ihre Ziele zur Ausweitung der Produktion erreichen.


    Die Kürzungen setzt das in Perspektive. Weltweit sinkt das Angebot so um weniger als 1 % durch den Beschluss. Gleichzeitig steigt die Produktion der USA wieder (Grafik 2). Am Ende bleibt alles beim alten. Das Ölangebot bleibt konstant.

    Dass es noch keine Entspannung gibt, zeigt auch der US-Öllagerbestand. Saisonal dürfte der Bestand noch bis April ansteigen. Schon jetzt steht er nur knapp unter dem bisherigen Rekordwert von 512 Mio. Barrel aus vergangenem April. In diesem Jahr könnten 540 Mio. Barrel im April erreicht werden. Da ist von Entspannung überhaupt noch nichts zu bemerken.

    Unterm Strich heißt das: trotz aller Beteuerungen und gegenteiliger Meldungen bleibt das weltweite Überangebot wie gehabt bestehen. Gleichzeitig sind Anleger in Bezug auf den Ölpreis so bullisch positioniert wie noch nie. Das schreit förmlich nach einer Korrektur. Fundamental wäre sie allemal gerechtfertigt.

    Clemens Schmale

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