• Brent Crude Öl - Kürzel: BCOEL - ISIN: XC0009677409
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New York/ London/ Wien (Godmode-Trader.de) - Bereits am Wochenende deutete sich nach einem informellen Treffen an, dass sich die 28 OPEC und Nicht-OPEC-Staaten, die unter dem Namen OPEC+ firmieren, nur schwer zu einer einheitlichen Linie zur künftigen Förderpolitik aufraffen können. Nun ist durchgesickert, dass das für heute anberaumte Treffen der OPEC mit den zehn Kooperationspartnern auf diesen Donnerstag verschoben wurde. Bis dahin wollen sich die Beteiligten informell weiter besprechen.

Die Verschiebung offenbart, dass die Gruppe tief gespalten ist und wohl in zwei Lager verfällt. Die einen wollen die Produktion vor dem Hintergrund der Corona-Situation für weitere drei Monate drosseln, die anderen wollen die Beschränkungen aufweichen und ihre Förderung wieder ausweiten.

Die OPEC-Minister selbst trafen sich bereits am Montag und waren erst heute zu Gesprächen mit ihren Nicht-OPEC-Partnern verabredet. Gestern hat sich ein Konsens zwischen den Ministern abgezeichnet, doch dann wurde das Treffen noch einmal spannend. Der saudi-arabische Energieminister teilte mit einer Geste, die seine Frustration offenbarte, mit, dass er möglicherweise als Co-Vorsitzender des OPEC+-Überwachungsausschusses (JMMC) zurücktreten werde.

Die Risse in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und anderen Mitgliedern wurden im Laufe des Tages immer sichtbarer. Die langfristige Strategie der VAE , die Produktion anzukurbeln, kollidiert mit den derzeitigen Restriktionen des Kartells. „Der Markt unterschätzt ein wenig, wie ernst dies ist - die VAE sind einer der größten Verbündeten Saudi-Arabiens“, sagte Amrita Sen, Mitbegründerin des Beratungsunternehmens Energy Aspects im Gespräch mit Bloomberg TV. Sen erwartet zwar kein Chaos in dieser Woche, sieht aber für das kommende Jahr anhaltende Spannungen.

Es ist zu erwarten, dass die informellen Gespräche vor dem OPEC+-Treffen am Donnerstag telefonisch fortgesetzt werden. Die Minister gehen der Frage nach, ob die Produktion wie geplant im Januar erhöht oder die derzeitigen Kürzungen mit einem Szenario für weitere drei Monate beibehalten werden sollen. Einige Mitglieder sind der Meinung, dass der Markt noch zu fragil ist, um mehr Rohöl zu akzeptieren, während andere das Beste aus den steigenden Preisen machen wollen, um Produktion und damit die staatlichen Einnahmen zu erhöhen.

Die VAE lehnen eine Verlängerung der derzeitigen Produktionskürzungen nicht offen ab, blockieren aber effektiv eine Vereinbarung, indem sie versuchen, an eine Verlängerung Bedingungen zu knüpfen, die nach Ansicht der Delegierten fast unmöglich zu erfüllen sind. Die VAE fordern etwas diejenigen Staaten, die zuvor ihre Quoten verletzt haben, auf, sich zur vollständigen Umsetzung zu verpflichten.

Auf dem Spiel steht nichts weniger als die Glaubwürdigkeit des Ölkartells, dessen Aktionen den Markt seit dem spektakulären Öl-Crash im Frühjahr gestützt haben. Der Einbruch der Weltwirtschaft durch die Coronakrise ließ die Ölpreise massiv sinken. Die OPEC+ hatte zur Jahresmitte mit einer beispiellosen Förderkürzung um fast zehn Mio. Barrel am Tag reagiert, um die Ölpreise zu stabilisieren. Ab dem Jahreswechsel wollte die Gruppe die Förderung ausweiten. Die tägliche Produktionskürzung sollte nach bisherigen Plänen bis April 2022 nur noch 5,8 Mio. Barrel am Tag umfassen.

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