1. Nachdem es bereits heute Morgen aus OPEC-Kreisen zu vernehmen war, haben die Mitgliedstaaten nun auch offiziell ihre Entscheidung bekannt gegeben und die Förderquoten auf dem aktuellen Niveau von 27 Millionen Barrels belassen. Gleichzeitig hat die OPEC allerdings beschlossen, die tatsächliche Produktion, welche im November etwa 1 Million Barrels über den offiziellen Förderquoten lag, um 1 Million Barrels pro Tag zu drosseln.

2. Damit reagierten die OPEC-Minister auf den dramatischen Ölpreisverfall der vergangenen Tage. Seit Ende Oktober ist der Preis für die Benchmark-Sorte West Texas Intermediate (WTI) von in der Spitze über 56 USDollar pro Barrel (USD/bbl) auf zwischenzeitlich 40,7 USD/bbl gefallen. Als Begründung für die Produktionskürzung führte der saudische Ölminister Ali al-Naimi an, dass die OPEC einem zu starken Aufbau der weltweiten Öllagerbestände entgegenwirken will. Für den 30. Januar 2005 wurde ein außerordentliches Meeting in Wien terminiert, um über die Förderpolitik im dann anstehenden nachfrageschwächeren zweiten Quartal zu beraten.

3. Die Entscheidung über eine Anhebung des Preisbandes für den OPEC-Korb-Preis von derzeit 22 bis 28 USD/bbl wurde erneut vertragt. De facto ist das Preisband ohnehin seit mehr als einem Jahr außer Kraft. Wenn das Band bei einem der nächsten Treffen angehoben wird, ist vor allem die Untergrenze von Bedeutung. Diese werden die Fördernationen, wenn notwendig, mit allen Mitteln verteidigen. Die Obergrenze wird auch in Zukunft mehr oder weniger bedeutungslos sein. Salopp gesagt gibt die OPEC lediglich eine Obergrenze an, da ein Band nun mal zwei Begrenzungslinien braucht.

4. Ob die OPEC-Fördernationen die Produktion tatsächlich senken werden, ist mehr als fraglich. Die heutige Entscheidung ist wohl vielmehr als Signal an jene Spekulanten zu werten, die in der vergangenen Woche durch ihre Wetten auf einen milden Winter den starken Preisrückgang ausgelöst hatten. Diese setzten nach den günstigen Heizöllagerdaten und den überdurchschnittlich warmen Temperaturen der vergangenen Wochen darauf, dass ein warmer Winter zu einem starken Rückgang der Ölnachfrage führen würde. In diesem Fall wäre die aktuelle OPEC-Produktion zu hoch und man müsste in den Wintermonaten mit einem Überangebot bzw. einem übermäßig starken Aufbau der Lagerbestände rechnen.

Die OPEC musste deshalb damit rechnen, dass eine Beibehaltung der aktuellen Produktion zumindest kurzfristig noch mehr Spekulationen geschürt hätte, was zu einem noch stärkeren Unterschießen des Ölpreises geführt hätte. Dies wäre ganz offensichtlich nicht in ihrem Sinne gewesen, auch wenn sich die Mitgliedstaaten offiziell immer noch für deutlich niedrigere Ölpreise aussprechen. Schließlich haben die meisten Ölfördernationen durch die starke Abwertung des US-Dollars einen beachtlichen Kaufkraftverlust erlitten. Insofern ist davon auszugehen, dass ein noch stärkerer Ölpreisrückgang nicht gewünscht ist. Mit der Entscheidung, die tatsächliche Produktion zu drosseln, hat die OPEC den Spekulanten vorerst den Wind aus den Segeln genommen. Dies belegt auch die Preisreaktion der vergangenen beiden Tage. Seitdem mehr oder weniger klar war, dass die OPEC eine Produktionskürzung beschließen würde, steigen die Ölpreise wieder an.

5. Ebenfalls heute wurde der monatliche Ölmarktbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) veröffentlicht. Darin revidierte sie ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage in 2005 um 80.000 Barrels pro Tag nach unten. Die Agentur rechnet nun mit einem Nachfragewachstum von 1,4 mbd nach einem rekordverdächtigen Wachstum von 2,7 mbd im laufenden Jahr. Die Prognoseanpassung ist auf ein schwächeres prognostiziertes Nachfragewachstum im Nahen Osten und Russland zurückzuführen. Gleichzeitig senkte die IEA aber auch ihre Prognose für die Produktionsausweitung der nicht-OPEC Länder um 100.000 Barrels pro Tag auf 1,1 mbd. Wie die Erfahrung der Vergangenheit gezeigt hat, neigt die IEA dazu, das Nachfragewachstum in ihren Prognosen systematisch zu unterschätzen, während sie die Angebotsausweitung überschätzt. Für den Markt von größerer Bedeutung war allerdings die indirekte Aufforderung an die OPEC, die Produktion zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu kürzen. Trotz des jüngsten Preisrückgangs gäbe es bei der Preisentwicklung immer noch beachtliche Aufwärtsrisiken. Die Lagerbestände müssten ihrer Ansicht nach weiter aufgebaut werden. Außerdem blieben geopolitische Risiken bestehen und der Mangel an freien Kapazitäten würde für zusätzliche Unsicherheit sorgen.

6. Trotz des dramatischen Ölpreisverfalls der vergangenen Tage hat sich an unserer bisherigen Ölmarkteinschätzung grundsätzlich nichts geändert (siehe Volkswirtschaft Spezial: Ein Markt an der Kapazitätsgrenze, vom 8. Dezember 2004). Der jüngste Ölpreisrückgang, der in der Geschwindigkeit und im Ausmaß an den Preisrückgang kurz vor dem Ausbruch des Irak-Kriegs im März 2003 erinnert, ist unserer Ansicht nach eine spekulative Wette auf einen milden Winter. Diese kann durchaus aufgehen, wenn sich in den nächsten Wochen tatsächlich ein warmer Winter abzeichnen sollte, da dadurch die Ölnachfrage weitaus geringer ausfallen würde als unter normalen Witterungsbedingungen. Zum aktuellen Zeitpunkt darauf zu setzen, ist allerdings pure Spekulation. Für die nächsten Wochen ist davon auszugehen, dass sich der Ölpreis weiterhin sehr volatil zeigen wird. Erneute Preisrückgänge halten wir kurzfristig für nicht ausgeschlossen. Auf Sicht von ein bis zwei Monaten rechnen wir allerdings wieder mit deutlich steigenden Preisen.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.