An einem Tag +18,8%, das hat es an den Märkten für Orangensaftkonzentrat noch nie gegeben. Am 17. Oktober erreichte Orangensaft bei 198,45 cents/lb ein neues 19-Jahreshoch. Ausgelöst wurde dieser Preissprung von einer neuen Ernteeinschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums, welche einen drastischen Ernteeinbruch in diesem Jahr sieht. Grund sind schwere Schäden durch Hurrikans im letzten und vorletzten Jahr, teilweise wurden die Bäume in Florida beschädigt oder sogar ganz entwurzelt.

    Das US-Landwirtschaftsministerium rechnet in diesem Jahr mit einer Orangensafternte von 135 Millionen Kisten, nach 151 Millionen Kisten in 2005. In den fünf Jahren vor den ersten Hurrikans lag die Produktion in Florida durchschnittlich noch bei 226,2 Millionen Kisten – seit zwei Jahren liegt die Produktion in Florida also rund 34% unter dem Fünfjahresschnitt. Das Ergebnis dieses Angebotsrückgangs ist einer der am stärksten ausgeprägten Bullenmärkte unter den Rohstoffen.

    Es könnte weiter gehen. Die Produzenten in Florida, die teilweise ihre gesamten Plantagen verloren haben, beginnen nur langsam wieder damit, neue Bäume zu setzen. Da die Landpreise in Florida aufgrund des Immobilienbooms in den letzten Jahren in die Höhe geschossen sind, sehen viele Produzenten den Zeitpunkt gekommen, sich von ihren Besitztümern zu trennen. Für die Produzenten mag es die richtige Entscheidung sein, für die Märkte bleibt aber eine Angebotslücke, die nun wohl Brasilien füllen wird.

    Da Orangensaftbäume mehrjährige Pflanzen sind, wird es viele Jahre benötigen, bis die Hurrikanschäden ausgeglichen sind. Hinzu kommt eine Kampagne zur Vernichtung von Zitrusbrand – einer für die Bäume tödlichen Erkrankung. So wurden seit Jahresbeginn zahlreiche Plantagen großflächig abgefackelt, um eine Ausbreitung von Zitrusbrand zu vermeiden. Ein neu gepflanzter Orangensaftbaum benötigt drei Jahre, bis er erste Früchte trägt und rund fünf Jahre bis zu einer zufrieden stellenden Ertragskraft. Die Chancen für weiter steigende Preise sind also besser denn je.

    Autor: Jochen Stanzl, Chefredakteur des Rohstoff-Report

    Sie können sich kostenlos in den Verteiler des Rohstoff-Report eintragen unter http://www.rohstoff-report.de