• NVIDIA Corp. - Kürzel: NVD - ISIN: US67066G1040
    Kursstand: 179,420 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung
  • Micron Technology Inc. - Kürzel: MTE - ISIN: US5951121038
    Kursstand: 62,320 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung
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  • NVIDIA Corp. - WKN: 918422 - ISIN: US67066G1040 - Kurs: 179,420 $ (Nasdaq)
  • Micron Technology Inc. - WKN: 869020 - ISIN: US5951121038 - Kurs: 62,320 $ (Nasdaq)
  • Plug Power Inc. - WKN: A1JA81 - ISIN: US72919P2020 - Kurs: 27,740 $ (Nasdaq)

Im Beitrag „Kräftige Kursausschläge nach den Zahlen von Uber, Advanced Micro Devices und PayPal…“ vom vergangenen Freitag, 5. August hatte ich zum Schluss Folgendes quasi georakelt: „Derzeit ist allerdings kein Grund absehbar, weshalb die Stimmung für die US-Techs nicht gut bleiben sollte. Oder sollte genau dieser Umstand Anleger stutzig machen? Nur drei Tage später, am Montag, 8. August, begannen dann die Hiobsbotschaften, als Nvidia eine heftige Gewinnwarnung abgegeben und damit Investoren geschockt hatte, woraufhin die Aktie eingebrochen war. Der Hersteller von Grafikkarten hat gewarnt, dass der Umsatz im per Juli beendeten zweiten Quartal des Fiskaljahres 2022/23 lediglich 6,7 Mrd. Dollar statt der zuvor geplanten 8,1 Milliarden Dollar erreichen werde.

Damit würden die Erlöse um 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal einbrechen. Der Hauptgrund dafür sei, dass der Umsatz im Gaming-Bereich um 44 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf nurmehr 2,04 Mrd. Dollar kollabiert sei, weil Kunden aufgrund der Schwäche der Weltwirtschaft viel weniger von den Bauteilen abgenommen hätten. Offensichtlich verschieben Verbraucher in einem Umfeld weltweit hoher Inflation den Kauf teurer Gaming-PCs. Diese Tatsache sollte meiner Meinung nach aber doch eigentlich niemanden überraschen, oder?

Zudem seien die Erlöse im Bereich Rechenzentren, also Server-Chips, zwar um ein Prozent gegenüber dem Vorquartal auf den Rekord von 3,81 Mrd. Dollar gestiegen. Allerdings läge das etwas unter den Erwartungen des Managements, Ursache seien Lieferschwierigkeiten.

Der Konzern verbucht daher zusätzliche Belastungen von knapp 1,32 Mrd. Dollar, vor allem Abschreibungen auf die zu hohen Lagervorräte. Vorstandschef Jensen Huang erwartet, dass das schwierige Geschäftsumfeld anhalten wird und versucht mit deutlichen Preissenkungen die Nachfrage anzukurbeln. Um das Papier zu stützen, will das Unternehmen allerdings das Aktienrückkaufprogramm wie geplant fortsetzen. Umso gespannter werden Investoren die Veröffentlichung des Quartalsberichts und die Analystenkonferenz am 24. August verfolgen.

Gewinnwarnung von Micron folgt

Nachdem die miserablen Nachrichten von Nvidia die vorherige Party an der Nasdaq am Montag empfindlich gestört hatten, verschlechterte sich am Dienstag die Stimmung der Investoren weiter, nachdem Micron Technology mit einer Gewinnwarnung nachgezogen ist – und das just an dem Tag, da US-Präsident Joe Biden mit dem 52 Milliarden Dollar schweren „Chips and Science Act“ ein Gesetz unterzeichnet hat, das Halbleiterunternehmen dazu bewegen soll, kräftig Kapazitäten in den USA aufzubauen.

Der größte US-Hersteller von Speicherchips warnte, dass die Nachfrage nach den Bauteilen wegen der schwachen Weltwirtschaft schlechter sei als erwartet. Daher werde der Umsatz für das am 1. September endende vierte Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 „am oder unter dem unteren Ende der bisherigen Prognose“ liegen. Ich würde klar auf „unter dem unteren Ende“ tippen.

Zur Erinnerung: Micron hatte Investoren Ende Juni mit einer Umsatzprognose für das vierte Quartal von lediglich 7,2 Mrd. Dollar geschockt, was meilenweit unter der damaligen Prognose der Analysten von 9,14 Mrd. Dollar lag. Sollten die Erlöse diesmal das untere Ende der Prognose von 6,8 Mrd. Dollar bis 7,6 Mrd. Dollar erreichen, wäre das ein Einbruch um 17,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Da zeigt sich einmal mehr, wie zyklisch das Geschäft von Micron ist.

Zudem soll der Umsatz im ersten Quartal des Fiskaljahres 2022/23 gegenüber dem derzeit laufenden deutlich sinken, während die Gewinnmargen kräftig zurückgehen würden. Zudem soll ein negativer Free Cashflow zu Buche stehen. Gleichzeitig streicht der Konzern die Prognose für die Investitionsausgaben für das Fiskaljahr 2022/23 zusammen, womit sie erheblich unter dem Niveau von 2021/22 liegen sollen.

Nachfrageeinbruch weitet sich auf alle Bereiche aus

Geradezu schockiert hat Investoren eine Aussage von Vorstandschef Sanjay Mehrotra. „Im Vergleich zu unserer jüngsten Analystenkonferenz sehen wir eine weitere Abschwächung der Nachfrage, weil sich die Anpassungen ausweiten von den Konsumenten (PCs und Smartphones) auf andere Bereiche des Marktes, inklusive Rechenzentren, Industrie und Auto“, sagte Mehrotra. Ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt gewarnt, dass meiner Meinung nach nicht nur die US-Wirtschaft bereits in einer Rezession ist, sondern dass eine weltweite Rezession mit großen Schritten heraufzieht.

Von einem derartigen Umfeld wäre ein Sektor, wie der Halbleiterbereich, der zyklischer ist als praktisch jeder andere, besonders stark betroffen. Wenn die Unternehmen aus welchen Bereichen auch immer merken, dass die Nachfrage plötzlich nach unten rauscht, stornieren sie schnell ihre Aufträge bei den Halbleiterherstellern, wie Micron, woraufhin deren Geschäft einbricht.

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass der schwerste Abschwung der Halbleiterindustrie seit mindestens einem Jahrzehnt begonnen hat, möglicherweise sogar seit 2001“, schrieben die Analysten der Citigroup am Dienstag. Sie erwarten, dass „jeder Endmarkt eine Korrektur durchlaufen wird“, so die Finanzprofis. Dass mit „Korrektur“ ein heftiger Einbruch gemeint ist, sollte jedermann klar sein.

Zur Erinnerung: Der Umsatz von Micron lag im ersten Quartal 2021/22 bei 7,69 Mrd. Dollar. Für das erste Quartal 2022/23 haben Analysten ihre Prognose inzwischen auf 6,24 Mrd. Dollar eingedampft. Nach Mehrotras Ausblick bezweifle ich, dass das das Ende der Fahnenstange sein wird.

US-Zahl treibt Aktienmärkte nach oben

Für eine kräftige Trendwende nach oben am gesamten Aktienmarkt und gerade bei den US-Techaktien hat Mittwochnachmittag dann aber die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten gesorgt. So war die Inflationsrate vom 40-Jahres-Hoch im Juni von 9,1 Prozent auf 8,5 Prozent für Juli gesunken. Das lag unter den Schätzungen der Analysten von 8,7 Prozent. Das hat für große Erleichterung bei Investoren gesorgt, zumal viele Experten einmal mehr geschrieben haben, dass nun der Höhepunkt bei der US-Inflation hinter uns liege.

Die Inflationsdaten haben bei Investoren die Erwartung geschürt, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 21. September die Leitzinsen statt um 75 Basispunkte (0,75 Prozentpunkte) um „nur“ 50 Basispunkte auf 2,75 bis 3,0 Prozent anheben könnte. Bei den Sitzungen im Juni und Juli hatte die Fed die Zinsen um jeweils 75 Basispunkte angehoben, das waren die stärksten Schritte nach oben seit 1994.

Wegen der Hoffnung der Investoren auf eine Kehrtwende der Fed hin zu langsameren Zinserhöhungen, waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen eingebrochen. Im Gegenzug haben Investoren kräftig bei US-Aktien zugegriffen, woraufhin der Nasdaq Composite Index einen noch stärkeren Sprung nach oben gemacht hat als der S&P500. Der Grund: Wenn sinkende Zinsen für zehnjährige US-Anleihen eine Konjunkturabschwächung signalisieren, kaufen Investoren üblicherweise Groth-Aktien, sprich Technologiewerte, nach dem Motto: Je schwächer die Wirtschaft ist, umso mehr braucht man Unternehmen mit starkem Wachstum, gerade auf der Umsatzseite.

Nach dem Kurssprung hat beim Nasdaq Composite ein Bullenmarkt begonnen. Er liegt bei einem Kursanstieg um mindestens 20 Prozent gegenüber dem vorherigen Tief vor.

Da haben Investoren einmal mehr ignoriert, dass der Einbruch der US-Zinsen diesmal nicht nur eine Konjunkturflaute, sondern vielmehr eine Rezession widerspiegeln dürfte. Dass das ein gutes Umfeld für US-Technologiefirmen sein könnte, wage ich sehr zu bezweifeln. Allerdings hat die Hoffnung auf eine Kehrtwende der Fed alle Risikofaktoren überlagert und damit die Aktien nach oben schießen lassen.

Rally nach den Zahlen von Plug Power

Auf einer Berg- und Talfahrt war gerade auch die Aktie von Plug Power. Nach der Vorlage der Quartalszahlen am Dienstagabend war das Papier Mittwochfrüh erst einmal eingebrochen, waren die Ergebnisse des Wasserstoffproduzenten und Herstellers von Brennstoffzellen doch alles andere als berauschend. Nachdem etliche Analysten aber ihre Kursziele drastisch nach oben geschraubt hatten und sich zusätzlich die Stimmung am Gesamtmarkt nach der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten kräftig verbessert hatte, war die Aktie umso stärker nach oben geschossen.

Im zweiten Quartal hat der Konzern den Umsatz zwar um 21 Prozent auf 151,27 Mio. Dollar gesteigert. Das lag allerdings unter den Schätzungen der Analysten von rund 155 Mio. Dollar. Wegen der rasant gestiegenen Kosten ist der operative Verlust um mehr als 60 Prozent auf 146,91 Mio. Dollar nach oben geschossen. Der operative Verlust war also fast so groß wie der Umsatz. Das hat die Investoren anfangs nicht gerade euphorisiert, zumal unter dem Strich der Verlust je Aktie auf 0,30 Dollar nach oben geschossen ist und damit weit über den Schätzungen der Analysten lag (minus 0,22 Dollar).

Allerdings hat der Konzern die Umsatzprognose für das laufende Jahr von 900 bis 925 Mio. Dollar bestätigt, was einem Sprung um rund 80 Prozent entspricht. Für 2025 strebt das Unternehmen weiterhin 3,0 Mrd. Dollar an.

Euphorische Analysten

Wie oben geschrieben, kamen danach aber die umso euphorischeren Analysten, die unisono betont haben, dass Plug Power vom „Inflation Reduction Act“ der US-Regierung enorm profitieren werde, weil das Gesetz eine starke Förderung sauberer Energien, darunter gerade auch der Wasserstofftechnologie, enthalte. So haben die Analysten von BMO ihr Kursziel von 20 auf 29 Dollar erhöht, jene von RBC sogar von 18 auf 29 Dollar. Die Analysten von JPMorgan schraubten ihres von 28 auf 32 Dollar nach oben und jene von Susquehanna sogar von 30 auf 35 Dollar.

Was machte daraufhin die Aktie? Nachdem sie zum Handelsstart am Mittwoch in Deutschland noch unter 23 Euro (23,70 Dollar) eingebrochen war, ist sie in den folgenden Stunden umso stärker nach oben geschossen und hat zum Handelsschluss die Marke von 28 Euro durchbrochen. Inzwischen hat das Papier ein wenig nachgegeben auf 27,50 Euro.

Zu dem kräftigen Kurssprung dürfte auch ein Short Squeeze erheblich beigetragen haben, nachdem sich viele Spekulanten, die auf sinkende Kurse gesetzt hatten, eindecken mussten, woraufhin die Aktie noch stärker gestiegen ist als ohnehin schon. Zur Erinnerung: Zwischen Mitte und Ende Juli war der Short Interest um 6,7 Prozent auf 70,32 Mio. Aktien gestiegen. Das waren horrende 13,7 Prozent des Free Float, also der umlaufenden Aktien.

Gigantische Bewertung

Für Begeisterung bei Analysten sorgt vor allem der sogenannte Clean Hydrogen Production Tax Credit (PTC) aus dem Gesetz. Demnach bekommt man bei der Produktion von grünem Wasserstoff (bei der Elektrolyse muss die benötigte Energie vollständig mit erneuerbaren Energien gedeckt werden) eine Steuergutschrift von 3 Dollar pro Kilogramm, die Förderung soll 10 Jahre laufen und für jede Anlage zur Herstellung von Wasserstoff gelten, deren Bau vor 2033 beginnt. Das Gesetz hat Plug in seinem Quartalsbericht mehrmals ausgiebig gefeiert und prognostiziert, dass das bei einer Produktion von 500 Tonnen Wasserstoff pro Tag, die allerdings erst Ende 2025 erreicht werden soll, zu einem zusätzlichen Cashflow von 500 Mio. Dollar pro Jahr führen werde.

Selbst wenn man diese euphorische Schätzung für 2025 heranzieht, die meiner Meinung nach mit großer Unsicherheit behaftet ist, kann ich mir den derzeitigen Börsenwert von Plug Power kaum erklären. Dazu ein paar Zahlen: Laut den Schätzungen der Analysten soll der Konzern den Umsatz in den kommenden Jahren weiter massiv steigern bis auf 3,1 Mrd. Dollar im Jahr 2025, was leicht über der Vorhersage des Managements liegt.

Zudem soll das Unternehmen im Jahr 2022 einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 475 Mio. Dollar erwirtschaften, der im kommenden Jahr auf rund 200 Mio. Dollar abgebaut werden soll. Für 2024 wird eine rote Null vorhergesagt, gefolgt von einem operativen Gewinn von rund 300 Mio. Dollar für 2025.

Dem steht ein Börsenwert von aktuell 16,1 Mrd. Dollar gegenüber – eine horrende Bewertung! Das ist das 53,7-Fache des 2025er-Ebits! Das kann ich mir nur mit der irrwitzigen Fantasie der Investoren erklären, das sind völlige Mondpreise! Schließlich könnten bei einem möglichen Regierungswechsel in den USA nach der Wahl im November 2024 die dann regierenden Republikaner das Förderprogramm kräftig zusammenstreichen. Das spielt für Investoren derzeit aber absolut keine Rolle.

Wie geht es weiter mit den Aktien?

Wie könnte es mit den Aktien von Nvidia, Micron und Plug Power kurzfristig weitergehen? Nachdem Investoren nach den nicht ganz so schlimm wie befürchteten US-Inflationsdaten kräftig auf eine Kehrtwende der Fed spekulieren, und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen bei schwachen US-Konjunkturdaten gegen Süden tendieren sollten, dürfte die Erholung bei den US-Tech-Aktien und damit bei dem obigen Trio zumindest kurzfristig weitergehen. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Geschäftsperspektiven für die Firmen, wie Nvidia und Micron, auf absehbare Sicht miserabel sind, oder die Aktie astronomisch hoch bewertet ist, wie Plug Power.

In der kommenden Woche geht die Quartalssaison bei den US-Techs zügig zu Ende. Einer der wenigen Höhepunkte dürfte die Zahlenvorlage des Chipzulieferers Applied Materials am Donnerstag, 18. August nach Börsenschluss in den USA sein. Nach den Ausblicken von Nvidia und AMD dürfte meiner Meinung nach jener von Applied Materials alles andere als erfreulich ausfallen. Das sollte inzwischen allerdings auch vielen Investoren klar sein, weshalb sich das Papier trotz einer möglicherweise enttäuschenden Prognose weiter erholen könnte.