• WTI Öl - Kürzel: WTI - ISIN: XC0007924514
    Börse: Forex Capital Markets / Kursstand: 45,28000 $/bbl.

Solange sich die OPEC+ Staaten an ihre Fördermengenbegrenzung halten, sind die Perspektiven der Ölindustrie gar nicht so schlecht. Dank der starken Begrenzung kann das Überangebot sukzessive abgebaut werden. Bis zum Frühsommer galt eine Kürzung von 10 Mio. Barrel pro Tag. Bis Ende 2020 gilt noch eine Kürzung von 7,7 Mio. Barrel und danach, bis April 2022, eine Kürzung von 5,8 Mio. Barrel. Durch diese Kürzungen ist es bereits im Sommer gelungen, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Die Nachfrage wird kurzfristig von der zweiten Welle wieder etwas nach unten gedrückt. Einen globalen und so strikten Lockdown wie im Frühjahr gibt es allerdings nicht.


Dass der Ölpreis trotz eines Angebotsdefizits immer noch auf moderatem Niveau ist, liegt am Lagerbestand. Das Überangebot war im Frühjahr so hoch, dass das Überangebot zeitweise fast 20 Mio. Barrel pro Tag erreichte (Grafik 2). Die Lager füllten sich entsprechend.


Dieses Überangebot und der daraus resultierende höhere Lagerbestand wird nun abgebaut. Bis Ende 2021 wird sich die Lage fast vollständig normalisieren. Eine Normalisierung ist immer noch keine Knappheit. Daher darf man auch nicht mit einem Ölpreis von 80 Dollar rechnen.

Ein gewisses positives Momentum, das sich bereits in den letzten Tagen gezeigt hat, sollte 2021 überdauern. Eine große Unbekannte ist die US-Produktion. Die Bohraktivität steigt wieder und die Produktionsmenge stabilisiert sich. Sollten US-Firmen auf eine aggressivere Expansion hinarbeiten, kann die Produktionsmenge innerhalb von 12 Monaten wieder ein Rekordniveau erreichen. Dies gelang auch nach der letzten Krise 2015/16.

Das größte Risiko für einen höheren Preis ist eine schnellere Produktionsmengenausweitung in den USA im kommenden Jahr. Aktuell lässt sich das noch nicht erkennen. Für die jeweiligen Firmen wäre es auch nicht unbedingt die beste Entscheidung. Es ist verständlich, dass Firmen von einem leicht höheren Ölpreis profitieren wollen. Steigt die Produktion jedoch zu schnell, sinkt der Preis auch wieder.

Ein zu aggressives Vorgehen würde auch die OPEC+ beschäftigen. Keiner will sehen, dass man den Preis stützt, indem weniger Öl verkauft wird und andere davon profitieren. Eine Überproduktion in den USA könnte ein Ende der OPEC+ Förderkürzung provozieren.


Ein solches Szenario ist die größte Gefahr. Solange ein gewisses Maß an Vernunft unter allen Beteiligten herrscht, wirkt die Normalisierung von Angebot und Nachfrage und dem Gleichgewicht des Marktes positiv. Der Ölpreis könnte sich 2021 im Bereich von 50 bis 60 Dollar einpendeln. Bei diesen Preisen und den enormen Sparbemühungen der Unternehmen in diesem Jahr ergeben sich daraus ansehnliche Gewinne.

In der letzten Woche haben die Aktien des Sektors bereits stark gewonnen. Aktuell folgt eine Konsolidierung. Hinterherlaufen sollte man nicht. Rücksetzer wie der jetzige sind jedoch Kaufgelegenheiten.

Clemens Schmale


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