Das erste Mal seit mindestens einem viertel Jahrhundert ist Platin wieder spürbar günstiger als Gold. Vor drei Jahren kostete eine Unze Platin in der Spitze 1300 Dollar mehr, als ein- und dieselbe Menge Gold. Jetzt ist es 144 Dollar billiger. Wer glaubt, jetzt aus der Abkopplung der Korrelation Profit schlagen zu können, könnte sich aber täuschen.

    Platin ist das „weiße Fleisch“ der Edelmetalle. Investoren betrachten es als Substitut für Silber und Gold, doch ist es nur bedingt zur Diversifikation eines Edelmetallportfolios geeignet. Das liegt daran, dass Platin nicht wie Gold als Währungsersatz angesehen wird. Zu stark korreliert es wegen seinem hohen industriellen Nutzen mit den Zyklen der Konjunktur. Das stützt Gold relativ zu Platin, das bei den Erwägungen der Zentralbanken zur Diversifikation ihrer US-Dollar-lastigen Fremdwährungsreserven keine Rolle spielt. Außerdem ist Platin am Schmuckmarkt ein unbedeutendes Substitut zu Gold.

    Eine Ausnahme ist der japanische Schmuckkäufer. Juweliere stellen bei ihm nicht dieselbe Abneigung gegenüber Platinschmuck fest, wie bei europäischen oder amerikanischen Kunden. Im Gegenteil: Platinschmuck ist in Japan populär. Oder, um genauer zu sagen: War populär. Denn viele Japaner nutzen Preise um 1900 Dollar pro Unze, um ihren Platinschmuck zu Geld zu machen. Ihnen ist noch der Crash aus dem Jahr 2008 in Erinnerung, der den Platinpreis in vier Monaten auch ausgehend vom Preisbereich um 1900 Dollar um über die Hälfte einbrechen ließ. Sie befürchteten eine Wiederholung der Geschichte und verkauften. Jetzt drängt ein erhöhtes sekundäres Platinangebot aus Japan an den Weltmarkt, was den Preis drückt.

    Dieser Belastungsfaktor gesellt sich zu der Furcht vor einer sinkenden Platinnachfrage durch die Herstellung von Katalysatoren und belastet die Preise. China wie Indien kämpfen gegen eine Inflation, die über der Zielzone der Zentralbanken liegt. Die Währungshüter werden sich nicht bereit zeigen, die Zinsen wieder zu senken, bevor sich nicht die Inflation abkühlt. Da sich das nicht abzeichnet und hohe Zinsen das Wirtschaftswachstum bremsen, besteht zunächst kein Anlass, auf eine wachsende industrielle Platinnachfrage zu spekulieren. Ein Preisabschlag von Platin zu Gold von 144 Dollar könnte vor dem Hintergrund einer sich weiter abkühlenden Konjunktur im nächsten Jahr also noch nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein.

    Ein Hoffnungsschimmer besteht dennoch. Chinas Premier Wen Jiabao deutete eine leichte Veränderung der Wortwahl der chinesischen Zentralbank an, die auf eine mögliche Lockerung der Geldpolitik hindeuten könnte. Die Regierung sollte demzufolge „rechtzeitig und passend vorsorgliche und geringe Anpassungen der Fiskalpolitik“ durchführen. China hat zur Abkühlung der Inflation die Geld- und Fiskalpolitik in diesem Jahr straffgezogen, was die Nachfrage nach Kupfer und anderen Rohstoffen senkte. Eine erneute Lockerung könnte zu einem Wiederanstieg der dortigen Automobilproduktion führen. Die Lage bleibt aber ungewiss.

    Folgende Grafik zeigt die Differenz vom Platin- zum Goldpreis. Wie sie erkennen können, rutscht die Differenz das erste Mal seit mindestens 25 Jahren in den negativen Bereich:

    Wer auf eine Annäherung wettet, könnte enttäuscht werden. Es gab in diesem Jahr bereits zwei andere ungewöhnliche Umkehrungen von Preisverhältnissen. Einmal bei Mais, das eigentlich Futtermittel ist und weniger kosten sollte, als Weizen:

    Was Mais jedoch stützt, ist die Nachfrage der Biokraftstoffherstellung in den USA einerseits und andererseits die Tatsache, dass China trotz Rekordernte noch Rekordbestellungen in den USA aufgeben muss, da die eigene Ernte gerade mal so ausreichen wird, um die Nachfrage zu decken. Die Rekordimporte aus den USA müssen getätigt werden, um strategische Lager aufzubauen, denn man will ja auch einen gewissen Puffer haben, was verständlich ist.

    Eine Umkehr von Spreads gab es auch bei WTI-Brent. Auch hier hat es sich nicht gelohnt, auf eine Rückkehr zu historischen Korrelationen zu wetten. Es macht also Sinn, die Platin-Gold-Korrelation der Vergangenheit auch nicht als Garant für die zukünftige Korrelation anzusehen. Wie zu sehen ist spielt WTI in den vergangenen Tagen ein wenig "Aufholjagd" mit Brent...hier könnte sich etwas entwickeln und es lohnt sich, das im Auge zu behalten:

    Autor: Jochen Stanzl, Chefredakteur Rohstoff-Report

    Der Rohstoff-Report ist eine Publikation der BörseGo AG