Peking (Godmode-Trader.de) - Für die Marktteilnehmer sind die Einschätzungen der chinesischen Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage vor dem Hintergrund der Coronavirus-Epidemie derzeit von besonderem Interesse. Am Samstag und am heutigen Montag wurden nun zwei wichtige Stimmungsumfragen aus China für Februar vorgelegt. Und die Ergebnisse sind desaströs.

Die Indikatoren zum Verarbeitenden Gewerbe brachen so stark ein wie noch nie zuvor! Der am Sonnabend von der nationalen Statistikbehörde erhobene Indikator CFLP sackte mit 35,7 Punkten gegenüber dem Vormonat um 14,3 Zähler ab (von 50,0). Es war der stärkste Monatsrückgang seit dem Beginn der Erhebung im Jahre 2005. Das vorherige Rekordtief von 38,8 Punkten war im November 2008 während der globalen Finanzkrise gemessen worden. Der CFLP erfasst die Stimmung in den großen, staatlichen Industrieunternehmen. Nahezu alle Unterkomponenten gingen im Februar dramatisch zurück, insbesondere Produktion, Auftragseingänge und Beschäftigung. Auch der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor fiel auf den niedrigsten Stand aller Zeiten (29,6 Punkte).

Dagegen bildet der vom Wirtschaftsmagazin Caixin zusammen mit dem Institut IHS Markt ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) vor allem private und kleinere Betriebe ab. Dieser Stimmungsindikator aus dem Produktionssektor brach auf 40,3 Punkte ein (nach 51,8), wie heute mitgeteilt wurde. „Die im Zuge des Coronavirus erforderliche Abriegelung von Millionenstädten, die Reisebeschränkungen, die Verlängerung des Neujahrsfestes und die Einstellung der Arbeit in Produktionswerken zeigt sich nun wie befürchtet in den massiven Stimmungseintrübungen“, kommentierte die NordLB. „Nach monatelangen Sorgen um eine Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China reiht sich damit der nächste Belastungsfaktor für das Reich der Mitte nahtlos ein“.

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Quelle: National Bureau of Statistics, Peking

„Der starke Rückgang des PMI der chinesischen Produktion im Februar bestärkt uns in unserer Ansicht, dass sich die Normalisierung der chinesischen Konjunktur verzögert", sagte der Ökonom Xing Zhaopeng von der Australia & New Zealand Banking Group zu Bloomberg. „Es besteht kaum noch eine Chance für einen V-förmigen Aufschwung, die geld- und fiskalpolitischen Stimuli könnten aber zu einem allmählichen Aufschwung führen“.

Laut Schätzung von Bloomberg Economics waren die chinesischen Fabriken in der vergangenen Woche wieder zu 60 bis 70 Prozent ausgelastet. Das Statistikamt erklärte am Samstag, dass die Wiederaufnahme der Produktion in mittleren und großen Unternehmen zum Zeitpunkt der PMI-Erhebung am 25. Februar bei 78,9 Prozent lag und bis Ende Februar auf 90,8 Prozent steigen sollte.

Jetzt werden die Rufe nach weiteren Zentralbankmaßnahmen und fiskalpolitischen Schritten lauter. In China wurden bereits Zinssenkungen und weitere Stützungsmaßnahmen für die Liquidität der Finanzmärkte eingeleitet. In Hongkong wurde gerade das erste Helikoptergeld an die Bürger ausbezahlt. Weitere Schritten dürften folgen.