Strukturelle Schwächen können dazu führen, dass das aktuell erfreulich hohe Wachstumstempo längfristig gebremst wird. Deutliche Engpässe sind bereits auf dem Arbeitsmarkt zu erkennen, obgleich die Arbeitslosenquote auch nach dem Rückgang auf ein 6-Jahrestief von 14,9% im Oktober nach wie vor das höchste Niveau in der EU darstellt. Die Engpässe spiegeln sich darüber hinaus in deutlich steigenden Lohnzuwächsen wider. Hieraus ergibt sich das Risiko, dass die Notenbank im Zeitraum 2007/08 die Geldpolitik möglicherweise stärker straffen muss als bislang von den Märkten erwartet. Eine Zinsanhebung um voraussichtlich 50 Basispunkte innerhalb der ersten Jahreshälfte 2007 markiert daher wohl eher die Untergrenze des Handlungsbedarfs der Notenbank.

Sowohl die Konjunkturindikatoren als auch das Interesse ausländischer Investoren lassen weiterhin nicht erkennen, dass die politischen Unsicherheiten belastend wirken. Die Frühindikatoren deuten zudem auf eine stabile Auftragsentwicklung, so dass nicht mit einer schnellen Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik zu rechnen ist. Das BIP-Wachstum für das Gesamtjahr dürfte demnach ähnlich wie im dritten und vierten Quartal rund 5,3% betragen. Mit Blick auf 2007 erwarten wir lediglich eine leichte Verlangsamung im Zuge einer schwächeren Exportnachfrage. Die binnenwirtschaftliche Dynamik sollte hingegen weiter hoch bleiben, getrieben durch den Privaten Verbrauch und Investitionen. Darüber hinaus ist auch bei den Zuflüssen an Direktinvestitionen mit einer recht stabilen Entwicklung zu rechnen, da Pressemeldungen ein anhaltendes Interesse ausländischer Unternehmen signalisieren, sich die polnischen Märkte zu erschließen bzw. Polen als Produktionsstandort zu nutzen. Zusammen mit dem voraussichtlich erwartenden Anstieg der Zinsen im kommenden Jahr spricht dies für eine feste Tendenz des Zloty geg. Euro. Wir sehen daher bei unserer Prognose von 3,7 je Euro auf Jahressicht eher ein Risiko auf der festeren Seite. Allerdings könnte eine Fortsetzung des Zinserhöhungszyklus im Euroraum dieses Aufwärtspotenzial dämpfen.

Herausforderungen kommen vor allem auf die Finanzpolitik zu, wenn sich die Wachstumsdynamik im Verlauf des kommenden Jahres abschwächt. Kürzlich hat der IWF nochmals darauf hingewiesen, dass die längerfristige Einhaltung der Maastricht-Defizit Grenze von 3% des BIP eine stärkere Straffung der Ausgaben erfordert. Im Zusammenhang mit den Engpässen am Arbeitsmarkt, die bspw. auf die Notwendigkeit höherer Ausgaben im Bildungssystem hindeuten, um das Angebot an gut qualifizierten Arbeitskräften zu erhöhen, zeigen sich die Schwierigkeiten einer Verringerung der Ausgaben insgesamt. Da die Koalitionsregierung weiterhin brüchig ist, dürfte es auf absehbare Zeit kaum zu neuen Akzenten der Regierung in der Finanzpolitik kommen. Neben dem Inflationsrisiko ist daher in den kommenden zwei Jahren vor allem auf die Verschuldungsentwicklung zu achten. Kurzfristig kann hieraus ein Risiko für den Zloty resultieren. Bislang erwarten wir jedoch das der Zinseffekt dominiert und den Zloty fester tendieren lässt.

Quelle: cominvest

Die cominvest Asset Management GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main wurde im Jahr 2002 durch Zusammenlegung der inländischen Asset Management-Aktivitäten der Commerzbank AG gegründet und ist seitdem eine hundertprozentige Tochter der Commerzbank. Aktuell verwaltet sie 55 Milliarden Euro, wovon 44% auf Privatkunden und 56% auf institutionelle Investoren entfallen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf europäischen Aktien- und Rentenfonds.