Paris/ Istanbul (Godmode-Trader.de) - Der Konflikt zwischen Frankreich und der Türkei hat sich am Wochenende verschärft. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den französischen Staatschef Emmanuel Macron persönlich beleidigt und ihm psychische Probleme attestiert. Er warf Macron zudem Islamfeindlichkeit vor. Paris rief aus Protest seinen Botschafter aus Ankara zurück.

Macron hatte die Meinungsfreiheit verteidigt und sich auf die Seite derjenigen gestellt, die Karikaturen zeigen oder veröffentlichen wollen. Frankreich werde nicht „auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten, auch wenn andere sich davon zurückziehen“, sagte Macron bei einer Gedenkfeier zu Ehren des getöteten Samuel Paty. Dieser war, nachdem er Mohammed-Karikaturen im Schulunterricht gezeigt hatte, auf offener Straße von einem Islamisten getötet und danach enthauptet worden.

Die halbe arabische Welt ist seit den Worten Macrons in Aufruhr. In Jordanien, Kuwait und Katar haben Händler am Sonntag französische Waren aus ihren Filialen genommen. Nun rief auch Erdogan seine Landsleute zum Boykott französischer Produkte auf. „Von hier aus appelliere ich nun an mein Volk. Beachtet französische Marken bloß nicht, kauft sie nicht", sagte Erdogan am Montag.

Die Zuspitzung des Konflikts zwischen Frankreich und der Türkei nun als Hauptgrund zu nennen, dass die türkische Lira am Montag erstmals über die Marke von 8 Lira für einen Dollar gestiegen ist, mag übertrieben sein. Doch die Aggressivität, die der Präsident Erdogan an den Tag legt, dürfte für die heimische Währung auch nicht gerade positiv sein. Weitere Gründe für die Schwäche sind die ausgebliebene Zinserhöhung der Zentralbank in Ankara in der vergangenen Woche, drohende US-Sanktionen, der Konflikt mit Griechenland, der Krieg in Berg-Karabach und nicht zuletzt die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Land. Dieser ungute Potpourri lässt ausländische Investoren sich weiter zurückziehen.

In diesem Jahr haben ausländische Anleger türkische Aktien und Anleihen im Wert von 13,3 Mrd. Dollar verkauft, berichtete Bloomberg. Die sei die größte Summe seit 2005. Der Kurs der Lira ist in diesem Jahr gegenüber dem Dollar bereits um mehr als 25 Prozent abgesackt, so dass sie international die zweitschwächste Währung (nach dem brasilianischen Real) ist.

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