So recht warm geworden sind Anleger mit diesem Bullenmarkt nicht. Die Finanzkrise steckte vielen sehr lange in den Knochen. Es war dabei auch nicht nur die Finanzkrise. Diese wurden in Europa von der Eurokrise gefolgt. Das hat nicht gerade geholfen. Rückblickend gesehen hätte man durch all diese Wirren hindurchblicken können. Wenn man mitten in der Krise steckt, ist das allerdings gar nicht so einfach. Die Krisen wurden zwar überwunden, aber Anleger sind trotzdem nicht gleich auf den Zug aufgesprungen. Die Wirtschaft und das Finanzsystem wurden zwar vor dem Untergang gerettet, aber schon gab es die nächste Bedrohung: die Rettung selbst.

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Das klingt paradox. Um das globale Finanzsystem und die Eurozone zu retten, griffen Notenbanken tief in die Trickkiste. Es hat funktioniert. Die Welt steht noch. Anlegern wurde aber eingeredet, dass diese Magie eine Kehrseite haben muss und die Liquiditätsschwemme nur böse enden kann. Wir warten noch immer.

Erst hat eine reale Bedrohung Anleger von der Börse ferngehalten, dann die Angst vor der nächsten. Professionale Anleger hat das weniger beeinträchtigt als Private. Sie haben mit dem Tief der Aktienmärkte sofort wieder Positionen aufgebaut und viel Risiko auf sich genommen. Das Risiko zeigt sich durch den Kauf von Aktien auf Kredite (Margin).


Die Margin Debt fiel während der Finanzkrise um mehr als 200 Mrd. auf unter 180 Mrd. zurück. Margin Konten sind zwar heute für fast jeden zugänglich, doch die wenigsten spekulieren tatsächlich auf Kredit, sondern vielmehr mit Hebelzertifikaten oder CFDs. Margin Debt ist daher immer noch ein guter Indikator für professionelle Anleger.

Diese bauten innerhalb kürzester Zeit wieder Risiko auf. Der Kauf auf Pump erreichte kurz nach der Eurokrise im Jahr 2013 neue Rekordhochs. Das ging bis vor kurzem munter weiter. Bis Ende 2018 wurde das Risiko beibehalten. Seither hat sich viel getan (Grafik 2).


Professionelle Anleger bleiben vorsichtig. Sie sind mit steigenden Kursen nicht unbedingt höheres Risiko eingegangen. Stattdessen bauen sie seit Monaten wieder Risiko ab. Sie trauen der Rallye nicht über den Weg.

Für Kleinanleger gilt das nicht. Diese sind endlich wieder optimistisch. Gerade in den letzten Wochen waren Privatanleger richtig bullisch. Die Yale Universität hat mehrere Indizes entwickelt, um das Sentiment abzubilden. Darunter gibt es einen Crash Index. Dieser zeigt an, wie zuversichtlich Anleger sind, dass es in den kommenden Monaten keinen Crash geben wird. Privatanleger sind so zuversichtlich wie seit der Finanzkrise nicht mehr...

Private bauen Positionen auf, professionelle Anleger bauen zumindest Risiko ab. Zuerst war der Bullenmarkt von Privatanlegern wenig geliebt, jetzt von Professionellen.