• Nikkei225 - Kürzel: N225 - ISIN: XC0009692440
    Börse: Citi Indikation by TTMzero / Kursstand: 21.199,96 Pkt
  • Fast Retailing Co. Ltd. - Kürzel: FR7 - ISIN: JP3802300008
    Börse: Lang & Schwarz / Kursstand: 271,124 €

In der Bilanz der Notenbank fallen die gekauften Aktien fast nicht auf. Die Bilanzsumme ist inzwischen so groß, dass die 150 Mrd. Dollar an Aktien kaum ins Gewicht fallen (Grafik 1). Den Löwenanteil machen immer noch Staatsanleihen aus.

Seit Einführung der Zinskurvenkontrolle vor einem Jahr muss die Notenbank allerdings nicht mehr so viele Anleihen kaufen wie früher. Die Notenbank kauft derzeit Anleihen mit einer Jahresrate, die 250 Mrd. Dollar unter der Zielgröße liegt, welche sie sich selbst gegeben hat. Je weniger Anleihen gekauft werden, desto mehr fließt in den Aktienmarkt – zumindest gewinnt man diesen Eindruck.

Kaufte die Notenbank noch vor drei Jahren Aktien mit einer Jahresrate von 10 Mrd. Dollar, sind es heute schon 54 Mrd. Das gleicht die zurückgehenden Anleihekäufe nicht aus, schwächt den Rückgang aber ein wenig ab. Das scheint der BoJ wichtig zu sein.

Kritik an den Aktienkäufen über ETFs gibt es schon lange. Die BoJ hält aber an ihrem QE Programm fest. Sie ließ zwar durchblicken, dass es eventuell vorstellbar ist, die ETF Käufe zu verringern, bevor 2 % Inflation erreicht sind, doch einen greifbaren Plan gibt es dafür nicht.

Das wird für viele zum Problem. Die Notenbank hält zwar „nur“ ca. 2,4 % des gesamten Aktienmarktes (Grafik 2), doch der Teufel steckt im Detail. 2,4 % ist eigentlich noch nicht erschreckend viel. Im Einzelfall gilt das jedoch nicht. Die Notenbank kauft vor allem ETFs, die den Nikkei und Topix abbilden. Die Käufe sind also konzentriert.

Erschwerend kommt hinzu, dass einige Unternehmen nur einen geringen Free Float haben. An vielen Unternehmen halten einzelne Großaktionäre einen signifikanten Anteil. Diese Aktien sind nicht im freien Handel verfügbar. So gibt es etwa 106 Mio. Aktien der Fast Retailing Company. Wirklich verfügbar sind aber nur 57 Mio. Davon scheint die Bank of Japan inzwischen über 50 % zu halten.

Obwohl die BoJ weniger als 3 % vom Gesamtmarkt besitzt, hält sie von Einzeltiteln teilweise sehr viel und ist bisweilen der größte Aktionär. Geht die Kaufstrategie so weiter wie bisher, würde die BoJ bei einigen Unternehmen in den kommenden Jahren fast zum Einzelaktionär. Der Free Float wird praktisch komplett aufgesogen. Fast Retailing würde bis auf den Anteil der Gründer dann komplett der BoJ gehören.

Die Aktie von Fast Retailing hat sich seit Beginn der BoJ Käufe mehr als verdreifacht. Zwischenzeitlich lag der Faktor sogar bei 6. Inzwischen hat die Aktie korrigiert, doch das KGV liegt noch immer 50 % über dem Markt. Das Unternehmen wächst zwar, doch so ganz kann man nicht von der Hand weisen, dass auch die BoJ zu der Bewertung beiträgt.

Je mehr Free Float durch die BoJ Käufe vom Markt verschwindet, desto volatiler dürften einzelne Aktien werden. Am Ende, wenn kaum noch Free Float vorhanden ist, kann der Kurs einer Aktie vollkommen losgelöst von den fundamentalen Gegebenheiten durch die Decke gehen. Die BoJ kann das nicht verhindern, solange sie ETFs und nicht Einzelaktien kauft. Nachhaltig ist das nicht.

Clemens Schmale

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