Fast 20 Jahre lang gab es für die Weltwirtschaft einen versteckten Motor namens Yen Carry Trade. Der Motor produzierte für seine exklusiven Teilnehmer Geldmengen im Billionenbereich, was durch die ultralockere Politik der japanischen Zentralbank und durch ihre Interventionen am Devisenmarkt sichergestellt wurde. Die japanische Wirtschaft profitierte von ihrer niedrigen und stetig weiter fallenden Währung, indem Unternehmen wie Honda, Toyota, Mitsubishi, Niko, Fuji, Komatsu, Toshiba und Toyota ihre Produkte auf dem Exportmarkt zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten konnten. Die Finanzzentren in den Industrieländern profitierten von der Flut des Geldes aus Japan. Der japanische Yen war der wichtigste Kanal für die Geldbeschaffung. Diese wichtige Geldmaschine erlaubte es, die japanischen Zinsen und den Yen auf einem niedrigen Niveau zu halten, während der US-Dollar relativ fest und die Zinsen in den USA hoch blieben. Das wurde durch die Verwendung von hohen Mengen Fremdkapitals durch die Carry Trader sichergestellt. Carry Trader investierten in die Aktienmärkte in Europa, den USA, in neue Wachstumszentren in den Emerging Markets, in deutsche Staatsanleihen oder – wie seit 1999 – in Rohstoffe.

Einige Marktkommentatoren führten auch die nicht zur Krise passen wollende Seitwärtskonsolidierung des Goldpreises im Jahr 2008 und 2009 auf die Tatsache zurück, dass der Yen Carry Trade gleichzeitig abgewickelt wurde.

Doch die Zeit des Yen Carry Trades ist vorbei. Mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der Finanzkrise kam auch der Zusammenbruch des Yen Carry Trades. In nur drei Monaten zwischen August und Oktober 2008 wurde der Carry Trade aufgelöst: In diesen drei Monaten wurden die gesamten Rückgänge des japanischen Yen aus den sieben Jahren davor vernichtet. Der Crash des Währungsverhältnisses Euro/Yen hat sich synchron vollzogen zum Rückgang des Aktienmarktes. Beide Kurven zeigen in dieser Zeit steil abwärts. Das belegt, dass immense Geldmengen vom Aktienmarkt zurückgezogen wurden, um den Yen Carry Trade abzuwickeln.

Die neue Carry Trade-Währung ist der US-Dollar. Was für den japanischen Yen vor 20 Jahren galt, gilt heute exakt genauso für den US-Dollar. Denn der US-Dollar hat den Eignungstest für eine Carry Trade Währung erfüllt: Die USA haben ein angeschlagenes Bankensystem, das einen dauerhaft niedrigen Leitzins der Notenbank erfordert, eine angeschlagene Währung, aus der das Vertrauen der Welt entweicht wie Dampf aus einem Kochtopf und eine Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten für das in der Währung aufgenommene Geld.

Eine dieser Investitionsmöglichkeiten ist Gold, das seit Beginn des Dollar Carry Trades ansteigt.

Der US-Dollar als Basis für einen Carry Trade begann mit dem Platzen der Immobilienblase, der Pleite von Lehman Brothers und dutzenden anderen Banken, der Senkung des Fed-Leitzinses auf einen Korridor zwischen 0-0,25% im Sommer 2009, der Bekanntgabe des Kaufs langläufiger Staatsanleihen durch das Fed im Wert von 300 Mrd. Dollar im März 2008 und der Verlängerung der Fed-Bilanz um 1250 Mrd. Dollar. Der jetzige Chef der Federal Reserve Bank of New York rechnete schon im Jahr 2009 mit der Ausweitung der Fed-Bilanz um weitere 1000 Mrd. Dollar. Bernanke macht wahrscheinlich am 3. November Nägel mit Köpfen, wenn er QE2 verabschiedet. Carry Trader nehmen heute einen in Dollar lautenden Kredit auf und kaufen damit Aktien und Rohstoffe. Das ist der Grund, warum der US-Dollar immer weiter fällt, während andere Aktiven wie Rohstoffe oder Aktien immer weiter steigen.

Der US-Dollar versorgt heute die Weltwirtschaft mit Liquidität. Steigt der US-Dollar zu stark an, würde die Liquidität weltweit austrocknen und müssten zur Rückführung des Dollar Carry Trades massiv Aktien, Rohstoffe und andere Aktiva verkauft werden.

Aus diesem Grund gibt es keine Exitstrategie für das Fed. Eine Stabilisierung des Dollars durch eine Erhöhung der Zinsen würde die Erholung weltweit abwürgen. Das Fed kann seine Leitzinsen nicht anheben, ohne zu riskieren, den Dollar Carry Trade mit allen genannten Folgen zu gefährden.

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Auf Ihren Trading-Erfolg!

Ihr Jochen Stanzl
Chefredakteur BörseGo AG