Kronberg im Taunus (BoerseGo.de) - „Im vergangenen Jahr war eine stimmungsgetriebene Marktrotation hin zu Value-Aktien und Titeln mit mehr Risiko zu beobachten. Obwohl es keine Verbesserung bei ihren Fundamentaldaten und Gewinnaussichten gab, haben sich Aktien von weniger soliden Unternehmen in den vergangenen 18 Monaten besser entwickelt als Titel von Qualitätsunternehmen. Tatsächlich haben wir gerade die größte und längste Divergenz zwischen Qualitätsaktien und Value-Werten erlebt, die es in den vergangenen 20 Jahren gab. Während Value-Aktien aus Europa aktuell recht teuer sind, sind die Aktien von Qualitätsunternehmen im Vergleich und auch auf historische Sicht günstig“, erläutert Matt Siddle, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Fidelity Worldwide Investment.

Für die von Siddle gemanagten Fonds hat diese Entwicklung Gegenwind bei der Performance mit sich gebracht. Doch dieser Trend dürfte nach seiner Ansicht vor dem Ende stehen. "Investoren beginnen wieder verstärkt auf Qualität und nachhaltige Geschäftsmodelle zu achten“, so Siddle.

Derzeit sind für den Fidelity-Fondsexperten insbesondere europäische Qualitätsaktien interessant, denn „sie sind im Vergleich zu ihren US-Pendants relativ günstig“. Zudem sind, so Siddle weiter, die Dividendenrenditen europäischer Aktien in rund 50 Prozent der Fälle höher als die Renditen der entsprechenden Unternehmensanleihen. Das gelte nicht nur in Sektoren wie der Telekommunikation oder bei den Versorgern, wo es berechtigte Sorgen über die langfristigen Geschäftsaussichten gebe, sondern über alle Branchen hinweg.

Zu den Aktien, die Siddle derzeit favorisiere, zählen Shell und Reed Elsevier. Shell war aus seiner Sicht zuletzt zwar kein Qualitätsunternehmen, allerdings sei die Bewertung historisch gesehen günstig. Dank der neuen Strategie, sich auf höhere Erträge zu fokussieren, unprofitable Geschäftszweige zu verkaufen und weiter Kosten zu reduzieren, um noch profitabler zu werden, sei der Ausblick für Shell sehr positiv. Bei Reed Elsevier befinden sich das Kurs-Gewinn- und das Preis-Buchwert-Verhältnis im historischen Vergleich im unteren Drittel. Die Fundamentaldaten des Medienkonzerns seien weiterhin verheißungsvoll, das Geschäftsmodell zukunftsträchtig und die Bewertung ist noch günstig im Vergleich zu anderen Unternehmen aus dem Sektor, so Siddle.