Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Zum sechsten Mal in Folge haben die Analysten von Strategie Grains ihre monatliche Schätzung für die Rapsernte in der EU und dem Vereinigten Königreich (ehemals EU-28) reduziert. Mit 16,5 Millionen Tonnen soll sie hinter dem mit 17 Millionen Tonnen bereits schwachen Vorjahr zurückbleiben und die niedrigste Rapsernte seit 2006 werden, wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl im „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

Im Westen und im Südosten der EU hätten die Regenfälle im Juni nicht ausgereicht, um die Situation nach dem zu trockenen Frühjahr noch zu verbessern. Auch Schädlingsbefall mache vielerorts zu schaffen. Die Rapsimporte sollen 2020/21 auf rekordhohe 6,2 Millionen Tonnen steigen, heißt es weiter.

„In der vergangenen Woche veröffentlichte auch die EU-Kommission ihre Prognose zum Rapsmarkt, die sich auf die EU-27 bezieht. Demnach soll die Produktion bei einer ähnlich hohen Fläche wie im Vorjahr mit 15,4 Millionen Tonnen auf dem Vorjahresniveau stagnieren und den Fünfjahresdurchschnitt um fast 20 Prozent unterschreiten. In Frankreich ist keine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr zu erwarten, in Deutschland immerhin ein Anstieg um zehn Prozent“, so Helbing-Kuhl.

Auch dies könne aber nicht verhindern, dass die Ernte hier wie in Frankreich wohl rund ein Drittel unter dem Fünfjahresdurchschnitt bleibe. Prozentual mit den stärksten Einbrüchen sei in Rumänien zu rechnen, wo nur 640.000 Tonnen erwartet würden, weniger als die Hälfte des Fünfjahresdurchschnitts. Der Verbrauch an Raps solle in der EU-27 leicht rückläufig sein und auch die Importe schätze die Kommission mit 5,5 Millionen Tonnen eine halbe Million Tonnen unter Vorjahr, heißt es weiter.

„Wegen niedriger und weiter sinkender Bestände in der EU, aber auch bei deren wichtigstem Lieferanten Ukraine – wo es im Frühjahr ebenfalls zu trocken war und die ukrainische Beratungsfirma ProAgro mit einem Rückgang der Ernte gegenüber 2019/20 um acht Prozent auf drei Millionen Tonnen rechnet – erwartet die EU-Kommission steigende Rapspreise. Auch unsere Prognose für das vierte Quartal 2020 liegt mit 390 Euro je Tonne über dem aktuellen Preisniveau von rund 375 Euro je Tonne“, so Helbing-Kuhl.