Am Wochenende erreichte die Zustimmung zur Unabhängigkeit Umfragen zufolge erstmalig mehr als 50%. Mit anderen Worten: wäre am Wochenende abgestimmt worden, dann wäre Großbritannien jetzt um eine Region ärmer. In 10 Tagen kann noch viel passieren. Die Briten lassen sich gerade einiges einfallen. Steuergeschenke und sonstige Bestechungsversuche werden gerade öffentlich an die Schotten herangetragen. Ob das wirkt, ist noch ungewiss. Schottland ist immerhin eine reiche Region. Ob es ihr ohne den Rest der Insel besser geht, sei dahingestellt. Ziemlich klar erscheint allerdings, dass es England ohne die Schotten schlechter gehen könnte. Anders sind die platten Methoden von Geldgeschenken kaum zu erklären.

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    Als Kontinentaleuropäer kann man sich da ein klein wenig Schadenfreude fast nicht verkneifen. Großbritannien und die EU sind seit jeher auf Konfrontationskurs. Man fragt sich manchmal wirklich, wieso London nicht schon längst den Schlussstrich gezogen hat. Wenn man sich die aktuelle Entwicklung anschaut, dann weiß man, wieso.

    Die EU versucht die Briten genauso zu besänftigen und vom Sinn der EU zu überzeugen, wie es die Briten gerade mit den Schotten versuchen. Die Argumente sind genau die gleichen: "In der Gemeinschaft sind wir stärker. Wir profitieren doch voneinander. usw." Nun, die Briten wollen Europa nicht so wirklich und die Schotten wollen Großbritannien nicht so recht. London muss jetzt ein wenig der eigenen Medizin schmecken. Die scheint recht bitter zu sein.

    Nach der Schadenfreude wieder zurück zum Pfund: es fällt wie ein Stein. Gegenüber dem USD ist das besonders gut zu sehen, aber selbst gegen den Euro, der gerade nicht mit Stärke glänzt, verliert das Pfund. Selbst die Geldschwemme in Japan bringt aktuell nichts. Auch hier verliert GBP. Es lassen sich noch viele Währungen anführen. Der Punkt ist überall der gleiche. Das Pfund und auch die Politik kommen stark unter Druck. Dabei muss man ehrlicherweise sagen, dass niemand weiß, was die tatsächlichen Auswirkungen sind, wenn Schottland die Unabhängigkeit erklärt.

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    EURGBP
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    GBPJPY

    Ich kann mir gut vorstellen, dass der Abwärtstrend vom Pfund bis kurz vor Abstimmung weitergeht. Dann lässt sich dort eine spekulative Longposition auf GBP eingehen - vorzugsweise gegenüber dem US Dollar, der sich gerade in einer Aufwertungsrunde befindet. Spaltet sich Schottland dann nicht ab, gibt es eine Rallye. Kommt die Unabhängigkeit, dann dürfte schon viel eingepreist sein und auch für diesen Fall evtl. eine Rallye folgen, ganz dem Motto: Buy on bad news.