Die globalen Aktienmärkte verzeichneten im zweiten Quartal dieses Jahres ihr bestes Quartal seit 1998 und sind zudem gut in das dritte Quartal gestartet. Die Märkte könnten allerdings während des Sommers unbeständiger werden. Die Bewertungen in einigen führenden Sektoren sind übertrieben, die saisonale Liquidität geringer und viele Risikoquellen bleiben bestehen: So zwingen die steigenden Infektionsfälle eine Reihe von US-Bundesstaaten, die Lockerung der Lockdowns rückgängig zu machen, während in einigen europäischen Ländern ebenfalls ein Anstieg neuer Fälle zu verzeichnen ist. Außerdem wird die Berichtssaison für das zweite Quartal bald beginnen und die US-Präsidentschaftswahl könnte zu einer bedeutenden Quelle der Unsicherheit werden.

Viele dieser Risiken sind den Anlegern jedoch größtenteils bekannt und der wachstumspolitische Kompromiss für Aktien ist nach wie vor unterstützend. Die Inflation mag weiterhin ein Diskussionsthema sein, doch die Erwartungshaltung, dass die Renditen für längere Zeit niedrig bleiben, ist gut verankert. Trotz der kräftigen Erholung der Aktivitätsdaten verharren die Anleiherenditen hartnäckig auf einem niedrigen Niveau und scheinen eine viel vorsichtigere Botschaft zu vermitteln als die Hausse am Aktienmarkt. Der "Fed-Put" ist vielleicht irreführend, bietet aber ein Sicherheitsnetz für Aktien – bisher hat er Anleger in festverzinslichen und sicher geglaubten, anleiheähnlichen Bereichen des Aktienmarktes gehalten.

Finanzinnovationen trugen zur Aktienrallye seit Mitte März bei und auch zyklische Werte wie Banken erholten sich, aber nicht so stark, wie die steigenden Einkaufsmanagerindizes vermuten lassen. Kurzum, steigende Renditen scheinen das fehlende Glied zu sein, um den aufkeimenden Reflationshandel zu bestätigen. Die Quintessenz ist: Wenn die US-Regierung eine beträchtliche Defizitfinanzierung benötigt, ist die US-Notenbank verpflichtet, diese Ausgaben mitzufinanzieren.

Letztendlich könnten wir mit einem Impfstoff im Frühjahr 2021 eine Rückkehr zur Normalisierung erleben. Nach diesem Virus und einer möglichen zweiten Welle im Herbst 2020 werden sich die Geschmäcker und Vorlieben wahrscheinlich endgültig in Richtung Home Office, E-Commerce, E-Services, Mobile Banking und andere technisch bedingte Disruptionen verschieben.