Die internationalen Rentenmärkte setzten im Verlauf der vergangenen Woche ihre Erholung fort. Aufgrund der insbesondere im Aktiensegment gestiegenen Nervosität suchten die Anleger wieder vermehrt den sicheren Hafen der Staatsanleihen auf. Inflationssorgen traten dabei zumindest kurzfristig in den Hintergrund. Doch ist unklar, in welche Richtung die Reise geht: Gelingt es den Notenbanken in den USA und Europa, die Inflation in Schach zu halten, ohne gleichzeitig das Wirtschaftswachstum auszubremsen?

USA: Inflationsängste treten in den Hintergrund

Die Finanzmärkte in den Vereinigten Staaten befinden sich aktuell in einem Dilemma. Angesichts des jüngst deutlich gestiegenen Verbraucherpreisniveaus mehren sich einerseits die Inflationsängste. Hierauf hatte die Federal Reserve Bank bereits in den vergangenen Wochen reagiert und erklärt, ihre Zinspolitik flexibel an die jeweilige Marktlage anzupassen. Das bedeutet, dass das Ende des laufenden Zinserhöhungszyklus noch nicht abzusehen ist. Da die Kapitalmärkte solche Unsicherheit nicht mögen, kam es an den internationalen Aktien- und Rentenmärkten seit Mitte Mai zu starken Turbulenzen. Mit der Aussicht auf weiter steigende Zinsen in den USA konnte sich letzte Woche zumindest der Dollar-Wechselkurs stabilisieren. Doch kommt inzwischen verstärkt die Frage auf, wie weit die Fed mit ihren Zinserhöhungen gehen kann, ohne die amerikanische Konjunktur zu sehr zu dämpfen. Schließlich gilt es, eine Stagnation zu verhindern; gibt es doch bereits erste Signale einer Abkühlung. In diesem Spannungsfeld sind die Rentenmärkte gefangen. Während sich Inflation generell ungünstig auf die Kursentwicklung von Anleihen auswirkt, wirkt ein gedämpftes Wirtschaftswachstum in die entgegen gesetzte Richtung. Die Frage ist, welcher Effekt per saldo stärker wiegt. Gegenwärtig ist der Pfad, den die Wirtschaft in den nächsten Monaten einschlägt, aber noch nicht genau erkennbar. Dementsprechend eifrig dürften die Daten analysiert werden, die in nächster Zeit veröffentlicht werden.

Erst Ende der vergangenen Woche wurde die Kernrate des amerikanischen Preisindex auf Basis der privaten Konsumausgaben (PCE) veröffentlicht. Die Jahresrate ist im April auf 2,1 Prozent gestiegen. Da diese Zahl bereits erwartet worden war, reagierten die Marktteilnehmer gelassen. Mit der 1 hinter dem Komma wurde jedoch die für die Notenbank vertretbare Rate überschritten, sodass immer mehr Marktteilnehmer bereits für Ende Juni von einer nochmaligen Anhebung des US-Leitzinses ausgehen. Per saldo schloss der US-Rentenmarkt die Woche fast unverändert ab. Die Rendite zehnjähriger Treasuries ging um 1 Basispunkt zurück. Sie liegt aber dennoch weiterhin bei über fünf Prozent.

Dollar: Erholung dauert an

Die Lage am Devisenmarkt hat sich zuletzt beruhigt. Mit der Aussicht auf weitere Zinsschritte der Fed konnte der US-Dollar gegenüber dem Euro nochmals um 0,3 Prozent auf 1,27 zulegen. Damit setzte sich die Erholung des Dollar, wenn auch in gedrosseltem Tempo, fort.

Eurozone: Anleihen weiter nachgefragt

Die europäischen Rentenmärkte tendierten in der abgelaufenen Woche wiederholt freundlich. Die Turbulenzen insbesondere an den hiesigen Aktienmärkten erhöhten die Risikoscheu der Anleger, die sich daraufhin wieder verstärkt sicheren Staatsanleihen zuwendeten. Dementsprechend ging beispielsweise die Rendite 10jähriger Bundesanleihen um 11 Basispunkte auf 3,88 Prozent zurück. Die größere Vorsicht der Anleger spiegelt sich ebenso in der Renditedifferenz der EMU-Unternehmensanleihen zu Staatspapieren wider. Hier erhöhte sich der Spread in der vergangenen Woche um 1 auf nunmehr 50 Basispunkte, dem höchsten Stand seit Jahresanfang. Aktuell scheinen die Inflationssorgen in der Eurozone in den Hintergrund zu treten. Eine Zinserhöhung der EZB im Juni gilt angesichts der deutlichen Preissteigerungen im April zwar als so gut wie sicher, doch weisen die jüngsten Meldungen eher auf ein wieder moderateres Wirtschaftswachstum hin. So zeigten letzte Woche die französische Insee-Umfrage und der belgische BNB-Frühindikator eine Verschlechterung der Lage an. Auch der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex fiel von 105,9 Punkten im April leicht auf 105,6 Punkte im Mai. Dies war der erste Rückgang nach fünf Anstiegen in Folge, wobei der Index erst im April ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht hatte. Experten hatten sogar mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. An den Rentenmärkten ist mit weiteren Kursschwankungen zu rechnen.

Ausblick:

Nach dem heutigen Bankfeiertag in Amerika werden morgen das US-Verbrauchervertrauen und am Mittwoch der Chicago Einkaufsmanagerindex (PMI) veröffentlicht. Besondere Aufmerksamkeit werden aber am Freitag die US-Arbeitsmarktzahlen auf sich ziehen. In Europa sollten am Mittwoch die Konjunkturklima- und Verbraucherpreisindizes für Mai sowie am Donnerstag die Arbeitsmarkt- und BIP-Daten für das erste Quartal 2006 Aufschluss über die weitere wirtschaftliche Entwicklung geben.

Quelle: Union Investment

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